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Eine junge Frau, die den früheren Liebhaber ihrer Mutter geheiratet hat, versucht sich aus der Hass-Liebe zu dieser Mutter zu lösen. Pedro Almodóvars ironisches Melodram um Liebe, Mord und verspätete Mutterliebe ist eine Hommage an die Weiblichkeit und ihre diversen Spielarten, die ihre beiden Hauptdarstellerinnen Victoria Abril und Marisa Paredes in ausgeklügelten Dekors in Szene setzt.
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Kritik

Bei seinem 10. Spielfilm gipfelt die Entwicklung von Pedro Almodóvar (Kika) in dessen bis dato besten Arbeit. Obwohl er kurz zuvor mit Fessle mich die Latte noch ein deutliches Stück höher gelegt hatte. High Heels ist auch nicht in unbedingt in einem Punktesystem messbar wesentlich besser, da hält sich das die Waage. Betrachtet man jedoch das Gesamtprodukt, ist Almodóvar hier exakt an der Schnittstelle seines bisher immer weiter entwickelten, leicht wüsten Independent-Stil und wahrhafter Eleganz an der Stufe zur Extraklasse. Nicht umsonst ist er hier Alfred Hitchcock (Der Fremde im Zug) näher als je zuvor, ohne ihn auch nur ansatzweise imitieren zu wollen.

Seit 15 Jahren hat Rebeca (Victoria Abril, vorher auch schon die Hauptrolle in Fessle mich) ihre Mutter Becky (Marisa Paredes, Alles über meine Mutter) nicht mehr gesehen. Damals ging die egoistische Diva ohne ihre Tochter von Spanien nach Mexiko, um auf dem neuen Kontinent ein großer Star zu werden. Dies ist ihr gelungen, die schon in frühen Jahren extrem angespannte Beziehung zu ihrem Kind hat sich dadurch natürlich nicht sonderlich verbessert. Das große Wiedersehen steht dazu noch unter einem unabhängig davon sehr befremdlichen Stern: Rebecca ist inzwischen mit ihrem Chef Miguel verheiratet – Becky’s Ex-Lover. Dessen Gefühle für seine Verflossene noch nicht ganz erloschen sind, während die Ehe zu Rebecca eigentlich schon als gescheitert gilt. Es fehlt nur noch die Tinte unter den Scheidungspapieren. Nach einem gezwungenen Ausflug in einen Travestieclub und einem spontanen Quickie zwischen Rebecca und ihrem guten Freund, der Dragqueen Letal, in deren Garderobe verschärft sich die Lage nur noch. Kurz danach wird Miguel erschossen aufgefunden. Und die Verdachtsmomente sind weit gestreut. Bis Rebecca eine für alle Beteiligte verblüffende Mitteilung vor laufenden Fernsehkameras offenbart…

Stilistisch wie inhaltlich liefert Pedro Almodóvar bei High Heels seine endgültige Reifeprüfung ab, ohne seine Wurzeln als frecher, unabhängiger und immer irgendwie aneckender, unbequemer Filmemacher im gleichen Zuge abzulegen. Er transferiert sie nur auf einen höheren Level und streicht etwas planlose, aber angriffslustige Provokation zu Gunsten von erzählerischer Raffinesse und emotionaler Tiefe. Zwischen kontroverser wie tragischer Mutter-Tochter-Beziehung (an exakt der richtigen Stelle wird direkt Ingmar Bergman’s Meisterwerk Herbstsonate erwähnt, denn genau da begegnen sie sich kurz auf Augenhöhe), durchaus auch auf Spannung erpichten Whodunnit-Thriller und schwarzer Komödie spannt Almodóvar durch seinen immer noch sehr individuellen Stil eine aufregende, komische und aufwühlende Brücke, die auch nicht vor schrillen Musical-Einlagen zurückschreckt, wenn man schon im Frauenknast ist. Zudem mit einem symbolischen, beinah schon narrativen Faible für die Farbe Rot, wie sie es zuvor eigentlich nur Profondo Rosso – Die Farbe des Todes von Dario Argento zelebrierte. Diesmal allerdings nicht stellvertretend für vergossenes Blut, sondern als Ausdruck purer, verführerischer (und dadurch im Umkehrschluss vielleicht doch tödlicher) Weiblichkeit.

Fazit

Vom flippigen Lästermaul, tendenziell chaotischen Lästermaul zum scharfsinnigen Thriller-Künstler. Pedro Almodóvar’s Werdegang zu verfolgen ist wie einer potenziell majestätischen Pflanze beim Wachsen zuzusehen. Es fängt sehr klein, aber da schon interessant und positiv anders an. Einfach besonders. Dem Status des nur möglichen Talents ist er hier schon lange entwachsen, dass die Entwicklung aber immer noch nach oben geht, das spricht Bände. Und das Ende ist noch lange nicht erreicht.

Autor: Jacko Kunze

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