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Mitten in der tropischen Landschaft Indonesiens sitzt eine ältere Frau in ihrem Garten, putzt Gemüse, füttert ihre Hühner und spricht über den Tod ihres Kindes. 1965 wurde ihr ältester Sohn Ramli als angeblicher Kommunist auf grauenvolle Weise umgebracht. Schwer verletzt rettete er sich vor seinem Tod zu ihr, aber am nächsten Morgen vollendeten die Mörder mit Macheten ihr Werk.

Mehr als eine Million Menschen wurden nach dem Militärputsch in Indonesien in monatelangen nächtlichen Massakern getötet. Über die Täter, deren Verbrechen nie gesühnt wurden und die bis heute kein Unrechtsbewusstsein zeigen, drehte Joshua Oppenheimer bereits den Dokumentarfilm The Act of Killing. Stolz, als seien sie Filmstars, stellten die Männer darin ihre Taten nach. Nun geht es um die Opfer. Gemeinsam mit Adi, Ramlis jüngerem Bruder, sucht der Regisseur die Mörder und deren Familien auf, konfrontiert sie mit ihren sadistischen Taten, fragt nach Gewissen und Verantwortung. Doch die Männer, denen die Mutter jeden Tag im Dorf begegnet, zeigen keine Regung. Oppenheimer dokumentiert das Grauen eines nie aufgearbeiteten, kollektiven Verbrechens und gibt so der individuellen Trauer ihren Raum.

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Kritik

Mit seiner für den Oscar nominierten Dokumentation "The Act of Killing" erzählte Regisseur Joshua Oppenheimer nicht nur ein erschreckendes Kapitel der Geschichte, das sich in den 60er-Jahren in Indonesien zugetragen hat, sondern warf auch zugleich einen Blick auf die Abgründe der menschlichen Psyche. Der Clou an "The Act of Killing" war jedoch die clevere Herangehensweise, bei der er die Täter des Genozids an über einer Million vermeintlicher Kommunisten in Indonesien, die heute ungestraft weiterleben und sogar als Helden gefeiert werden, geschickt vorgeführt wurden. Mit seiner neuen Doku "The Look of Silence", quasi dem "Nachfolger" zu "The Act of Killing", wagt sich Oppenheimer erneut an das gleiche Thema, jedoch aus einem neuen Blickwinkel. Während zuvor die Täter zu Wort kamen und im Fokus standen geht es diesmal um die Opfer der bestialischen Massenmorde.

Oppenheimer hält sich diesmal hinter der Kamera zurück, während Adi, Bruder eines der Opfer, im Mittelpunkt steht. Adi wird zunächst mit viel abscheulichem Bildmaterial, welches im Rahmen von "The Act of Killing" entstand, konfrontiert und schließlich auf eigenen Wunsch mit einer Vielzahl der Täter selbst. Gespräche, die angesichts der fehlenden Reue fassungslos machen. Adi geht dabei erstaunlich ruhig und höflich vor, dennoch ist ihm in den vielen Close-Ups anzusehen, wie schwer ihm diese Konfrontationen fallen und wie sehr er sich bemüht, die Beherrschung zu behalten. Erschreckend dabei ist, das sich selbst nach 50 Jahren im Denken vieler Menschen Indonesiens nur sehr wenig geändert hat. Kindern in der Schule wird eingetrichtert, wie glücklich sie sich schätzen können dass das Land von den "Kommunisten" gereinigt wurde und sie nun in einer funktionierenden "Demokratie" leben dürfen, während an anderen Stellen Drohungen ausgesprochen werden, dass sich Altes schnell wiederholen könnte, wenn man es zu weit treibt. Die Massenmorde sind zwar vorbei, doch die Angst und Abscheu vor politisch anders eingestellten Menschen oder auch Menschen anderer Religionen besteht weiterhin. Und möglicherweise auch die Bereitschaft diese, wenn nötig, gewaltsam zu vertreiben oder auszurotten. Doch was in Indonesien einst geschah, ist momentan auch in anderen Teilen der Erde zu beobachten, ein Blick Richtung Afrika oder in den Nahen Osten zeigt, dass sich solch Gräueltaten der menschlichen Geschichte stets wiederholen.  

Während Adi nun die Täter zur Rede stellt, zeichnet sich ein sehr einheitliches Bild unter ihnen ab: Während zunächst mit ihren "Heldentaten" geprahlt wird, will keiner die Schuld auf seinen Schultern tragen, sobald sie erfahren, dass ihr Gesprächspartner Adi zu den Opfern zählt. Jegliche Verantwortung an den vergangenen Taten wird zurückgewiesen, man solle Vergangenes doch endlich ruhen lassen und schließlich stellt sich schnell auch Ärger ein, da man sich entblößt und in die Ecke getrieben fühlt. Auch Regisseur Oppenheimer macht sich zunehmend unbeliebt unter den Befragten: “Beim letzten Film mochten wir dich noch, Joshua. Aber jetzt mögen wir dich nicht mehr”. Was bleibt ist viel Schweigen. Schweigen der Täter, da ihnen die Argumente ausgehen und sie sich, auch wenn sie es niemals zugeben, möglicherweise doch schämen, Schweigen auf Seiten Adis, da er fassungslos jede Menge Bullshit ertragen muss.

Und wie gefährlich der Dreh von "The Look of Silence" im Allgemeinen war bzw. dessen Veröffentlichung nun ist, zeigt allein ein Blick auf die still herunterlaufenden Credits am Ende der Doku, worin die Mehrzahl aller Beteiligten als "Anonymous" aufgeführt wird. Aus Angst vor Rache oder sonstigen Folgen, wie uns Produzentin Signe Byrge Sørensen auf der Berlinale nach der Vorführung verrät. 50 Jahre mögen zwar vergangen sein, doch scheinbar waren diese für das Land noch nicht genug.

Fazit

"The Look of Silence" liefert erneut einen interessanten, aber auch sehr unangenehmen und schwer zu ertragenen Blick auf die Massenmorde Indonesiens der 60er Jahre in Millionenhöhe. Zwar fehlt es diesmal am cleveren Clou eines "The Act of Killing" und auch einige Redundanzen zum Vorgänger lassen sich nicht vermeiden, dennoch bleibt "The Look of Silence" ein absolut wichtiger, lohnenswerter und ganz nebenbei auch schön gefilmter dokumentarischer Beitrag zu einem dunklen Kapitel der menschlichen Geschichte.

Autor: Sebastian Stumbek

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