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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Dezember 1991: Obwohl die Ehe des Prinzen und der Prinzessin von Wales von Kälte geprägt ist, muss die gesamte königliche Familie über Weihnachten den alljährlichen Besuch auf dem Landsitz Sandringham antreten. Die endlose Abfolge von Festessen, durchexerzierter Traditionen und Öffentlichkeitsauftritten ist für die depressive Diana eine zusätzliche Belastung.  Während alle um sie herum ihr das  vorgeschriebene Protokoll aufzuzwingen versuchen, wird ihr Verlangen nach Freiheit immer unbändiger. Ein Bruch zeichnet sich ab. 

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Nach seinem semi-fiktionalen Porträt der frisch verwitweten Jackie Kennedy Onassis widmet sich Pablo Larraín (Ema) erneut der präzisen Studie einer Frauenikone, die in direkter Nähe politischer Macht um Selbstbehauptung kämpft. Beide Dramen fokussieren die Titelfigur in einem zeitlich begrenzten Kontinuum, beide hängen an einer exzellenten Hauptdarstellerin und schwelgen in der Präsentierung jener Hauptdarstellerin in beeindruckend authentischen Kostümen. Doch stilistische Überschneidungen betonen nur die Unterschiede der entschlossenen Präsidentengattin zur in ihrer Rolle erstickenden Prinzessin von Wales.

In einer enigmatischen Darstellung enthüllt Kristen Stewart (Come Swim) sie als ebenso rebellische wie verletzliche Persönlichkeit. Deren Individualität stört das rigide Zeremoniell der Windsor-Weihnachtsfeierlichkeiten, die für Diana zur dreitätigen Tortur werden. Der obligatorische Familienbesuch auf Schloss Sandringham, dessen geografische Nähe und symbolische Distanz zu Dianas Kindheitsorten wehmütige Erinnerungen weckt, ist eine durchgeplante Inszenierung. Jede Abweichung wird unterbunden, jeder Fehltritt bestraft. Die auf ihr Öffentlichkeitsbild fixierten Adelsverwandten sie sind selbst Gefangene dieser Vorstellung hinter zugezogenen - manchmal zugenähten - Vorhängen.

Während museale Interiors aller Anwesenden emotionale Beklemmung einrahmen, entrücken diesige Außenszenen die in originalgetreue Garderoben gehüllte Prinzessin der Gegenwart, gleich einer Wiedergängerin ihres einstigen Ichs. Der Titel verweist auf diesen Identitätsverlust, den ihr frustrierter Gatte (Jack Farthing, The Lost Daughter) und die resolute Queen (Stella Gonet, The Salisbury Poisonings) als Preis der repräsentativen Regentschaft ansehen. Flüchtige Momente der Freundschaft mit Küchenchef Darren (Sean Harris, The Banishing) und Ankleiderin Maggie (Sally Hawkins, Wonka) verblassen vor zwanghafter Verpflichtung gegenüber Tradition, Nation und zum Abstraktum entrückten Volk.

Fazit

Unterkühlte Landschaftsaufnahmen vermitteln die innere Isolation der Hauptfigur, deren frühen Tod bedeutsame Dialoge und geschichtsträchtige Geistererscheinungen andeuten. Dianas private Tragödie ist Teil ihres Mythos, den der chilenische Regisseur zu bewusster Distanzierung von historischer Korrektheit zugleich transzendiert und festigt. Trotz Steven Knights psychologisch unzureichenden Skripts gelingt dem exzellenten Ensemble eine Momentaufnahme von faszinierender Authentizität. In der vergifteten Atmosphäre elitärer Etikette und Bevormundung entsteht die bittere Farce einer auf Machttheater reduzierten Monarchie, die Menschlichkeit als Schwäche auffasst.

Autor: Lida Bach

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