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"4 Blocks" - Staffel 1 - Kritik

MrDepad

Von MrDepad in "4 Blocks" - Staffel 1 - Kritik

"4 Blocks" - Staffel 1 - Kritik Bildnachweis: © TNT Serie

Story

4 Blocks erzählt in sechs Episoden eine Geschichte um Freundschaft und Familie, Verrat und Schuld im Milieu eines arabischen Clans in Berlin-Neukölln. Im Zentrum steht Ali Hamady, der seiner Frau und Tochter zuliebe seine vier Blocks und kriminellen Geschäfte hinter sich lassen will. Doch als sein Schwager nach einer Razzia verhaftet wird, gerät er in eine Abwärtsspirale aus Verbrechen, Intrigen und Verrat, aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

Kritik

Auf den Straßen von Berlin-Neukölln bahnt sich ein Krieg an. Um seine Geschäfte vor kriminellen Konkurrenten und dem Gesetz zu verteidigen, gerät Ali Hamady als Anführer des Hamady-Familienclans zunehmend in Konflikt mit seinen wechselnden Rollen als warmherziger Familienvater auf der einen sowie skrupelloser Gangsterboss auf der anderen Seite. Eigentlich will sich Ali, der von seinen Angehörigen nur Toni genannt wird, langsam aus dem kriminellen Geschäft des Drogendealens und Schutzgelderpressens zurückziehen und auf legale Weise Geld mit Immobilien verdienen. Ein aggressiver Rocker-Clan, der sich in den Gebieten des Hamady-Clans ausbreitet, Polizisten, die große Mengen Kokain im Kofferraum seines Schwagers Latif entdecken und sein Bruder Abbas, der immer wieder zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigt, machen es dem Clan-Anführer allerdings zunehmend schwieriger, nicht zwischen sämtliche Fronten zu geraten und den Kopf zu verlieren. 

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Nachdem der österreichische Regisseur Marvin Kren (Mordkommission Berlin 1) zuletzt mit beachtlichen Genre-Filmen wie Rammbock und Blutgletscher auf sich aufmerksam machte, ist die von ihm inszenierte Serie 4 Blocks ein weiterer Beweis dafür, dass deutschsprachige Produktionen den internationalen Vergleich keineswegs scheuen müssen, sofern leidenschaftliche, energiegeladene Talente hinter ihnen stehen. In seiner Milieustudie verbindet Kren mafiöse Strukturen mit familiären Wurzeln, wobei er die deutsche Hauptstadt zu einem Großteil aus der ausländischen Perspektive der Hamady-Großfamilie betrachtet. Dass Toni und seine Frau seit 26 Jahren in Berlin leben und immer noch keine deutschen Pässe bekommen haben, bezieht der Regisseur als sozialpolitische Komponente ebenso in sein breit gefächertes Sittengemälde ein wie geradlinige Genre-Anleihen aus dem Thriller- und Action-Sektor. 

Seit Dominik Grafs (Die geliebten Schwestern) Serien-Meilenstein Im Angesicht des Verbrechens durfte man keine deutsche Serie mehr sehen, in der Berlin derart schmutzig sowie ständig unter Strom stehend als pulsierendes Moloch dargestellt wurde. Kren zeigt Neukölln als aufgeladenen Schmelztiegel der Kulturen, in dem er das impulsive Temperament seiner Figuren immer wieder explodieren lässt. Mit exzellent ausgesuchten Darstellern, unter denen beispielsweise auch Deutschrapper wie Veysel und Massiv besetzt wurden, die sich überraschend stimmig in den Rest des professionellen Casts einfügen, erzeugt 4 Blocks durch die raue Sprache mit vielen Slang-Begriffen und groben Eigenarten sowie der generell körperbetonten Spielweise in Bezug auf die Figuren ein Gefühl von ungeschönter Authentizität, die man in den meisten glattgebügelten, deutschen Produktionen schmerzlich vermisst. 

