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An einer kleinen Kunstschule auf dem Lande arbeiten die Studenten mit Ton. Leider mit verfluchtem Ton, der die Studenten angreift und in Vampire mit gehörigem Blutdurst verwandelt.

Kritik

Art so bad it kills“ steht als Tagline auf dem Poster zu Vampire Clay. Da will man doch hoffen, dass dieser humorvoll gemeinte Spruch nicht auch auf den Film an sich zutreffend ist. Spoiler: Ist er nicht. Regisseur Sôichi Umezawa, der 2014 ein Kapitel in der Horror-Anthologie The ABCs of Death 2 inszenierte, liefert mit Vampire Clay einen ziemlich spaßigen Horrorfilm ab, der so ziemlich alles und jeden im Zusammenhang mit der Welt der Künste auf die Schippe nimmt. Der Film behandelt eine kleine, private Kunsthochschule auf dem Lande, bei der die Studenten töpfern lernen. Leider benutzen sie dabei verfluchten Ton, der sich selbstständig macht, die Studenten angreift, entstellt und zu blutdurstigen Berserkern werden lässt.

Klingt komisch, ist es auch. Glücklicherweise liefert der Film noch einige Qualitäten, die einer Sichtung durchaus ihren Mehrwert verleihen. Wer etwas mit Kunst, Künstlern, Kritikern (ähem), Kunstdozenten und -studenten oder gleich allem zusammen zu tun hat, der wird eine Menge Spaß an Vampire Clay haben. Wie Regisseur Sôichi Umezawa sich hier an den zugeknöpften Schnöseln, den Unsicherheiten und dem Narzissmus aller Kreativlinge abarbeitet, ist zuweilen zum Schreien komisch. Von der überselektiven Kunsthochschule in Tokyo bis zu der depressiven Kunstuni auf dem Lande, wo sich alle wie Pfuscher fühlen, weil sie ja nicht in Tokyo angenommen wurden. Tokyo als heilbringende Stadt, als Garten Eden und Ort der Erleuchtung. Im Zwischenton blitzt durch: Tokyo als Ort des absurden Leistungsdrucks. Die Hauptstadt des Suizidlandes Nummer 1. Alle verkaufen ihre Seele, um in die High Society nach Tokyo zu kommen. In der Hoffnung, mit ihrer Kunst Aufsehen zu erregen und „dazuzugehören“.

Dieser Leistungsdruck wird in Vampire Clay direkt behandelt, indem sich die Arbeit (die aus Ton geformten Abbilder der Studenten) gegen den Arbeitenden richtet. Die Kunst frisst ihre Künstler auf. Die Studenten stehen im ständigen Konkurrenzdruck zueinander, sie beneiden einander, zerstören einander, zerreißen einander buchstäblich. Die Künstler werden liebevoll aber erbarmungslos persifliert, wenn sie ihre Kunst wegen der großen Unsicherheit als quälende Leidensaufgabe sehen. Oder wenn sie ihre Kunst derart überhöht einschätzen, dass sie ihren ganzen Körper und ihre ganze Seele in ein Werk stecken. Da wird das eigene Blut als Wein und Opfergabe abgezapft, das Blut des Sohn Gottes quasi. Das Blut des Auserwählten. Und alles für ein paar hässliche Skulpturen. Alles für ein kleines bisschen Unsterblichkeit. Die Kunstmetapher funktioniert tatsächlich sehr gut in diesem aberwitzig absurden Gorefest und lässt sich auf alle Kunstrichtungen ausweiten.

Fazit

Mit „Vampire Clay“ hat Regisseur Sôichi Umezawa einen aberwitzigen Horrorfilm inszeniert. Als splattrige Metapher über die Welt der Kunst und alle, die sie bevölkern vereint der Film eine stilistische Anlehnung an die blau ausgeleuchteten 80er Jahre Thrills (ohne je selbstgefällig „Retro“ zu sein), wunderbar widerliche Effekte und Masken und teilweise extrem komische Momente. Das sollte man als Horror-Persiflage annehmen, als Absurditäten-Kabinett, das eine Menge Spaß in seiner selbstverständlichen Strangeness macht. Erzählerisch ist das überhaupt nicht viel, dramaturgisch völlig unaufregend. Gleichzeitig ist das aber so ehrlich mit seinen Mitteln, dass sich der Spaß des Films flüssig auf das Publikum überträgt. 

Autor: Levin Günther

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