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Das humorvolle, geschätzte Familienoberhaupt wird zunehmend vergesslich und kommt mit dem alltäglichen Leben nicht mehr alleine klar. Es wird unausweichlich, dass er von den USA zu seinem Sohn Nick und seiner Frau Sarah und seiner Enkelin Matilda nach London zieht und obwohl es Niko das Herz bricht, muss er bald einsehen, dass für Amadeus der Weg in ein Heim unausweichlich ist. Doch Matilda will sich auf keinen Fall damit abfinden. Kurzerhand entführt sie ihren Großvater auf eine chaotische und spannende Reise, um ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: Noch einmal Venedig sehen!

Kritik

Til Schweiger (KeinOhrHasen) ist sich einer Sache immer sicher gewesen: Die gesamte deutsche Kritikerschaft hat sich gegen ihn verschworen. Weil er keine Kunstfilme wie Michael Haneke (Das Weiße Band) dreht, sondern greifbare, berührende Geschichten direkt aus dem Leben erzählt. Natürlich ist Til Schweiger in diesem Fall das Opfer, was ihn auch dazu bewegt hat, keine offiziellen Pressevorführungen zu seinen Filmen mehr zuzulassen, sondern nur noch Vorstellungen für ausgewählte Medienvertreter zu arrangieren. Ratlos zeigte sich der deutsche Superstar, als Head Full of Honey, sein Honig im Kopf-Remake, nicht nur vom amerikanischen, sondern auch vom britischen Feuilleton in seine Einzelteile verrissen worden ist. Wahrscheinlich handelt es sich um keine rein deutsche, sondern um eine internationale Konspiration, die sich streng gegen die Kunst (Craft) von Til Schweiger gewendet hat.

Nun, was man Head Full of Honey allerdings lassen muss, ist, dass Til Schweiger es geschafft hat, eine amerikanische Neuauflage eines deutschen Filmes zu erwirken. Während Honig im Kopf aber mehr als sieben Millionen Menschen in die Kinos locken konnte, war Head Full in Honey nicht nur in den Staaten, sondern auch in Deutschland ein sagenhafter Misserfolg. Wenn Til Schweiger sich einen Tag Zeit genommen hätte, dann könnte er sich bei allen Besuchern persönlich bedanken. Die Frage, die sich anhand dieses Projekts unweigerlich stellt, ist natürlich jene, die nach Argumenten sucht, warum man sich die gleiche Geschichte noch einmal anschauen sollte? Es gibt keins. Und aufgrund dieser künstlerischen Faul-, ähm, Freiheit, wird an dieser Stelle auch einfach die Moviebreak-Kritik von Honig im Kopf recycelt, denn weder erzählerisch, inhaltlich noch stilistisch neben sich die beiden Werke irgendetwas.

An einem Film wie Head Full of Honey kann man nur in dem Fall Gefallen finden, wenn man zu keinem Zeitpunkt dem Verlangen erliegt, das Gezeigte ernsthaft zu hinterfragen. Aber wie kann man eine so gewichtige Thematik wie die Alzheimer-Demenz nicht hinterfragen? Würde man Head Full of Honey nämlich auf seinen Wahrheitsgehalt abklopfen – und dabei natürlich immer in Relation mit der Alzheimer-Demenz stellen, die uns und unsere Liebsten in der Realität jederzeit heimsuchen kann -, dann muss man schon in aller Drastik verkünden, dass sich Til Schweiger eher auf eine verklärende Ultralight-Behandlung der Krankheit beruft. Gerade so zurechtgebogen, wie es dem allgemeinen Konsens zuträglich und zumutbar erscheint. Matt Dillon (Verrückt nach Mary) ersetzt hier Til Schweiger und gibt den erfolgreichen Geschäftsmann, der um die Welt jettet und auch mal Frauen auf den Rücken legt, die nicht seine Frau sind. 

Dass seine Gattin Sarah (Shutter Island-Star Emily Mortimer ersetzt Jeanette Hain) den gleichen Fehler mit ihrem schmierigen Chef begeht, reibt Head Full of Honey ihr tatsächlich immer wieder unter die Nase, in dem Til Schweiger Sarah von Beginn an als verhärmter Drachen inszeniert, der nicht nur mit ihrem Vorgesetzten pimpert, sondern sich auch später die Frechheit herausnimmt, den Krankheitszustand von Opa Amadeus (Nick Nolte, Kap der Angst) kritisch zu beäugen. Dass weder Nick (Dillon) noch seine Tochter Matilda (gespielt von Nick Noltes 11-jähriger Tochter Sophie Lane Nolte) akzeptieren wollen, dass es dem Opa offenkundig schlechter geht, gehört letztlich natürlich dazu und lässt sich als ganz natürliches Verhalten verstehen, wenn es einen Schicksalsschlag im engsten Familienkreis zu betrauern gibt. 

