MB-Kritik

Musk 2026

Documentary

Elon Musk
Justine Musk
Ashley St. Clair
Kara Swisher
Martin Eberhard
Zoë Schiffer
Geoffrey Hinton

Inhalt

Eine gründliche und schonungslose Analyse von Elon Musk, einem Technologie-Milliardär, der als CEO von Tesla, SpaceX und Twitter fungiert.

Kritik

Nach der paradoxen Promotion-Logik um Elon Musk müsste Alex Gibneys (Knife: The Attempted Murder of Salman Rushdie) monumentale Monographie des kontroversen Tech Milliardärs ein Erfolg werden. Immerhin ist die mediale Aufmerksamkeit des Protagonisten, der ein Mitwirken laut des sarkastischen Prologs ablehnte, besser als jede Werbekampagne. „Alex Gibney is obviously going to make the most convincingly terrible hit piece on me that he can possibly think of.“, schrieb der reichste und, nach Einschätzung der kolossalen Chronik, mächtigste Mann der Welt 2023 auf X, und ergänzte: „Alex Gibney is a douchebag“. „Douché“, entgegnete der für seine dokumentarischen Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen und Machtfiguren bekannte Regisseur.

Der ist auf die Replik offenbar so stolz, dass er den Austausch gegen Ende nochmal einfügt. Solche Wiederholungen füllen einen beachtlichen Teil der epischen 225 Minuten Laufzeit. Zugleich Zuviel und Zuwenig, prägen die ausufernde Inszenierung selbst auf formaler Ebene die Widersprüche, die Musk definieren - jedenfalls zufolge Gibneys psychologischer Perspektive. Sie folgt dramaturgisch der konventionellen Kurve von Aufstieg und Fall, die sich in der Karriere des Tesla und SpaceX Gründers nicht zeigt. Der erste Akt über seine geschäftlichen Anfänge bestärkt das Bild des „Wiz Kid“, so der Titel eines der biographischen Kapitel. 

Musk erscheint als „the greatest inventor of all time“, ein visionärer Self-Made-Milliardär, der auf Archivmaterial dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama seine Raketen vorführt, mit Elektroautos die Umwelt retten will, und der Ukraine mit seinen Satelliten SpaceLink essenzielle militärische Unterstützung bietet. Dieses (selbst)konstruierte Ideal investigiert der zweite Akt. Das zwiespältig biblisch betitelte Kapitel „Legion“ vermittelt ein beunruhigendes Bild seines Prokreations-Plan, durchsetzt mit eugenischen Dogmen und faschistoider Taktik. Die Kids sieht Musk augenscheinlich als seine Armee intellektuell, ästhetisch und ideologisch überlegener Supermenschen. Sohn X Æ A-Xii, genannt X, fungiert auf öffentlichen Events als Musks Mini-Me. 

Trans Tochter Vivian Wilson ist für ihn hingegen buchstäblich gestorben. Transfeindlicher Populismus ist nur eine Facette der neo-faschistischen Denkmuster, die sein Nazi-Gruß während der Trump Rally in der Capital One Arena am 20. Januar 2025 offen zelebrierte. Der dritte Akt reißt Musk nun mit großer die Maske des genialen Weltretters herunter; als sei die nicht schon längst gefallen. Teslas Einstreichen staatlicher Fördermittel, die das Auto als umweltfreundlicher ausgibt, als es ist. Die systematische Vertuschung Teslas tödlicher technischer Fehler, die Etablierung von X als rechts-populistischer Plattform mit Incel-AI Chatbot Grok, Musks Vorkenntnis von Wahlergebnissen …

Gibney lädt seine angespannte Chronik voll mit alarmierenden, verstörenden und kurioser Fakten. Seine Auswahl, welche Themen durchleuchtet werden, welche angerissen oder nur angedeutet, ist streitbar. Die weiße Tech Bro Culture, zu deren Poster Boy Musk wurde, ist omnipräsent, wird aber nie erwähnt. Ebenso wenig die inhärente Verstrickung AIs mit faschistischer Ideologie. Musks wachsender politischer Einfluss auf nationaler und globaler Ebene sowie die Abhängigkeit staatlicher Programme von ihm sind eine abschließende Randnotiz. Visuelle Spielereien und Effekthascherei verschwenden Laufzeit, die thematische Transparenz und sachliche Recherche besser füllen könnten. Der optische Bombast reproduziert unangenehm die Ästhetik des Titelcharakters. 

Fazit

Eine AI-Simulation Elon Musks, der ein Interview mit Alex Gibney ausschlug, ist als groteskes Gimmick symptomatisch für den stilistischen Exzess der titanischen Tech-Mogul-Doku. Deren grelle Optik, pompöse Effekte und pathetische Musik, inklusive David Byrnes mit Musk-Zitaten generierten Songs “Let Me Sell You a Dream”, erschweren den Überblick über die Themenfülle. Praktisch nichts ist neu, doch die analytische Einordnung durch Expert*innen wie Technologie-Journalistin Kara Swisher, Investigativ-Reporterin Zoë Schiffer, Computerspezialist Geoffrey Hinton ebenso spannend wie psychologische Perspektiven von Tesla Mitbegründer Martin Eberhard, Musk Ex-Frauen und Vaters Errol Musk. Bombastisch und brachial, eine dokumentarische Defensive synchron zu ihrem Sujets.

Autor: Lida Bach
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