Inhalt
Eine goldene Pistolenkugel, auf der 007 eingraviert ist, trifft im Hauptquartier des Secret Service ein. Absender ist der Profikiller Scaramanga, und Scaramanga hat noch nie ein Ziel verfehlt. James Bond versucht den Killer rechtzeitig zu stoppen. Neunter Film der legendären James Bond – Reihe mit Roger Moore in der Rolle des britischen Superagenten.
Kritik
Der neunte (offizielle) James Bond und der zweite Einsatz von Roger Moore sorgte nach dem Zwischenhoch von Leben und Sterben lassen wieder für Ernüchterung. Schon seinerzeit blieb Der Mann mit dem goldenen Colt hinter den hohen Erwartungshaltungen zurück und belegt auch heute im Gesamtbetrachtung des Franchise allgemein nur einen der hinteren Plätze. Das hat definitiv seine berechtigten Gründe, obwohl man theoretisch auf Nummer sicher ging. Die Kombo von Roger Moore und dem schon vorher in der Serie routinierten Regisseur Guy Hamilton (Das Böse unter der Sonne) funktionierte beim direkten Vorgänger ziemlich gut und handwerklich ist hier auch alles vollkommen in Ordnung, nur mangelt es diesem Bond leider wieder an Kreativität und Momentum.
Schon der Beginn ist äußert sonderbar, wenn sich Oberschurke Scaramanga (Christopher Lee, Dracula) von seinem kleinwüchsigen Gehilfen Nick Nack (im Deutschen: Schnick Schnack, Hervé Villechaize, Fantasy Island) durch eine Art Rummelplatz-Kulisse lotsen lässt, um einen vorher bezahlten Killer umzulegen. Eine Form von Trainingsprogramm, deren Sinn sich nicht wirklich erschließt, außer, dass wir im Finale (leider) wieder in dieses Setting zurückkehren werden/müssen. Danach ist auch lange eher Pustekuchen angesagt. Bond reißt einmal Kreuz und Quer durch Asien und im Bond-Universum ist das scheinbar eine Soße, denn egal ob (eigentlich) Hong Kong oder Bangkok, zwischendurch wird man trotzdem von Sumo-Ringern angegriffen. Da ist man wohl einmal falsch abgebogen, aber was einen kulturellen Kontext angeht, ist das ja traditionell eher eine heikle Kiste. Die erste Stunde zieht sich leider gewaltig, auch weil die erste, größere Actionszene eigentlich gar nicht groß ist und schon wieder eine mit Motorbooten, das hatten wir schon viel länger und vieeeel besser im direkten Vorgänger. Dafür gibt es an den wenigstens einen humorvollen Callback, ob das gut oder eher doof ist, kann jeder für sich selbst beurteilen.
Sobald aber das an sich kongeniale Schurken Duo Lee/Villechaize mal endlich etwas mehr Screentime bekommt, wird die ganze Nummer auch deutlich besser. Zwischendurch macht Der Mann mit dem goldenen Colt sogar wirklich Spaß, aber immer nur dann, wenn Tempo und Quatschkram deutlich anziehen. Das der MI6 in einem gekenterten Schiffswrack haust (inklusive extremer Schieflage), die Bösewichte mit einem in Windeseile gebastelten Flug-Auto entkommen und zwischen den Beiden eh einer recht interessanten, ambivalenten Dynamik angedeutet wird, sind potenzielle Pluspunkte, die aber auch nie richtig ausgespielt werden. Insgesamt fehlt es hier eindeutig an Einfallsreichtum und Originalität, was sich allein dadurch widerspiegelt, dass der Schurke mal wieder auf seiner Privatinsel hockt und schon wieder irgendeine Spielerei nutzen will, die in ihrer Bedrohung nie so richtig konkretisiert wird. Da gibt es einfach etwas, was in den falschen Händen ganz gefährlich ist. Muss reichen. Das ist leider recht öde, aber wenn Roger Moore und Christopher Lee mal zusammen ihr Charisma ausspielen können, macht das dennoch zumindest halbwegs Spaß.
Worüber wir aber dringend reden müssen: Goodnight. So heißt das von Britt Ekland (The Wicker Man) verkörperte Bond-Girl und die kann es immerhin vermeiden, von Old-Dirty-James schon während des Plots entspannt weggeflankt zu werden. Aber wohl nur, da er sich meistens über sie schwarz ärgern muss. Und das leider mit Recht. Die Damen in diesen Filmen – ob Agentinnen oder nicht – wurde oft sehr nutz- und hilflos dargestellt, aber das hier ist schon grenzwertig dämlich. Goodnight bekommt rein gar nichts hin, baut dauernd Mist, stolpert von einer Notsituation in die nächste, kann offenbar keine (riesigen!) Schilder lesen und sich nicht mal unfallfrei bücken, ohne dabei beinah eine Katastrophe auszulösen. Zur Belohnung, dass trotz ihres Unvermögens beide noch am Leben sind, darf sie sich von James am Ende doch noch besteigen lassen. Aber vermutlich würde der auch eine Ziege beglücken, wenn sonst nichts mehr übrig wäre. Kennen wir, muss man nicht gutheißen, aber wundern darf man sich doch immer noch.
Fazit
Ohne die interessante Villain-Kombo von Christopher Lee und Hervé Villechaize müsste man „Der Mann mit de goldenen Colt“ sogar noch deutlich schlechter bewerten, denn im Prinzip ist das schon wieder ein klarer Schritt zurück nach dem erfreulichen Aufschwung mit „Leben und Sterben lassen“. Mit gutem Willen noch halbwegs okay, aber da ist mehr Blech als Gold vorhanden.
Autor: Jacko Kunze