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Quelle: themoviedb.org

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Inhalt

Was 1968 als friedliche Demonstration anlässlich des Parteitags der Demokratischen Partei geplant war, führte zu blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und der Nationalgarde. Die Organisatoren der Demonstration, unter anderem Abbie Hoffman, Jerry Rubin, Tom Hayden und Bobby Seale, wurden der Anstiftung zu einem Volksaufstand angeklagt, und die darauf folgende Gerichtsverhandlung ging als einer der berüchtigtsten Prozesse in die US-Geschichte ein.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Kaum mehr als zehn Minuten vergehen, bis wir uns nach einer wahnsinnig rasant montierten Eröffnung bereits im Gerichtssaal befinden. Auf der Anklagebank: Sieben (eigentlich acht) Männer, die sich dem Vorwurf der regierungszersetzenden Verschwörung stellen müssen. Im Zuge des Parteitags der Demokraten im Chicago des Jahres 1968 sollen sie eine friedliche Demonstration geflissentlich eskaliert lassen haben. Krawalle, Blutvergießen, Unruhen. Der Rest lässt sich in jedem historischen Nachschlagewerk nachlesen, hat dieser Prozess schließlich nicht nur amerikanische, sondern auch juristische Geschichte geschrieben. Oscar-Preisträger Aaron Sorkin (Molly's Game, u.a. Drehbuch zu The Social Network) hat sich mit The Trial of the Chicago 7, seinem erst zweiten Spielfilm, an die Chicago Seven herangewagt und unterstreicht dabei erneut, warum er sich in Zukunft nur noch auf das Schreiben konzentrieren sollte.

Wie man inzwischen erkannt haben sollte, ist Aaron Sorkin ein brillanter Autor, der das in dieser Form nahezu einmalige Talent hat, Dialoge zu schleifen, die selbst dröge und abstrakt wirkende Milieu (Moneyball, Steve Jobs, The Social Network, The West Wing) lebendig machen. Seine Wortkaskaden sind geistreich, humorvoll und blitzartig. Jeder Dialog wird zum Schlagabtausch, zum Kräftemessen, zur verbalen Feuergefecht. Viel mehr aber noch: Seine Dialogsequenzen sind der Taktgeber, sie dynamisieren die Handlung, sie bestimmen die Geschwindigkeit, sie gestalten den erzählerischen Rhythmus. Ob dieser komplexen Eleganz, die Aaron Sorkin aus seinen Konversationen schöpft, benötigt es einen gestandenen Regisseur, der auch in der Lage ist, jener sprachlichen Dominanz gerecht zu werden. Tragischerweise scheitert Aaron Sorkin bei The Trial of the Chicago 7 an sich selbst.

Zweifelsohne ist The Trial of the Chicago 7 alles andere, als ein staubtrockenes Gerichtsdrama, welches sich formelhaft an den dramaturgischen Prinzipien des seit John Grisham Hochkonjunktur feiernden Genres abarbeitet. Aaron Sorkin möchte sein aufwühlendes Thema mit Tempo, mit Verve, mit Coolness und, natürlich, mit Gehalt angehen. Zum Problem dabei wird, dass er weder die nötige Aufmerksamkeit aufbringen kann, um die aufwühlende Emotionalität zu entfesseln, die die Causa Chicago 7 so bedrückend und berüchtigt gemacht hat. Noch besitzt er die handwerkliche Finesse, um den versierten Wortwechseln filmisch gerecht zu werden. Wilde Schnitte, die den Gerichtsaal, die Außenwelt, die Vergangenheit und die Gegenwart ineinander fließen lassen sollen, enttarnen die hierbei vorgegebene Schnelligkeit der Narration nach und nach als reine Behauptung. Aaron Sorkin kommt schlichtweg nicht mit.

Dadurch geht dem Inhalt nicht nur an Kraft verloren, The Trial of the Chicago 7 scheitert im Folgenden auch an seiner Form, werden die Dialoge hier doch als schwungvolle Machtdemonstration begriffen, die sich zusehends von dem eigentlich spannenden und nach wie vor hochgradig aktuellen Thema isolieren. Zu eloquent, zu geschliffen, zu präzise schwadronieren eigentlich hochkarätige, hiesig aber furchtbar zusammengewürfelt wirkende Schauspieler wie Sacha Baron Cohen (Borat), Eddie Redmayne (The Danish Girl), Joseph Gordon-Levitt (Project Power), Mark Rylance (Dunkirk) oder Yahya Abdul-Mateen II (Aquaman) vermehrt am Geschehen vorbei. Das ist Ausstellungskino im Kreuzverhör mit der eigenen Selbstbesoffenheit. Jede Silbe auf Hochglanz poliert und doch letztlich außerordentlich eindimensional und, gerade für einen Film, der sich nicht nur der Revolution, sondern der kulturellen Revolution verschrieben hat, seltsam leer.

*The Trial of the Chicago 7 hat einen limitierten Kinostart erhalten und erscheint ab dem 16. Oktober offiziell auf Netflix.

Fazit

Ein spannendes, nach wie vor hochgradig aktuelles Thema wird im Falle von "The Trial of the Chicago 7" zur reinen Egoshow. Aaron Sorkin liefert mit seinem zweiten Spielfilm astreines Ausstellungskino ab, dem es sicher nicht an Rasanz mangelt, aber an erzählerische Balance und Umsicht. Immerzu geht es dem Oscar-Gewinner darum, seine formidabel geschriebenen Dialogsequenzen ins Zentrum zu rücken. Dadurch isoliert er sie zunehmend von der eigentlichen Geschichte. Ein seltsam leerer, eindimensionaler Film, der sich vor allem im Kreuzverhör mit der eigenen Selbstbesoffenheit befindet.

Autor: Pascal Reis

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