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Sie sind ein Team von Business Consultants. Zu dritt touren sie um den Globus, ihre Arenen sind die dreckigsten Industrie-Metropolen der Welt, aber sie selbst machen sich die Hände nicht schmutzig. Sie verlassen ihre klimatisierte Hotelzimmer-Welt nicht. Sie sind hoch reflektierte Alphatiere. Das Wort ist ihre Waffe, Zynismus ist ihr Schild. Sie gehören zu den Besten und haben fast alles erreicht - aber der letzte Karriereschritt steht noch aus: Partner werden, denn Stagnation heißt Scheitern, "up or out" ist das Prinzip. Der beste Freund ist der ärgste Konkurrent. Für Öllers und Niederländer wird es eng. Ihr alter Teamkollege Hellinger hat sie auf der Karriereleiter abgehängt. Von seiner Nachfolgerin Bianca erfahren sie, dass er sein Büro in der Zentrale der Company schon bezogen hat. Kann jetzt noch einer von ihnen in den Olymp aufsteigen? Und dann springt Hellinger aus dem Fenster...
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Kritik

Wenn eine deutsche Komödie es schafft, von der deutschen (ansonsten tendenziell schwer zu begeisternden) Kritik einhellig gefeiert zu werden, wenn Stimmen laut werden, der Film gehöre gefälligst in den Wettbewerb der Berlinale, und wenn sie als wertvoll für den Unterricht an Schulen eingeordnet wird, dann lohnt sich eine Sichtung. Das ist der Fall bei „Zeit der Kannibalen“, einer bissigen Kapitalismus-Satire vom deutschen Regisseur Johannes Naber ("Der Albaner"), dessen zweiter Film dies erst ist. Dabei überrascht Naber mit Konsequenz, Können und Mut zur Konfrontation und liefert dem Publikum so Momente, die in der Form und Direktheit lange nicht mehr ihren Weg auf die deutsche Leinwand kam. Das Wochenblatt Die Zeit schrieb zur diesjährigen Berlinale über die Lage des deutschen Films und schlug vor, dass ein selbstverständlicher Hang zum Absurden dem deutschen Film vielleicht helfen könnte. „Zeit der Kannibalen“ ist genau so ein Werk.

Am Anfang geht das Licht an, die Kulisse erscheint. Die Kamera fährt zurück vom Fenster, aus dem man die Skyline einer anonymen Stadt erkennen kann, die komplett aus Quadern aus Pappmaché besteht. Der erste Protagonist kommt ins Bild, Niederländer heißt er, wird von Sebastian Blomberg gespielt und fährt in seinem Hotelzimmer auf der Stelle Fahrrad. Vor ihm steht ein Laptop, der das Entlangfahren auf einer Straße visualisiert. Die Realität wird von Naber hier in den ersten paar Sekunden direkt weggeschoben, in kleine Kästen gesperrt und zum Sterben zurückgelassen. Niederländer und sein Kollege Öllers (großartig: Devid Striesow, ebenso großartig in „Nichts passiert“) bauen sich ihre eigene Welt auf, in der es keine Grenzen und Regeln gibt. Sie nehmen sich die Einzelheiten und kleine Teilchen, die ihnen am besten passen und verwenden sie, ohne auf das Schlachtfeld zu achten, das sie hinter sich lassen.

Der ganze Film spielt in einem Hotel, irgendwo in einer Etage weit oben, wo die Männer ihr Königreich überblicken könnten. Wäre da nicht der Smog, der sich in ein paar Schichten der Fenster ätzt. Und wären da nicht alle Nase lang die Explosionen und Schießereien, die „Unruhen“ wie sie bezeichnet werden. Wenn aber doch etwas von der Stadt sichtbar ist, erschließen sich die übrigen Bauten als klare Kulissen einer anonymen Großstadt, die an jene aus Fritz Langs „Metropolis“ erinnern. Während um ihnen herum die Welt zugrunde geht, fühlen sie sich wohl in ihrem Turm, machen Sport, versuchen Rekorde im Kofferpacken aufzustellen und vögeln das Hotelpersonal - ganze Männer eben. Zwei Männer und ihr Reich gegen den Rest der Welt. Ihre Waffen sind der Kapitalismus, Häme und Ignoranz. So offenbart sich der Film relativ schnell als das, was er ist. Ein Dialog-Feuerwerk voll Misogynie, Lügen, Zynismus, Gier und Narzissmus - eingezwängt auf ein paar Quadratmetern.

Die beiden Geschäftsmänner handeln auf ihren Reisen mit Ländern, können mit einem Fingerschnippsen für Profit und Effizienzsteigerung das Leben von über einer Milliarde Menschen grundlegend verändern - und können dann beim besten Willen kein Verständnis für Unruhen in der Bevölkerung aufbringen. „Vielleicht hat irgendein Kopftuchmädchen ihren Jungfrau-Test nicht bestanden.“ frohlockt Öllers, als die Explosionen in der Stadt einmal mehr zunehmen und findet das gewieft. Diese „Wilden“ einer Welt, die Öllers mithilfe des Kapitalismus auslöschen möchte. Die beiden Männer bereichern sich auf den Rücken anderer Menschen und sitzen dann zufrieden schmatzend auf ihren Zimmern. Die herrschsüchtigen Geschäftshaie agieren hier durchgehend profitorientiert und größtenteils verachtend und reiten sich damit langsam selbst in die Scheiße - ohne sich dessen bewusst zu sein. Dafür sind sie mit ihrem Geschäft zu sehr beschäftigt, schließlich gibt es Pakistan im Sonderangebot.

Fazit

Mein lieber Scholli, Johannes Nabers „Zeit der Kannibalen“ ist ein atemloser 90-Minüter geworden, der auf kleinstem Raum seine minimale Besetzung komplett durch die Decke gehen lässt. Der Humor reicht von verachtend über skurril bis albern und zutiefst schwarz und trifft eigentlich jeden Ton zielgenau - bei der Dialogdichte ist das schon bemerkenswert. Einen hektischen Sturm braut Naber hier von Beginn an auf, bedient sich bei Polanskis „Gott des Gemetzels“ und Paul Thomas Andersons „There Will Be Blood“, lässt sein Werk dennoch zu jeder Sekunde eigenständig wirken. Das ist schon oberster Güte, wie die Geschäftsmänner jedes Maß für Moral und Ethik verlieren, Cunnilingus in Afrika als Entwicklungshilfe und Respekt vor Frauen als eigentlich frauenfeindlich verkaufen wollen und dann über die eigenen Füße fallen. Unbedingt anschauen!

Autor: Levin Günther

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