Seltsam aber ist nur, dass Head Full of Honey Sarah beinahe schon zu einer Art Antagonisten stilisiert, während der juvenile Schwerenöter Nick sich herausnehmen kann, was er will: Immerhin bemüht er sich ja auch um seine Tochter, auch wenn da ebenfalls so manches Handeln in die Hose geht. Ob Til Schweiger dieses Menschenbild eher unbewusst pflegt, oder ob dort tatsächlich eine gewisse Misogynie mitschwingt, denen er bei seinen Leinwandausflügen Ventil verleiht, sei erst mal dahingestellt, unglücklich gelöst ist es zweifelsohne. Aber „unglückliche Lösungen“ gibt es in Head Full of Honey zu genüge: Es ist ein Unding, dass Til Schweiger die Alzheimer-Demenz dazu instrumentalisiert, um das (angebliche) Humorpotenzial der Krankheit auszureizen, anstatt sich auf den kognitiven Verfall und die Auswirkungen auf das soziale Umfeld zu konzentrieren.

Würde es Til Schweiger hier wirklich um ein ernstes Anliegen gehen, dann wäre Head Full of Honey nicht dieses manipulative Rührstück geworden, dass den dementen Opa mit den verheulten Kulleraugen (mein Gott, is' der niiiiiedlich) auf seine schusselige Tüdeligkeit reduziert: Bücher im Kühlschrank und das Überfahren von roten Ampeln, weil man ja nur bei Grün halten muss. Brüller! Besonders peinlich wird es dann aber wenn, wenn Amadeus mit seiner Enkelin in einem Kloster Rast macht und Opa die hiesigen Nonnen mit einem famosen Witz darüber aufklärt, dass man Gurken nicht nur in den Salat schnippeln kann, um dann bei Nacht die verstorbene Oma in einer Madonnenfigur wiederzuerkennen und Head Full in Honey in eine irritierend religiöse Richtung zu drängen. Dass es bei der Alzheimer-Demenz-Thematik zwangsläufig auch um den Tod geht und da eben auch der Glaube eine nicht unwesentliche Rolle spielen wird, versteht sich von selbst. 

Head Full of Honey aber packt den Holzhammer aus und haut in bedeutungsschwangerer Symbolik auf den Zuschauer ein, dass das repetitive Pianogeklimper auf der Tonspur seine helle Schwierigkeit hat, hinterherzuschmalzen. Mit der Wirklichkeit hat Head Full of Honey nichts zu tun, auch wenn uns das Til Schweiger, der sich gerne mal als didaktischer Volksaufklärer geriert, und seine unzähligen Fanbriefe, die er mit stolzer Brust auf seiner Facebookseite ausstellt, vorzugaukeln versuchen. Elemente wie die seelische Betreuung, der Machtkampf mit den Krankenkassen und die bitteren Schuldgefühle, die aufkeimen, wenn man sich eingestehen muss, dass man seinen eigenen Vater nicht mehr bewältigen kann, werden in Head Full of Honey zum Teil zwar alibimäßig angesprochen, aber nie auch nur im Ansatz grundiert. Til Schweiger beschränkt sich auf Binsenweisheiten (besonders beliebt: Der Weg ist das Ziel oder Genieße den Moment), eine Familienwiedervereinigung in Zeitlupe und infantile Plattitüden.

Fazit

Warum man sich "Head Full of Honey" anschauen sollte? Der Film liefert dafür keine Argumente. Stattdessen inszeniert Til Schweiger mit internationalen Stars einfach noch einmal exakt den gleichen verklärenden Schund, damit das amerikanische Publikum bloß keine Untertitel lesen muss. Blöd nur, dass sich niemand für den Film interessiert hat. Wobei, passt schon, denn (auch) "Head Full of Honey" ist ein erzählerisch wie stilistisch unbeholfenes, verlogenes Rührstück, das in bronzierten Hochglanzaufnahmen immer weiter auf Distanz von der Realität geht. Aber bitte nicht persönlich nehmen, Til.

Autor: Pascal Reis

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