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Neben den verschiedenen Handlungssträngen, die meist einzelne Hamady-Familienmitglieder betreffen, integriert der Regisseur mit dem von Frederick Lau (Victoria) gespielten Vince eine Figur in den innersten Kreis des Clans, die ebenfalls einige Spannungen in den Handlungsverlauf bringt. Vince, der nach 15 Jahren Abwesenheit wieder in Berlin auftaucht, war früher durch eine tiefe Freundschaft mit Toni verbunden und wird von diesem schnell in die Geschäfte des Clans miteinbezogen, was Tonis Bruder Abbas von Anfang an skeptisch macht. Was außer dem Zuschauer nach der ersten Episode noch keine der Figuren weiß: Vince arbeitet für die Polizei und soll sich verdeckt einen Zugang zu den kriminellen Geschäften des Hamady-Clans verschaffen, damit konkrete Beweise erbracht werden können. 

Aus diesen vielfältig gestreuten Spannungsfeldern formt Kren gemeinsam mit seinen drei Co-Autoren über die insgesamt sechs Episoden hinweg spannungsgeladene Szenarien, die sich gemeinsam mit dem hohen Erzähltempo zu einem ungemein rasanten Seherlebnis verdichten. 4 Blocks entwickelt schon nach kurzer Zeit eine fesselnde Eigendynamik, die den Zuschauer förmlich durch die einzelnen Episoden peitscht, wobei immer neue Verwicklungen, Eskalationen, Handlungswendungen sowie dramatische Zuspitzungen dafür sorgen, dass in der Geschichte kaum Verschnaufpausen eingelegt werden.

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Der dabei entstehende Sog ist zugleich die größte Stärke sowie Schwäche der Serie. Mit einer auffällig hohen Schnittfrequenz treibt der Regisseur das Geschehen geradezu atemlos voran, wodurch er seinen Figuren allerdings oftmals den nötigen Raum zur Entfaltung nimmt. Momente, in denen hinter die Fassade geblickt werden darf und Masken zugunsten privater Einblicke fallen, sind eher rar gesät. Bisweilen fühlt sich 4 Blocks wie die verfilmte Version eines Gangsterrap-Albums an, das von einem der besetzten Künstler wie Veysel stammen könnte. Brutale Auseinandersetzungen, gelegentliche Waffengewalt, Drogenhandel, Prostitution, aggressive Wutausbrüche und knallharte Posen sind einzelne Bestandteile der Geschichte, die trotz ihrer tiefschürfenden Intensität sowie tragischen Entwicklungen zu selten über Genre-Allgemeinplätze hinausreicht. 

Durch die fantastisch aufspielenden Darsteller, einem unbestreitbaren Gespür für handwerkliche Glanzmomente sowie einem Finale, das einzelne Handlungsstränge ebenso kompromisslos wie spektakulär abschließt, darf man nichtsdestotrotz gespannt auf die bereits bestellte zweite Staffel blicken. Zu einem deutschen Pendant amerikanischer Vorbilder wie The Sopranos kann 4 Blocks aber erst vorsichtig heranreifen, sobald den charakterlichen Zwischentönen, privaten Hintergründen sowie zwischenmenschlichen Interaktionen mehr Raum gewährt mit, um den actiongeladenen, spannungsgetriebenen Momenten mehrdimensionales Gewicht zu verleihen.

Fazit

Hinsichtlich Spannung, Tempo sowie daraus entstehender Intensität gibt es keine deutsche Serie der letzten Jahre, die es mit „4 Blocks“ aufnehmen kann. Regisseur Marvin Kren kreiert ein explosives Sittengemälde voller elektrisierender Einzelmomente und Höhepunkte, dem es lediglich an behutsameren Charaktermomenten mangelt. Zwischen der rastlosen Geschwindigkeit des Geschehens sowie der Intensität jeweiliger Momente wünscht man sich gelegentliche Ruhepausen, damit die hervorragend besetzten Schauspieler noch mehr Raum hätten, um ihren mitunter etwas eindimensional gezeichneten Figuren mehr Tiefe zu verleihen und vor allem die privaten sowie persönlichen Facetten noch stärker betonen zu können.

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