6.5

MB-Kritik

James Bond 007 - Leben und Sterben lassen 1973

Action, Adventure, Crime, Thriller – UK

6.5

Roger Moore
Yaphet Kotto
Jane Seymour
Clifton James
Julius Harris
Geoffrey Holder
David Hedison
Gloria Hendry
Bernard Lee
Lois Maxwell
Tommy Lane
Earl Jolly Brown
Roy Stewart
Lonnie Sattin
Arnold Williams
Ruth Kempf

Inhalt

James Bond soll in New York mysteriöse Mordfälle an mehreren britischen Agenten untersuchen. Doch bald schon gerät er selbst in das Visier des Gangsterbosses Mr. Big. Achter Film der legendären James Bond – Reihe. Erstmals schlüpft Roger Moore in die Rolle des britischen Superagenten

Kritik

Der achte (offizielle) James Bond-Film, und nun wurde endlich der längst überfällige Schlussstrick gezogen. Nach dem in allen Belangen misslungenen Diamantenfieber vollzog Sean Connery seinen zweiten Rücktritt vom Franchise (aber…sag niemals nie…) und machte Platz für Roger Moore (Die 2), der für die kommenden zwölf Jahre (Platz zwei hinter Daniel Craig mit 15 Jahren) und insgesamt sieben Filmen (und damit die Nummer 1, da Connerys dritter Frühling offiziell nicht dazu gehört) das Gesicht der Reihe werden sollte. Und obwohl hier auch nicht alles rund läuft, man sich natürlich über die üblichen Bond-Krankheiten vortrefflich echauffieren kann und vieles eher über die Nostalgie-, Fan- und/oder Edel-Trash-Schien funzt, Leben und Sterben lassen ist nach dem Totalausfall Diamantenfieber ein Upgrade in jedweder Form.

Mit dem frischen Roger Moore stellt sich automatisch (auch wenn nicht ausschließlich durch die Personalie, aber sie ist bezeichnend für die Gesamtentwicklung) eine ruckartige Bewegung in die richtige Richtung ein. Alles wirkt wieder verspielter, leichter und gleichzeitig gelingt dem Bond-Franchise der verspätete Sprung in das New Hollywood der frühen 70er Jahre. Bond in der Bronx, das hat moderne Big City-Crime-Vibes dieser Zeit, erinnert – wenn freilich nur sehr dezent – an Filme wie Shaft, Dirty Harry oder French Connection – Brennpunkt Brooklyn. Das sind keine Vergleichswerke, aber es spiegelt durchraus den Wechsel in Darbietung und Esprit wider. Diamantenfieber wirkte bereits 1971 wie ein unvorteilhaft angestaubtes, grummelig-ergrautes Relikt. Als wenn man Opa wieder etwas zu viel getrunken hat und unangenehm auffällt, obwohl er früher damit mal unterhaltsam war. Leben und Sterben lassen bietet frische Settings, zwischen Bronx und Karibik, mit Yaphet Kotto (Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt) endlich wieder einen charismatischen Gegenspieler nebst eines coolen Sidkekicks (Julius Harris, King Kong), mit Jane Seymour (Dr. Quinn – Ärztin aus Leidenschaft) ein zumindest nicht ganz döspaddeliges Bond-Girl (verhältnismäßig, über emanzipiert oder so was reden wir natürlich nicht) und jede Menge bekloppt-unterhaltsamer Momentaufnahmen, die sich prima wegschauen lassen.

Die Rolle der Frau ist leider auch in der Moore-Ära nicht wirklich besser. Wer an der Seite vom dauer-rolligen James fürs Vaterland dienen muss, ist sich für nichts zu schade („Felix sagte mir, dass das bei Ihnen dazu gehört“) und das nimmt dieser zwar gerne, aber nicht unbedingt wertschätzend an. „Sie ist eine lausige Agentin, dafür hat sie andere Qualitäten.“ Ersteres stimmt leider sogar, aber das liegt ja an den Autoren. So gesehen ist alles beim Alten, wirkt hier aber etwas weniger ekelhaft als noch bei den letzten Filmen (vielleicht hat da Moore noch einen leichten „Charme“-Bonus, der sich vermutlich ähnlich schnell abnutzen wird) und ist gefühlt nicht mehr ganz so allgegenwärtig. Mal abgesehen davon, dass BondJane Seymour quasi ihre hellseherischen Fähigkeiten „wegpimpert“. Das ist schon wieder so absurd, dass es tatsächlich mehr Plus als Minus ist. Und dadurch funktioniert dieser Bond deutlich besser: es ist wie bei Man lebt nur zweimal einfach ein wilder Cartoon. Viel Quatsch, viel Tempo, Q bastelt endlich mal wieder irgendein sonderbares Gimmick, was schlussendlich sogar von echter Bedeutung ist – aber auch nur, weil der in eine Armbanduhr eingebaute Magnet im entscheidenden Moment nur das Metall anzieht, was Bond dringend benötigt (kaum vorstellbar, dass alles drumherum ausschließlich aus Holz oder Kunststoff sein sollte…). 

Da gibt es eine wilde, schön lange Verfolgungsjagd mit Motorbooten, wieder eine unterirdische Festung (in der alle Schergen das gleiche Outfit tragen), Krokodile, Haie, Voodoo-Mumpitz, einen Schurken mit einem Seitenschneider-Arm und WIE der Villain am Ende einen Abgang macht (sorry, dass das passiert, ist in dem Kontext mit Sicherheit kein Spoiler), passt prima in dieses vogelwilde Gesamtbild. Dazu liefern Paul McCartney and Wings einen der zweifellos besten Bond-Songs ever (Top 3 ohne Frage). 

Fazit

So macht James Bond wirklich Spaß. Was nicht heißt, dass man hier von einem rundum gelungenen Film spricht und er trotzdem noch genügend Angriffsfläche liefert, speziell im politisch korrekten Kontext der modernen Zeit. Das ist überwiegend ganz, ganz großer Quatsch, aber hochwertig und rasant inszeniert, einem charmanten Augenzwinkern und einige kuriosen Momenten, die auf ihre Art ziemlich gut funktionieren. Das ist einer der älteren Bonds, an denen man auch als Nicht-Fan des Franchise durchaus seine Freude haben kann. 

Autor: Jacko Kunze
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