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Im Zentrum der Handlung steht die unglaubliche Geschichte des britischen Forschers Percy Fawcett, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Amazonasgebiet erkundete und dort Spuren einer zuvor unbekannten Zivilisation entdeckte. In der Heimat wurde er von anderen Wissenschaftlern aufgrund seiner Theorien belächelt und so kehrte er mit seinem Sohn zurück in den Dschungel, um Beweise zu finden, was jedoch mit seinem spurlosen Verschwinden 1925 endete.

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Kritik

Eine Schar Reiter prescht in vollem Galopp über die grünen Wiesen Englands. Hunde bellen, Jagdhörner ertönen. Es fällt ein Schuss und ein Hirsch fällt getroffen zu Boden. Colonel Percival Fawcett und seine Jagdgesellschaft stören die erhabene Stille der Natur und tränken den Boden mit dem Blut des Königstieres der englischen Wälder. In dieser so makellos dynamisch inszenierten Eröffnungsszene des Films Die versunkene Stadt Z wird bereits das Grundmotiv der Geschichte eingeführt: die Spezies Mensch auf der Jagd nach Ruhm, Neuentdeckungen und Perfektion. Denn das Leben in der englischen Heimat ist Percival Fawcett nun doch zu eintönig geworden und die beunruhigenden weißen Flecken auf den Landkarten der Royal Geographical Society schreien danach, gefüllt zu werden.

Regisseur James Gray hat über die Jahre seinen eigenen visuellen Stil etabliert, der in düsteren Bildern mit kaum merklicher Sepiatönung eine ganz eigene Atmosphäre zu erzeugen vermag. Mit seinem letzten Film The Immigrant scheint er Gefallen am Genre des Historiendramas und der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts gefunden zu haben, entschied er sich doch dazu, in Die versunkene Stadt Z nun die Geschichte eines englischen Entdeckers zu erzählen, der zwischen 1906 und 1925 Forschungsreisen nach Südamerika unternahm. Und wenn etwas zusammenpasst, dann ist es der unvergleichliche visuelle Stil von James Gray und das Setting eines Historiendramas. Denn seine in düsteren Rahmen lodernden Bilder wecken Erinnerungen an alte Fotografien und schüren eine sowohl bedrohliche als auch Neugier weckende Ahnung vom im Dschungel des Amazonas lauernden Unbekannten.  

Basierend auf der Buchvorlage von David Grann verfasste der Regisseur, wie gewohnt, selbst das Drehbuch, verzichtete aber auf seinen Lieblingsschauspieler Joaquin Phoenix. Stattdessen erarbeitete sich Charlie Hunnam die Rolle des Percival Fawcett, nachdem Brad Pitt und Benedict Cumberbatch aufgrund terminlicher Konflikte absagen mussten. Und Hunnam überzeugt sowohl als sich sorgender Familienvater, den Gewissensbisse plagen, wenn er seine Frau und Kinder in der Heimat zurücklässt, als auch in der Rolle des risikobereiten Einzelgängers, der in feurigen Reden vor der Royal Geographical Society seine Thesen vertritt. Als Nina Fawcett steht ihm eine Sienna Miller zur Seite, die dem Zuschauer ebenfalls im Gedächtnis bleibt. Denn dieser starke Frauencharakter sorgt nicht nur brav zuhause für die Kinder, während ihr Ehemann auf Abenteuersuche geht, sondern beschäftigt sich mindestens genauso intensiv mit der unentdeckten Zivilisation Südamerikas und ist drauf und dran, ihm in den Dschungel zu folgen. Als würde James Gray seinen Kollegen zeigen wollen, wie man ein fa(w)cettenreiches Charakterdrama zu gestalten hat!

Unglücklicherweise bleibt Robert Pattinson in der Rolle des in seinen Bart nuschelnden Reisebegleiters und Freundes von Fawcett dann so blass und unscheinbar, dass nur schwer ein vielseitiges Beziehungsgeflecht entstehen kann. Die Figur fällt wohl der langen historischen Zeitspanne und den vielen Ereignissen zum Opfer, die der Film darzustellen gewillt ist. Fawcetts Militärdienst im Ersten Weltkrieg und die ständigen Wechsel zwischen seiner Heimat England und den Reisen in die Amazonasgebiete verhindern einen Spannungsbogen, der zum Genre des Abenteuerfilms dazugehört. So entpuppt sich Die versunkene Stadt Z trotz nervenaufreibender Flussfahrten und Pirschgänge durch die unbekannte Wildnis eindeutig als kunstvoll fotografiertes Historiendrama.

Dem Film gelingt es, das Wagnis des Menschen auf der Jagd nach Wissen und Vollendung als ungeschöntes Spiel mit dem Tod darzustellen. Stets spürt man die unheimliche Präsenz des sagenumwobenen, die menschliche Vorstellungskraft übersteigenden Mythos, als welchen Fawcetts Entdeckungen zu seiner Zeit noch zu bezeichnen waren. Hinzu kommen altertümlich verschleierte Aufnahmen des südamerikanischen Urwalds, der sich nicht als unversehrter Erholungsort, sondern als schmutzig-schöne Naturgewalt darstellt. Grays neues Werk behandelt auch seine eigentlichen Hauptpersonen mit tiefer Ehrfurcht: die Wälder des Amazonas und die indigene Bevölkerung, die von der westlichen Zivilisation ins Verderben getrieben wird. 

Fazit

James Gray, das Genie der düster flackernden Bilder, schuf mit „Die versunkene Stadt Z“ ein Historiendrama mit faszinierender Atmosphäre. Durch seinen flachen Spannungsbogen und seine nahezu episodenhaft erzählte Geschichte distanziert der Film sich merklich vom Genre des Abenteuerreißers und legt seinen Fokus auf ausgefeilte Charaktere und historische Tatsachen. Dem harmonischen Fluss an Bildern gelingt es, die Zeit für den Zuschauer zurückzudrehen und ihn in die Fesseln eines sagenumwobenen Mythos zu treiben.

Autor: Jonas Göken

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