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Erster KI-optimierter Spielfilm aus Deutschland geplant: Revolution fürs Kino oder Risiko für kreative Jobs?

Stu

Von Stu

Quelle: Drife
Bildnachweis: © Drife Filmproduktion | Szene aus dem Proof-of-Concept-Trailer von "Geschenkt - Mehr Weihnachten war nie"

Derzeit entsteht in Deutschland ein Filmprojekt, das einen grundlegenden Wandel in der Filmherstellung markieren soll: Die Beteiligten sprechen vom ersten KI-optimierten Spielfilm des Landes. Geplant ist eine Kinoadaption der erfolgreichen Erdmännchen-Krimis, deren Produktion nahezu vollständig auf Künstlicher Intelligenz basiert. Damit rückt nicht nur ein neuer Animationsfilm in den Fokus, sondern auch eine Arbeitsweise, die klassische Produktionsstrukturen infrage stellt.

KI als Strukturgeber – nicht nur als Werkzeug

Initiiert wurde das Projekt von einem neu formierten Kreativ-Hub um das Autorenduo Moritz Matthies (Hans Rath und Edgar Rai), Regisseur Maurus vom Scheidt und Produzent Florian Deyle. Anders als bei herkömmlichen Animationsproduktionen sollen Entwicklung, Regie, visuelle Konzeption und Herstellung von Beginn an parallel verlaufen. KI wird dabei weniger als Effektmaschine verstanden, sondern als zentrales Organisationsinstrument, das kreative Entscheidungen früh beeinflusst und Produktionsprozesse steuert.

Im Mittelpunkt der geplanten Kinoadaption stehen Ray und Rufus, das aus Romanen und Hörbüchern bekannte Erdmännchen-Duo. Als erzählerische Grundlage dient das Weihnachts-Prequel Geschenkt, das die Anfänge der beiden Ermittler schildert und in Berlin verortet ist. Die Geschichte verbindet Krimielemente mit Humor und emotionalen Momenten – ein Ansatz, der bewusst auf breite Zugänglichkeit setzt und zugleich die Herkunft der Reihe betont. Christoph Maria Herbst ist als Sprecher mit an Bord - er saß bereits für die erfolgrreichen Hörbücher vorm Mikro.

Effizienzversprechen versus kreative Verantwortung

Der nahezu vollständige Einsatz von KI wirft jedoch grundsätzliche Fragen auf. Klassische Gewerke wie Szenenbild, oder Kamera sollen zwar weiterhin eine Rolle spielen, ihre Arbeit wird jedoch stark in die frühe Entwicklungsphase verlagert und teilweise von KI-gestützten Prozessen ersetzt. Kritiker*innen sehen darin weniger eine kreative Revolution als vielmehr ein Effizienzversprechen, das vor allem Kosten senken und Abläufe beschleunigen soll – mit unklaren Folgen für künstlerische Handschrift und Beschäftigungsmodelle in der Branche.

Hinzu kommt die Frage nach Autorschaft und Kontrolle. Wenn visuelle Konzepte, Animation und Teile der Inszenierung algorithmisch generiert werden, verschiebt sich die Verantwortung für ästhetische Entscheidungen. Unklar bleibt, wie transparent diese Prozesse sind und wie sichergestellt wird, dass kreative Entscheidungen nicht allein durch technische Optimierung bestimmt werden. Gerade im europäischen Kino, das sich traditionell über individuelle Perspektiven definiert, stößt dieser Ansatz auf Skepsis.

Ein Signal an die Branche – mit offenen Fragen

Aktuell laufen Gespräche mit Förderinstitutionen, Streamingplattformen und weiteren Partnern. Das Projekt stößt dabei vor allem wegen der Verbindung aus bekannter Marke und kosteneffizientem Herstellungsprozess auf Interesse. Gleichzeitig ist offen, wie Fördergremien auf eine Produktion reagieren, die KI so zentral einsetzt, während rechtliche, arbeitsmarktpolitische und ethische Rahmenbedingungen noch nicht abschließend geklärt sind.

Die geplante Kinoadaption der Erdmännchen-Krimis versteht sich damit nicht nur als Filmprojekt, sondern als Testfall. Ob der KI-optimierte Ansatz tatsächlich neue kreative Spielräume eröffnet oder vor allem bestehende Produktionslogiken verschärft, wird sich erst im Ergebnis zeigen. Übrigens setzt nicht nur der deutsche Animationsfilm auf KI. Auch Disney will dieses Werkzeug nutzen. Mehr dazu hier.

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