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Zwei Zivilpolizisten sind während einer Razzia in einem Traum gefangen, in dem sie die 9 Pforten in die Hölle Ptolomea hinabsteigen.

Kritik

Mit Hades von Kevin Kopacka war das so eine Sache. Der gut 15-minütige Kurzfilm des gebürtigen Österreichers, der mittlerweile in Berlin lebt und dort als Maler und Videokünstler arbeitet, hat in der Szene durchaus für Furore gesorgt. Das Werk hat ihm nicht nur eine Eintrittskarte zu den Filmfestspielen in Cannes beschert, sondern auch einige Preise bei verschiedenen Verleihungen. Für Hades zeigte sich Kopacka als handwerklich talentierter Regisseur, der sich von offensichtlichen Vorbildern wie Dario Argento (Suspiria), Mario Bava (Blutige Seide), David Lynch (Lost Highway) oder Gaspar Noé (Enter the Void) inspirieren ließ und eine farbenfrohe, assoziative Traumwanderung inszenierte, der es über die kurze Laufzeit hinweg etwas an nachhaltiger Intensität und eigenständiger Handschrift mangelte. 

Mit seinem aktuellen Kurzfilm Tlmea, der durchaus als Prequel von Hades bezeichnet werden darf, präsentiert sich der Regisseur erfreulicherweise als gereifter Künstler, der Stilistik, Atmosphäre und erzählerische Elemente des Vorgängers überzeugend transportiert und dabei effektiv weiterentwickelt. Die orientierungslose Traumlogik, welche mittlerweile klar ersichtlich ein Schlüsselmotiv in den Arbeiten von Kopacka einnimmt, ist auch hier wieder der alles überschattende Faktor. 

Im Zentrum der Handlung steht ein Einsatzteam der Polizei, das zum Zweck einer Razzia in eine Wohnung eindringt. Für einen normalen Ablauf dieser Situation zeigt der Regisseur aber wenig überraschend kaum Interesse, denn das Szenario wechselt immer wieder zu verwirrenden Einschüben sowie zeitlich unkonkreten Ereignissen, bei denen Kopacka in die Psyche von zwei der Polizisten eintaucht, die zwischen Realität und einem stetigen Abgleiten in halluzinatorische Zustände gefangen sind. 

Tlmea verankert die neun Kreise der Hölle, welche vor allem aus Dante´s Inferno bekannt sind, in dem dunklen Setting aus flirrenden Nachtaufnahmen, starken Farbfiltern und einem ungemütlichen Sound-Design, wodurch der Film regelmäßig Rätsel aufgibt, was in Verbindung mit dem surrealen Stil, bei dem diesmal auch humorvolle Momente wie Kopacka selbst in der Rolle einer TV-Figur auszumachen sind, zu einer dichten Atmosphäre führt, die im Vergleich zu Hades von der doppelten Laufzeit merklich profitiert. 

Selbst einem grundlegenden Risiko hat sich der Regisseur diesmal entschlossen gestellt, denn Tlmea ist kein Werk der Wortlosigkeit wie Hades, sondern immer wieder gefüllt mit Dialogen, was bei einer deutschen Produktion, die noch dazu mit unbekannten (Laien-)Darstellern auskommt, definitiv riskant ist. Kopacka integriert den Dialog hingegen stimmungsvoll als zusätzlich verunsichernde Komponente. Nachdem eine Figur direkt zu Beginn beispielsweise eine beunruhigende Geschichte erzählt, schlägt der Film im fast schon gänsehautreifen Finale, bei dem nicht nur das Blut des Zuschauers in den Adern gefriert, zu dieser einen gekonnten Bogen. Auch wenn zum Schluss sicherlich noch viele Fragezeichen in den Köpfen der Zuschauer übrig bleiben werden, wirkt Tlmea runder und geschlossener sowie von Anfang bis Ende durchdachter als Hades, wodurch Kopacka beweist, dass er längst noch nicht aus dem Vollen geschöpft hat und mit einem abendfüllenden Spielfilm sicherlich Großes abliefern könnte.

Fazit

Kevin Kopacka hat sich mit "Tlmea" noch einmal gesteigert und liefert im Vergleich zu Hades einen noch atmosphärischeren, dichteren und inszenatorisch konzentrierteren Film ab. Wer sich als Zuschauer ebenso wie der Regisseur von herkömmlichen Narrativen und leicht zu entschlüsselnden Handlungselementen lösen kann, wird an diesem surrealen Trip ins abgründige, traumwandlerische Nachtleben seine Freude haben.

Autor: Patrick Reinbott

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