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Quelle: themoviedb.org

Verfügbar auf

Paramount Paramount plus Amazon prime

Inhalt

Ein New Yorker Cop: Drogensüchtig, korrupt und wettsüchtig. Ein Wrack. Als eine Nonne von zwei Jungen vergewaltigt wird, werden von der Mafia 50.000 Dollar Belohnung ausgesetzt. Die letzte Chance für den Cop, sein kaputtes Leben wieder unter Kontrolle zu bekommen?

Kritik

Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen, die Zusammenarbeit von Werner Herzog (Tod in Texas) und Nicolas Cage (Spiel auf Zeit), stellte für viele Fans des Schauspielers einen lange vermissten Befreiungsschlag dar. Längst wusste die ganze Öffentlichkeit von den hohen Schulden des Schauspielers, der aus reinen Geldnöten eine Rolle nach der anderen in noch so vergessenswerten Mainstream-Filmen oder üblen B-Movies annahm. In Herzogs psychedelischer Odyssee durch ein fiebriges New Orleans spielte Cage hingegen so entfesselt und dem Wahn verfallen wie ewig nicht mehr und bewies allen, dass es noch brannte, das Feuer, das ihn unter anderem zu einem der gefragtesten Action-Stars der 90er machte. Vor Herzogs Version gab es allerdings schon einmal einen Bad Lieutenant, inszeniert von Skandal-Regisseur Abel Ferrara (The Driller Killer) und mit Harvey Keitel (Pulp Fiction) in der Hauptrolle. 

Ferraras Film ist ein ganz eigenes Biest, in dem der Regisseur die von ihm so geschätzten Ecken und Winkel New Yorks erkundet und seinen abgewrackten Protagonisten auf eine Reise durch drogenvernebelte Situationen und korrupte Abgründe schickt. Keitel, der zuvor schon in einigen Filmen als Gangster auftrat, meistert hier seine bislang wahrscheinlich kaputteste Rolle, denn sein namenloser Lieutenant ist ein unberechenbarer, verlorener Junkie, immer auf der Suche nach dem nächsten Rausch. Auf eine zusammenhängende Handlung mitsamt konventionellem Spannungsbogen verzichtet Ferrara in seinem Werk beinahe völlig. Zwar kommt die Hauptfigur an den ein oder anderen Tatort, doch um die Aufklärung der Kriminalfälle geht es in Bad Lieutenant nie. 

Viel mehr ist der Streifen eine intensive Charakterstudie, die den stetigen Zerfall des Lieutenant anhand einzelner Zwischenfälle schildert. Keitels Figur erhält zu Beginn noch einen Funken Normalität, wenn er als Vater gezeigt wird, der seine beiden Söhne zur Schule fährt. Nach dieser Szene ist er allerdings fast ausschließlich nur noch ein taumelndes Wrack, welches Ferrara beim Crack rauchen und Heroin spritzen zeigt, wie er sich mit Prostituierten abgibt, gefährliche Sportwetten abschließt, an Tatorten versucht, Drogen in die eigene Tasche zu stecken oder in einer besonders skurrilen Szene zwei Mädels davonkommen lässt, die ohne Führerschein gefahren sind. Durch die Verweigerung eines roten Fadens bewegt sich Bad Lieutenant teilweise nah an der Eintönigkeit, was alleine dadurch ausgeglichen wird, dass sich Keitel mit Leib und Seele in die heruntergekommen Verzweiflung seiner Figur stürzt und Ferrara ein begnadeter Handwerker ist, was die Gestaltung einzelner Szenen betrifft. 

Symbolischen Unterbau erhält der Streifen lediglich durch einen religiösen Nebenhandlungsstrang, bei dem eine Nonne von zwei Jugendlichen brutal vergewaltigt wird. Diese Tat lässt den Lieutenant nicht mehr los und bringt ihn an die Grenzen seines katholischen Glaubens, nachdem ihm die Nonne später eröffnet, sie hätte den Tätern vergeben. In der vermutlich polarisierendsten Sequenz des gesamten Films kommt es zu einem emotionalen Zusammenbruch, in dem Ferrara den ganzen Schmerz der Hauptfigur mit einer irritierenden Erscheinung sowie markerschütternden Schreien am Rand des Overactings verbindet. Eine gewissermaßen unvergessliche Szene, im positiven oder negativen Sinne.

Fazit

Mit "Bad Lieutenant" hat der stets kontroverse Skandal-Regisseur Abel Ferrara seinem Gesamtwerk eine weitere, herausstechende Komponente hinzugefügt. Das Thriller-Drama ist eine langsame Charakterstudie, in der Ferrara die bodenlose Abgründe seiner gebrochenen Hauptfigur stellenweise fast schon sadistisch auslotet, während Harvey Keitel in der Hauptrolle zu absoluter Höchstform aufläuft. Aufgrund des Fehlens eines klassischen Spannungsbogens manchmal eine Geduldsprobe, aber indiskutabel intensiv sowie erschütternd bis hin zum schockierenden Ende.

Kritik: Patrick Reinbott

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