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Inhalt

Mitten in seine tiefsten Lebenskrise gerät der Holocaust-Forscher Toto an die französische Assistentin Zazie, jüdischer Herkunft und mit ausgeprägter Teutonen-Phobie. Eine aberwitzige Geschichte über die Frage: Was passiert, wenn der deutsche Völkermord von Leuten erforscht wird, die emotional labil, durch Herkunft und Lebensart auf unvereinbare Weise getrennt und dennoch ineinander verliebt sind?

Kritik

»Mir war wichtig, mit diesem Film Fenster aufzureißen«, schreibt Regisseur Chris Kraus, »und sei es nur, um Licht und Luft an ein Thema zu lassen, das micht seit Jahren herausfordert.« Die Voraussetzungen dafür bringt Die Blumen von gestern eigentlich schon durch seine Figurenkonstellation mit: Der deutsche Holocaustforscher Toto (Lars Eidinger, Die Wolken von Sils Maria) trifft auf die französische Praktikantin Zazie (Adèle Haenel,Nocturama). Er ist Enkel eines Täters, sie Enkel eines Opfers. Er ist unausgeglichen und aggressiv, sie überschwänglich, impulsiv und unberechenbar. Und obwohl zwischen den beiden vom ersten Moment an die Fetzen fliegen, müssen sie sich für Totos wichtigstes Projekt – einen internationalen Auschwitz-Kongress – zusammenraufen. Es gilt, die bisherige Schirmherrin – eine KZ-Überlebende und kapriziöse Schauspieldiva – umzustimmen, die sich von dem Event zurückziehen will. Und nebenbei müssen Toto und Zazie natürlich nicht nur ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten, sondern auch die Gegenwart, denn wie es sich in einer romantischen Komödie gehört, fühlen sie sich trotz allem zueinander hingezogen.

Dabei geht es in Die Blumen von gestern vielfach rasant, derb und laut zu. Es wird geprügelt und geschrien, speziell Zazie wechselt nahezu sekündlich die Stimmungen, was zwar Teil ihres Charakters sein soll, sie aber über weite Strecken reichlich schwer greifbar macht. Auch Toto brüllt und rastet aus, was das Zeug hält, schwingt mal die Moralkeule und stößt dann wieder verletzend-beleidigende Sachen hervor, die er selbst am liebsten gleich wieder ungesagt machen würde. Lars Eidinger spielt seine Figur in dieser Hinsicht intensiv und überzeugend, auch Adèle Haenel macht ihre Sache soweit gut, während Jan Josef Liefers – der Totos Chef mimt und eine heimliche Liaison mit Zazie hat – dem Drehbuch geschuldet nur wenig zum Zug kommt.

Die Blumen von gestern feiert sich in der Selbstdarstellung als gewagter und frecher Film, der frischen Wind in die Art der deutschen Vergangenheitsbewältigung bringen will. Dabei soll es nicht darum gehen, über den Holocaust und seine Folgen zu lachen, sondern vielmehr geht es um einen kritischen Blick auf Diskurse und Mechanismen der Aufarbeiten, um Widersprüche und Verlogenheiten. Und in dieser Hinsicht weiß der Film durchaus mit dem ein oder anderen Einfall zu glänzen – etwa bei der Frage, ob man ein Event der Erinnerungskultur von Größen der Automobilindustrie sponsern lassen darf.

Dass Die Blumen von gestern dem eigenen Anspruch dann letztlich doch nicht gerecht wird, liegt keineswegs daran, dass der Film an sich zu provozierend, zu gewagt oder tabulos wäre, auch wenn sein Ansatz nahezu zwangsläufig polarisieren muss. Doch das Problem liegt gar nicht auf dieser Ebene: Die Blumen von gestern krankt vielmehr an einer handwerklich oft mangelhaften und wenig überzeugenden Umsetzung. Wo allein schon die Figurenkonstellation großartige Konflikte vorgibt und etwa das Ringen um die eigenwillige Schirmherrin einen hervorragenden roten Faden liefern könnte, gerät die Handlung letztendlich zu einem erzählerischen Flickwerk. Konfliktlinien laufen völlig ins Leere, Entwicklungen erfolgen abrupt und oft unerwartet, manches wird dem Zuschauer hastig als Statement hingeknallt anstatt schauspielerisch auserzählt.

Obwohl sich Die Blumen von gestern gern auch in der Tradition von Hollywoods Screwballkomödien sehen möchte, fehlt es speziell den Dialogen zwischen Toto und Zazie fast immer an jener frechen Leichtigkeit, die den genretypischen Charme ausmacht. Stattdessen wirkt gerade die Romanze zwischen den beiden über weite Strecken bemüht und wenig nachvollziehbar. Potenziell stimmungsvolle Momente verlieren sich allzu oft unter einer Portion Kitsch, die ihnen jede Kraft nimmt. Bisweilen möchte Die Blumen von gestern ganz besonders symbolträchtig daherkommen und dabei vorgaukeln, ganz subtil zu sein – tatsächlich wird jedoch viel zu oft der Holzhammer bemüht, was die emotionale Kraft des Films böse ausbremst und ihn mitunter über die Grenze der Peinlichkeit drängt.

Fazit

"Die Blumen von gestern" wird trotz einer vielversprechenden Grundidee, guter schauspielerischer Leistung und einigen gelungenen Szenen letztlich zu einer Enttäuschung. Ironischerweise scheitert der Film dabei weniger am Umgang mit einem noch immer sensiblen Thema, sondern in der Hauptsache am erzählerischen Handwerk. Tempo und derber Humor würden sich mit dem inhaltlichen Anspruch des Films nämlich durchaus vertragen, doch eine zerfaserte, inkonsequente Erzählweise, schlecht dosierter Pathos und eine ganze Reihe unmotivierter Entwicklungen erweisen sich als Schwachpunkte, die am Ende nichts und niemand auffangen kann. Das ist doppelt schade, weil stellenweise durchblitzt, dass "Die Blumen von gestern" sehr wohl das Zeug zu jener bittersüßen, frechen Komödie zwischen Schwermut und Leichtigkeit gehabt hätte, die es gern geworden wäre. In der Summe aber weiß die Umsetzung leider nicht zu überzeugen.

Autor: Sabrina Železný

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