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Inhalt

Am 22. Juli 2011 wurden fünfhundert Jugendliche in einem Sommercamp auf der Insel Utøya von einem schwer bewaffneten, rechtsextremistischen Attentäter überfallen. Die mörderische Attacke forderte 69 Todesopfer - ein Trauma, das Norwegen bis heute tief erschüttert. Regisseur Erik Poppe wagt den Versuch, das Geschehen in einem Spielfilm zu fassen. Nach dokumentarischen Anfangsszenen aus Oslo, wo derselbe Attentäter kurz zuvor eine Autobombe gezündet und acht Menschen in den Tod gerissen hatte, führt der Film direkt auf die Insel. Die Kamera begleitet die 19-jährige Kaja, die hier mit ihrer jüngeren Schwester Emilie ein paar Ferientage verbringt. Es gibt Streit, Emilie hat keine Lust auf das Zeltlager und möchte auch nicht mit zum Barbecue, zu dem Kaja dann alleine geht. Plötzlich ist der erste Schuss zu hören. Mit diesem Schuss beginnt eine 72 Minuten lange, in einer einzigen Einstellung gedrehte, aus der Perspektive der Opfer inszenierte, atemlose Rekonstruktion der Vorgänge. Kajas verzweifelte Suche nach Emilie. Die Angst in den Augen der Jugendlichen. Die Flucht in den Wald. Die Hoffnung auf Rettung. Und der unbekannte Schütze, der immer näher kommt.
  • W780
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Kritik

Der Anschlag auf ein Sommercamp der Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei am titelgebenden Tag im Jahr 2011 dauerte rund 75 Minuten. Perfekt, um einen Survival-Thriller in Echtzeit nach den realen Ereignissen zu drehen. Das dachte sich augenscheinlich Erik Poppe (Troubled Water). Den optimalen Zeitpunkt für ein solches Projekt abzupassen, ist nicht einfach. Die Tat muss frisch genug im kollektiven Gedächtnis verankert sein, um die Massen ins Kino zu locken und idealerweise noch eine internationale Kinoverwertung anzustacheln. Übereilig darf die Monetarisierung aber auch nicht gehen. Das sieht sonst nach Aasgeier aus. Die Platzierung im Berlinale Wettbewerb kommt da quasi ein Stempel mit dem Druck „Richtiger Zeitpunkt“. Die Filmemacher können sich also freuen. Zynisch gedacht? Quatsch, das ist Optimismus! 

Immer die positive Seite einer Situation sehen. Das ist augenscheinlich die Botschaft des mit einem Minimum an Aufwand, Einsatz und Anteilnahem abgearbeiteten Werks mit dem psychologischen Tiefgang eines Third-Person-Shooters. Statt einer Knarre hält hier die Kamera drauf, während die menschlichen Zielscheiben panisch über die Insel hetzen. Aus dem Off ballern Schüsse, mal aus unmittelbarer Nähe, mal in relativer Entfernung. Wer oder wie viele warum auf sie zielen, ist den jungen Protagonisten unklar. Mehr Informationen über die Ereignisse erhält auch das Publikum, das von Anfang bis Ende dicht an der Seite der Figuren ist, nicht. Mehr ist auch nicht nötig, um den Hintergrund zu kennen. Der Name der Insel genügt. Jeder weiß, was dort geschehen ist.

Der Produktion liegt nicht an Aufarbeitung, Analyse oder Katharsis. Ihr liegt nicht einmal an einem spannenden Film. Die Motivation scheint einzig, einen dramatischen Stoff zu vermarkten, bevor es jemand anderes tut. Ein narratives Konzept ist nicht erkennbar. In der ersten Einstellung spricht die junge Kaja (Andrea Berntzen) wie zum Publikum direkt in die Kamera: Du wirst es nicht glauben, das musst du sehen. Also schön aufgepasst! Pssst, letzte Reihe, gleich wird‘s blutig! Wird es dann aber doch nicht. Teenager rennen, reden von Katzenvideos, Döner und Toyota-Ausflügen. Kaja sing True Colors. Und als einmal Wir-müssen-alle-sterben-Stimmung aufkommt, ruft einer: „Kannst du nicht mal aufhören, so negativ zu sein?“ Always look at the bright side of life ...

Fazit

Der reißerische Massenmörder-Thriller spekuliert auf das tiefsitzende Trauma, das die Anschläge hinterlassen haben. Statt irgendeine Form dramaturgischer, psychologischer oder interpretativer Aufarbeitung der Taten zu versuchen, geilt sich die Inszenierung plump am Grauen auf. Interesse an den Opfern ist nicht erkennbar. Die Jugendlichen sind weniger Protagonisten als Statisten, die schreiend herumflitzen, im Wald kauern oder umfallen. Zwischendurch wird über Katzenvideos und Pop-Songs gequatscht, weil von einem irren Rechtsradikalen verfolgt zu werden offenbar genauso öde ist wie der spannungsfreie Exploitation-Streifen.

Autor: Lida Bach

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