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Cop Terence McDonagh muss den grausamen Mord an einer afrikanischen Einwandererfamilie aufklären. Ein Zeuge, der Botenjungen Daryl, taucht auf, doch während sich Terence um dessen Sicherheit kümmert, kommt es zu immer mehr Problemen. Als schliesslich seine Freundin in Gefahr gerät, droht die Situation zu eskalieren.

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Kritik

Alle Zeichen stehen auf B-Picture. Allein schon der Titel „Bad Lieutenant“, der im Deutschen noch durch ein sagenhaft redundantes „Cop ohne Gewissen“ unterstrichen wird und auf einen Polizeifilm hinweist, der ein Motiv aufbereitet, welches plattgewalzter kaum sein könnte: Der korrupte Cop, der zwar irgendwo noch ein minimales Moralempfinden zu haben scheint, in erster Linie aber für den eigenen Vorteil Tag für Tag in die Uniform schlüpft und Verbrecher nicht zum Wohle der Gesellschaft jagt, sondern für eigene Interessen instrumentalisiert. „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ bestätigt diese Annahme zu Anfang auch ganz gezielt, Terence McDonagh (Nicolas Cage, „Ghost Rider: Spirit of Vengeance“) ist gerade erst in den titelgebenden Rang befördert worden, hat gleichwohl aber mehr Dreck am Stecken als die schweren Jungs, die er Nacht für Nacht auf den Straßen von New Orleans dingfest macht. Wobei, nein, um echte Ermittlungsarbeit schert sich McDonagh nicht einmal mehr sekundär, das Leben im Rausch fordert längst seinen Tribut.

Bevor tiefer in die Materie einsteigt, muss man erst mal voller Respekt und Euphorie verkünden, dass es schlichtweg ein Wahnsinn ist, einer Auftragsarbeit, wie es „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ im Prinzip ist, so viel freie Hand zu gewährleisten. Oder anders gesagt: Dem verpflichteten Regisseur Werner Herzog („Aguirre, der Zorn Gottes“) keine Hollywood'schen Zwänge aufzuzwingen, sondern eine künstlerische Vision formen zu lassen, die nichts mehr mit dem Mainstream gemein hat. Interessant ist das gerade, weil, wie eingangs erwähnt, „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ auf den ersten Blick wie konventionelles Genre-Kino anmutet, welches sich zwar um einen zeitgeschichtlichen Kontext bemüht (das vom Hurrikan Katrina verwüstete New Orleans), aber im Endeffekt im Gewand eines kolportagehaften Noir-Thriller doch nur von einem amoralischen Gewaltstrudel erzählt, in den sich der Hauptakteur eigenständig befördert hat, aber nach und nach herauszuwinden weiß – durch welche Erleuchtung auch immer. Für eine thematische Herangehensweise hat Werner Herzog aber nur Spott übrig.

Der kriminalistische Plot um einen Mord an einer senegalesische Einwandererfamilie läuft deshalb auch quasi fortwährend am Film vorbei. Stattdessen verlieren wir uns in einem Delirium; in einem fiebrigen Alptraum, einem in verschwommenem Grün und Blau gehaltenen Rausch, den wir in natura bestenfalls durch eine Überdosis bewusstseinserweiternder Substanzen halluzinieren könnten. „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ verkommt nach und nach zu einer einzigen, überdimensionalen Chiffre, die man sich nicht wagt zu entschlüsseln, aber von ihrer wilden, äußeren Schale vollkommen fesseln lässt. Und genau das lässt sich auch auf Nicolas Cage und seinen Terence McDonagh übertragen: Vermutlich gab es vor Werner Herzog keinen Regisseur, der Nicolas Cage so grenzgenial zu nutzen wusste, weil Herzog sich über den Personenkult um Cage im Klaren war und den Vollblutschauspieler nicht in ein Rollenkorsett zwängte, sondern jegliche Bewegungsfreiheit erlaubte: Wenn Cage frei dreht, dann wirkt das niemals wie eine Anweisung, sondern wie ein Cage, der jetzt einfach frei dreht und in dieser Absurdität auch den schmalen Grat zwischen Groteske und Existenzdrama anspricht. 

Natürlich ist Terence McDonagh ein Stereotyp des Polizeifilms, ein von innen heraus verwesender Kadaver, der nur über die Runden kommt, wenn ihm genügend Koks, Vicodin und Heroin zur Verfügung gestellt wird. In „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ geht es letztlich nur darum, wie sich diese Schlange, diese fast schon bemitleidenswerte Scheißhausfliege, die kontinuierlich einer eigenen (Un-)Moral wie (Un-)Logik folgt, präsentiert, nicht, auf welchem Fundament sie errichtet wurde. „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ interessiert sich folgerichtig nicht für das WAS, sondern für das WIE und wird ein überdeutliches Paradebeispiel dafür, wie intuitives Erzählen im Kino aussehen könnte. Welch grenzensprengende Konsequenzen es für den eigenen Horizont haben kann, wenn die konventionelle Erzählmethodik nicht nur unterwandert, sondern auch mit irrem Blick verhöhnt wird. „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ treibt seine Verfremdung von allem Herkömmlichen sogar so weit, das Menschlich vollends zu verdrängen und den Amphibien und Reptilien das Wort zu teilen. Welch radikal entfesselter Irrsinn.

Fazit

Eines der großen Meisterwerke des bizarr-abseitigen Kinos, welches so manchen Zuschauer so richtig schön auf dem falschen Fuß erwischen könnte. Wer erwartet, mit „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ konventionelle Genre-Kost serviert zu bekommen, wird sich angesichts des durchweg entfesselten Wahnsinns schnell in die Ecke gedrängt fühlen und sich vor der genuine Klasse verschließen. In Wahrheit ist „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ ein Paradebeispiel dafür, wie man festgefahrene Erzählstrukturen nach Strich und Faden transzendiert. Ein irrer Trip. Ein echter Rausch, mit einem auf den Punkt gecastet Nicolas Cage, der vermutlich nie besser war, als hier unter der Ägide von Werner Herzog.

Autor: Pascal Reis

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