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Pedro Almodóvar erzählt in diesem Film die Geschichte einer Frau, die auf der Suche nach dem Vater ihres verstorbenen Sohnes mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Seine "Hommage an die Mütter" lockte allein in Spanien mehr als zwei Millionen Zuschauer in die Kinos.

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Kritik

Wow. Warum nicht immer so? Wenn Pedro Almodóvar (Sprich mit ihr - Hable con ella) einer konzeptionellen Vorstellung mit der passenden, ausgegorenen Inszenierung entgegentritt, seine Geschichte dadurch bis über die Ziellinie führt und sich nicht auf den letzten Metern an irrelevanten Ingredienzien klammert, um dem Film dann doch noch einen unrunden Beigeschmack zu verleihen, dann zählt der exzentrische Spanier ohne Frage zu den Größen der europäischen Filmkunst. Alles über meine Mutter ist eines dieser Werke, in denen Pedro Almodóvar nahezu alles richtig macht und sich seiner lockeren Unterhaltungsklasse durchaus treu bleibt, seinen Charakteren aber dennoch die nötige Aufmerksamkeit zollt und nicht nur eine Seite von ihnen präsentiert, sondern die facettenreiche Individualität durchweg zum lebhaften Ausdruck bringt.

Wie es sich für den offenherzigen Feministen (nicht Sexisten!) Pedro Almodóvar gehört, stehen wieder die Frauen im zentralen Blickfeld und die Männer in dieser Welt, wenn sie sich nicht langsam durch Operationen auch physisch zu ihrer weiblichen Ader bekennen, spielen eine sekundäre Rolle. Sie bringen das Leid in das Leben, und während sich die werten Herren niedergeschlagen in Problemen wälzen, aufgeben, scheitern, sind es die Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen, die immer weitermachen und sich nicht im bodenlosen Tal aus tiefem Schmerz und bitteren Tränen vergraben, egal wie schwer der Schicksalsschlag auch war, egal wie viel Kraft das erneute Aufraffen auch kosten wird. Alles über meine Mutter ist ein Tribut an die Frauen der Moderne - und da haben Männer nun mal wenig zu melden. Verübeln kann man das Almodóvar nun nicht, schließlich hat er doch irgendwo Recht.

Wenn Almodóvar die Krankenschwester Manuela (Cecilia Roth) auf die Suche nach dem Vater ihres verstorbenen Sohnes Esteban (Eloy Azorín) schickt, dann ist das nur die vordergründige Motivation der Reise von Madrid nach Barcelona. In Wahrheit ist Manuela nach dem Zerfall und der Opferung großer Träume erst mal auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen und muss den Weg in ihre eigene Mitte finden. Ausgerechnet zwischen einem Haufen skurril-verzweifelter Damen geschieht das, inmitten einer emanzipierten Selbsthilfegruppe, in der jeder sein Kreuz zu tragen hat, in der Transsexualität/Transvestitismus, HIV, gesellschaftlicher Missmut und die Einsamkeit kursieren. Doch geteiltes Leid ist halbes Leid und die Solidarität wird in Almodóvars gefühlvollem Zugehörigkeitsexkurs schließlich großgeschrieben.

Jeder möchte in dieser Welt bestehen, nur gemeinsam finden sie den nötigen Halt dazu und dafür dürfen/müssen die höchsten Höhen und tiefsten Tiefen durchquert werden. Wenn Almodóvar die weitreichende Palette an Emotionen in seiner inszenatorischen Finesse aufatmen lässt, den Film mal mit einem lachenden, mal mit einem weinenden Auge erzählt, dann wird Alles über meine Mutter nicht nur ein Film über die Identitätsfindung, die Bewältigung von innerseelischen Rückschlägen, sondern auch ein Film über Freundschaft und Vertrauern, über neue Hoffnung in einem von Verzweiflung geprägten Umfeld, gepickt mit huldigenden Zitaten verstorbener Helden und durchgehend authentisch in seiner Charakterisierung. Ein schöner, warmherziger, trauriger und ehrlicher Film, inmitten zwischenmenschlicher Tragödien und optimistischen Höhenflügen. Wunderbar.

Fazit

Pedro Almodóvar auf der Höhe seiner Kunst: Alles über meine Mutter weist all die Charakteristika und Motive auf, die den spanischen Filmemacher berühmt gemacht haben, mit dem Unterschied, dass er sie hier noch feiner ausarbeitet, als in manch anderen Filmen. Alles über meine Mutter ist warmherzig und tieftraurig, ehrlich und voller menschlicher Schönheit.

Autor: Pascal Reis

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