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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Bisher unveröffentlichtes Filmmaterial, aufgenommen von Salman Rushdies Ehefrau Rachel Eliza Griffiths, dokumentiert seinen Genesungsweg. Es zeigt nicht nur seine körperliche Rehabilitation, sondern auch die Wiederherstellung seines Geistes und seines Optimismus. Inspiriert wurde das Ganze von Rushdies Memoiren „Knife: Meditations After an Attempted Murder“.

Kritik

“I’m standing up in the place where I fell down.”, resümiert Salman Rushdie (Mitternachtskinderin Alex Gibneys (No Stone Unturned) differenzierter Analyse eines Attentats mit bemerkenswerter Gelassenheit an dem Ort, an dem er ein Jahr zuvor fast sein Leben verlor. Die erschütternden Filmaufnahmen des Messerangriffs auf den britischen Schriftsteller im Jahr 2022 in Chautauqua, New York, hält der Regisseur indes bis Schlussakt seiner auf Rushdies eigener schriftlicher Auseinandersetzung mit dem Vorfall basierenden Aufarbeitung zurück. Dann erscheinen sie als grausam konsequente Manifestation religiösen Fundamentalismus, ideologischer Verblendung und diffusem Hass, die lange Schatten werfen: auf die Laufbahn des Titelcharakters und eine trügerisch freigeistige Gesellschaft. 

Über animierte Linienzeichnungen, Zeugenaussagen und beklemmende Bilder Rushdies schwerer Verletzungen und langwieriger Genesung nährt sich die nüchterne Inszenierung der Tat mit analytischer Klarheit. Der autobiographische Aufbau Rushdies Buchvorlage “Knife: Meditations After an Attempted Murder” dient als Grundlage der Kompilation von alten Interviews, von Rushdies Ehefrau Rachel Eliza Griffiths gefilmter Gespräche und Monologe, Medienberichten und nachgestellten Passagen. Das vielschichtige Porträt eines Menschen, der sich von Todesdrohungen und extremistischer Ächtung nicht zum Schweigen bringen lässt. Rushdies Voice-Over, das Auszüge seines zwei Jahre nach der Tat erschienen Buchs verließt, kontrastiert die Archivbilder der radikalen Reaktionen auf seine “Satanischen Verse” mit ruhiger Reflexion. 

Gibney verwebt die durch die Fatwa des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khomeini ausgelösten Bücherverbrennungen und internationalen Unruhen und die Jahre, in denen Rushdie unter ständigem Polizeischutz lebte, mit Rückblenden zur Kindheit und Jugend des in Indien geborenen Autoren. Seine durch die Krankenhausszenen bedrückend greifbare Menschlichkeit und Verletzlichkeit wird zum Synonym der Fragilität demokratischer Grundsätze von künstlerischer Freiheit, Toleranz und  Menschenwürde. Gibneys in filmhistorischen Zitaten aus Psycho, Knife in the Water und 12 Angry Men sichtbares Kino-Faible strapaziert die Geduld, doch kathartische Momente wie die Konfrontation des Täters Hadi Matar finden stets zurück zum dokumentarischen Fokus.

Fazit

„We would not be who we are today without the calamities of our yesterdays.“, sinniert der Titelcharakter Alex Gibneys packender Doku, die auf dem Sundance Film Festival ihre Premiere feiert. Sachlich und konzentriert beleuchtet der US-amerikanische Regisseur in Rushdies eigenen Worten, persönlichen Filmdokumenten seiner Gattin Rachel Eliza Griffiths sowie anhand umfassenden Archivmaterials Hintergründe und Auswirkungen einer Tat, die sich ins öffentliche Gedächtnis eingebrannt hat. Frei von reißerischer Spekulation und manipulativem Sentiment verschmelzen literarische Biografie und kriminalistische Rekonstruktion zu einer fesselnden Kontemplation über den Preis der Freiheit, die Ursachen religiöser Gewaltbereitschaft und die dringliche Frage nach politischer Verantwortung. 

Kritik: Lida Bach

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