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Inhalt

Frankreich, während der Besatzungszeit: Nachdem ihr Mann im Krieg gefallen ist, flüchtet Barny (Emmanuelle Riva) mit ihrer Tochter France in eine Stadt am Rande der Berge. Als militante Kommunistin verachtet sie Religion und Bürgertum. Eines Tages lernt sie den jungen Priester Léon Morin (Jean-Paul Belmondo) kennen. Um ihre halbjüdische Tochter zu schützen, lässt Barny sie katholisch taufen. Aber darüber hinaus, beginnt sie sich für den Priester zu interessieren. Die beiden treffen sich, um theologische Diskussionen zu führen. Doch hinter Barys neugewonnenem Interesse am Glauben steht auch das Bedürfnis Léon nahe zu sein…

Kritik

Nur ein Jahr bevor Jean-Pierre Melville (Armee im Schatten) mit Der Teufel mit der weißen Weste Filmgeschichte schreiben sollte und den klassischen Gangsterfilm nachhaltig prägte, entstand das in sich gekehrte Glaubensdrama Eva und der Priester, ebenfalls mit einem blendend aufgelegten Jean-Paul Belmondo (Angst über der Stadt) in einer der Hauptrollen besetzt. Wenn man so möchte, kann man das Schaffen Melvilles in zwei markante Phasen einteilen: Jene Werke, die vor Der Teufel mit der weißen Westen entstanden sind und jene, die danach entstanden. Während Melville im Zuge der vorangeschrittenen 1960er Jahre alsbald Klassiker auf Klassiker folgen ließ, sind es die frühen Jahre des französischen Meisterregisseurs, die gleichermaßen entdeckt werden respektive Wertschätzung erfahren wollen und dürfen.

Eva und der Priester ist eines dieser Werke. Cineasten mag der Film ein Begriff sein, die ikonische, breitenwirksame Strahlkraft eines Der eiskalte Engel oder Vier im roten Kreis jedoch besitzt er nicht, was wohl in erster Linie damit zusammenhängt, dass die inszenatorische Handschrift seitens Jean-Pierre Melville (der übrigens mit Die Blechtrommel-Regisseur Völker Schlöndorff namhafte Unterstützung zur Seite stehen hatte) noch in der Form ausgeklügelt und versiert war, wie man es von seinen künstlerischen Hochphasen gewohnt ist. Eva und der Priester ist ein vergleichsweise kleines Werk, keine stilgerechte Machtdemonstration, in dem dennoch eine Sache überdeutlich gemacht wird: Mag das Topoi, welches Melville in seinen Filmen frequentiert, auch noch so komplex sein, sein bildsprachliches Vokabular ist immer von einer ganz besonderen Klarheit geprägt.

Von Augenwischerei nämlich hat der gebürtige und mit 56 Jahren viel zu früh verstorbene Pariser nie etwas gehalten. Seine Meditation über, ganz profan gesagt, den Glauben, kräht hier keiner intellektuellen Geltung hinterher, sondern versucht sich ganz nahbar daran, die Gewissenskonflikte der Hauptdarsteller zu erforschen. Die atheistische Kommunistin Barny (Emmanuelle Riva, Hiroshima, mon amour) und der Gemeindepfarrer Morin (Belmondo) treffen aus einer provokativen Laune, ausgehend von Barny, aufeinander. Daraus entwickelt sich allerdings ein menschliches Interesse daran, tiefschürfende Gespräche über die individuellen Lebensmodelle zu führen. Werte, Ideale und Dogmen werden abgetastet, der Glaube und die Liebe als seelische Gewissheiten auf den Prüfstand gestellt. Und während auf den Straßen der zweite Weltkrieg tobt, rücken Barny und Morin immer näher zusammen.

In kontrastreichen Low-Key-Fotografien handelt Jean-Pierre Melville die (Streit-)Frage aus, ob es notwendig ist, einen Weg zu Gott zu finden. Ausgerechnet der charmante, in seiner Verbindung zu Gott gnadenlos beständige Geistliche Morin erklärt der leicht strauchelnden Barny, dass man Gott nicht erreden kann – und Gott somit auch nicht mittelbar ist. Und sollte man nicht zu ihm finden, so ist das auch in Ordnung. Was im Leben jedoch vonnöten bleibt, ist der Glaube an irgendwas. Und ist er nur der Glaube an seine eigene Existenz. Zwischen stillem Verlangen und philosophischen Zwiegesprächen findet Jean-Pierre Melville in den tadellos gespielten Dialogsequenzen zwischen Riva und Belmondo jene geerdete, greifbare Balance, die Eva und der Priester zu mehr macht, als „nur“ einem an vielschichtigen Diskursen interessierten Frühwerk im Output einer späteren Regiegröße.

Fazit

"Eva und der Priester" überzeugt durch seine beobachtend-klare Erzählweise, der sich Jean-Pierre Melville im weiteren Verlauf seiner Karriere auch treu bleiben sollte. Sicherlich fehlt dem Film die memorable Durchschlagskraft späterer Werke, als (Streit-)Gespräch über die persönliche Beziehung zu Gott allerdings ist "Eva und der Priester" ein gut inszeniertes und sehr gut gespieltes Glaubensdrama, dem man sich durchaus stellen darf.

Autor: Pascal Reis

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