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US-Spielfilm von Clint Eastwood, der auch eine der Hauptrollen spielt. Der zu 40 Jahren Haft verurteilte Butch Haynes bricht aus dem Gefängnis aus. Seine Flucht setzt er mit dem achjährigen Philip Perry als Geisel fort. Zwischen dem unberechenbaren Verbrecher und dem schüchternen Jungen entwickelt sich bald eine für beide wichtige Vater-Sohn-Beziehung.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Mit dem phänomenalen Erfolg seines Spätwestern-Meisterwerks Erbarmungslos konnte sich Clint Eastwood endgültig auch als ernstzunehmender Regisseur etablieren, der nicht nur als verlässlicher Genre-Handwerker wahrgenommen wurde. Entsprechend hoch sind somit logischerweise auch die Erwartungen an sein nächstes Projekt Perfect World, in dem sich Eastwood selbst abermals als raubeinigen Texas-Ranger besetzt. Allerdings nicht als Actionheld und auch eher in einer Nebenrolle. Als Verfolger des Gefängnisausbrechers Butch Haynes (Kevin Costner, Der mit dem Wolf tanzt), der auf seiner Flucht den 8jährigen Phillip als Geisel nimmt. Der ungeschliffene, aber doch ganz charmante Verbrecher und der etwas weltfremde, da in einem Zeugen Jehovas-Haushalt aufgewachsen Junge freunden sich schnell, da sie sich gegenseitig genau das geben, was ihnen bisher gefehlt hat: Phillip eine Vaterfigur und Butch Verantwortung für jemand anderen als nur ihn selbst.

Um eines mal gleich klarzustellen, obwohl es eigentlich kaum noch erwähnt werden muss: Formell, handwerklich war Clint Eastwood auch damals schon ein hervorragender Regisseur. Der ein Auge für Bilder, ein natürliches Gespür für klassischen, ausgewogenen Erzählrhythmus besitzt und auch bei der Besetzung oft goldrichtig liegt, ohne das seine Filme vor Topstars überquellen. Attribute, die nahezu alle seine Arbeiten auszeichnen und da macht auch Perfect World keinen negative Ausnahme. Schön anzusehen und gediegen, aber nie langatmig erzählt, das kann er einfach. Was bei solchen Geschichten aber immer brandgefährlich ist, ist ihre Nähe zum Kitschbecken. Und genau da rasselt der Film mit einem satten Bauchklatscher rein. Mal ganz abgesehen davon, dass die Ausgangslage schon viel weniger Sinn macht als sie in der Theorie klingt. Es ist in der Situation völlig überflüssig, den Jungen als Geisel zu nehmen. A) hätte man ohne ihn genauso abhauen können B) brauchen sie ihn überhaupt nicht als Druckmittel und C) ist er eigentlich nur hinderlich bei der Flucht. Bis zum Showdown kommen sich Jäger und Gejagter eh nie nahe genug, als dass eine Geisel irgendeinen Zweck erfüllen würde.

Gut, eine Sache, dafür hat sich beim drehbuchschreiben vermutlich niemand wirklich interessiert und es soll auch relativ egal sein, wichtig ist die Situation halt für die Prämisse des Films. Hätte man aber mit leichten Änderungen wesentlich plausibler gestalten können. Wirklich problematisch sind wie gesagt die enorme Sentimentalität, Rührseligkeit und die abgedroschenen Klischees, womit hier mit beiden Händen um sich geworfen wird. Entführt werden als großes, spannendes Abenteuer. Wo man was über das Leben lernt, selbst mit Waffen spielen darf (ist halt Texas, passt schon), endlich auch mal ein Halloween-Kostüm tragen darf – nicht wie zuhause bei den Sekten-Spaßbremsen – und vor allem endlich einen Daddy findet. In dem Gauner mit Herz, der sein „Opfer“ behandelt als wären sie gerade auf dem Weg nach Disneyland. Bringt zwar auch mal Menschen um, aber muss man trotzdem liebhaben, den Kerl. Viel zu schnell, viel zu platt und oberflächlich werden die Beiden zu besten Kumpels oder sogar mehr. Hauptsache man triggert die Emotionen des Publikums ausgiebig in die gewünschte Richtung und arbeitet somit auf das unweigerliche, meilenweit gegen den Wind zu riechendes Finale hin. Stellenweise ist das echt too much und auch andere Kleinigkeiten, wie einige unpassenden Humoreinlagen oder die Rolle von Laura Dern (Jurassic Park) als unnötig-wertloses Emanzipations-Anhängsel braucht echt kein Mensch.

Wenigstens kann man Perfect World nicht attestieren, dass er langweilig oder schlampig inszeniert wäre. Das ist halt die große Stärke von Eastwood und auch ein Kevin Costner ist sehr engagiert dabei, was bei ihm ja selbst zu dieser, seiner Hochphase nicht immer der Fall war und ist. Kurz vor Schluss bekommt der Film sogar endlich mal die Kurve raus aus der selbstauferlegten Wohlfühlzone und zeigt, dass nur Friede, Freude, Eierkuchen bei so einer Thematik, mit solchen Figuren, einfach unangemessen ist. Und der nette Onkel nicht umsonst in der Situation ist, wo er/wo sie sich jetzt befinden. Um den Film ernsthaft zu retten leider zu spät und auch nur ein Strohfeuer, aber es stimmt im Allgemeinen milder.

Fazit

Könnte einen guten Thriller abgeben, das will er aber gar nicht. Könnte ein emphatisches und sensibles Drama sein, was er will, aber nur durch den groben Totschläger erzwingt. In einer perfekten Welt wäre Clint Eastwood’s hochambitionierter und fachlich sehr ansprechend umgesetzter Film eine echte Perle, in der Realität bedient er viel zu sehr ausgeleierte Mechanismen und geht konservativ-prätentiös lieber auf Nummer sicher. Ist nicht ohne Wert und Charme, aber mehr als akzeptabel bleibt da in der Endabrechnung nicht (mehr) übrig. Schade.

Autor: Jacko Kunze

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