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US-Spione versuchen in Moskau in den Besitz eines brisanten Briefes zu kommen, der einen Krieg mit China auslösen könnte.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Sie heißen Der Straßenräuber, Der Techniker, Der Magier oder sogar Die Hure, aber ihr wahrer Job ist weitaus lukrativer, wenn auch deutlich riskanter. Als freischaffende Spione, Söldner im kalten Krieg zwischen West und Ost. In den späten 60ern unterwanderten sie zu Tausenden die befeindeten Staatsapparate, im Idealfall als linientreue Patrioten, aber wenn der Preis stimmte, wurde Fahnentreue schnell zur Nebensache. Eine dieser unzähligen (in dem Fall fiktiven) Geschichten erzählt Altmeister John Huston („Die Spur des Falken“) mit der Romanadaption „Der Brief an den Kreml“, in der eine Gruppe angeheuerter US-Spione mitten im Herz des sowjetischen Reiches auf der Jagd nach einem Dokument sind, dessen Bekanntwerden den ohnehin schon brandgefährlichen Konflikt endgültig eskalieren lassen könnte.

Ein Greenhorn in diesem Spiel, der gerade von der Navi entlassene Offizier Rone (Patrick O’Neal, „Tödliche Fragen“), wird aufgrund herausragender Fähigkeiten – zu denen neben umfangreicher Sprachkenntnisse vor allem ein eidetisches Gedächtnis zählt – als Ersatzmann für die bereits einmal gescheiterte Mission auserkoren. Die alten Hasen im Geschäft führen ihn schnell in die wichtigsten Regeln ein, bevor sie sich in die Höhle des Löwen nach Moskau begeben. Die knapp zwei Stunden Laufzeit scheinen bald zu wenig für die Geschichte, besonders im ersten Drittel wirkt die Handlung gehetzt. John Huston hat die Inszenierung mit seiner fachmännischen Erfahrung natürlich jederzeit im Griff und liefert routinierte Arbeit ab, dennoch werden die zahlreichen Figuren und der umfangreiche Vorbau wie im Stakkato serviert. Husch, husch, wir haben doch keine Zeit. Die interessante und komplexe Welt der freischaffenden Spitzel kann nur überflogen und kaum tiefer dargestellt werden, dafür prasselt eine wahre Namens- und Zusammenhangsflut auf den Zuschauer ein, die erstmal im Kopf sortiert werden muss.

Mit dem Beginn der Mission in Mütterchen Russland kommt etwas angenehme Ruhe in den Film, der eigentliche Plot birgt einiges an Spannungspotenzial, das aber leider nur selten richtig zum Vorschein kommt. Es fehlen deutliche, markante Höhepunkte. Erst zum Finale spitzt sich die Lage merklich zu und „Der Brief an den Kreml“ wird zum intriganten Agentenpoker, bei dem bis zum Schluss niemand seine Karten komplett auf den Tisch legen will und sich offenbart, wie wenig die gute Sache fürs Heimatland  - auf beiden Seiten – von Bedeutung ist. Das titelgebende Schriftstück ist ein klassischer Macguffin; der Krieg der Systeme und Weltanschauungen nur die Bühne; Erhalt von Sicherheit, Frieden und der Sieg über den großen Feind total irrelevant. Hier hat fast jeder nur seinen persönlichen Vorteil im Auge, steckt sich die Taschen voll und verbündet sich auch mal mit dem Feind, um die Gegner in den eigenen Reihen aus dem Weg zu räumen. Diese realistische, vom ehrenhaften Patriotismus losgelöste Aussage des Films ist reizvoll und wohl voller Wahrheit, nur der Weg dorthin will den Zuschauer zu keiner Zeit richtig einfangen.

Formell eine saubere Sache: Huston führt das nicht ideale Skript mit abgeklärter Hand (unspektakulärer) und auch im Cast befinden sich – im wahrsten Sinne des Wortes – einige Schwergewichte. Der steife Ryan O’Neal spielt nur auf dem Papier die erste Geige, neben Kalibern wie Richard Boone („Der letzte Scharfschütze“), Max von Sydow („Die Jungfrauenquelle“), dem knurrigen Pfundskerl Orson Welles („Citizen Kane“) oder Bibi Andersson („Szenen einer Ehe“) fällt sein etwas blasses Spiel deutlich ab. Trotz des Staraufgebots und einer nicht uninteressanten Story zieht „Der Brief für den Kreml“ irgendwie an einem vorbei, hinterlässt kaum Spuren. Alles andere als ein schlechter Film, nur nicht besonders erinnerungswürdig und in Anbetracht seiner Möglichkeiten eher eine Enttäuschung.

Fazit

Starkino vor der immer reizvollen Kulisse der Kalten-Kriegs-Spionage, das wenig Raum für Idealismus lässt, jedoch in seiner Gänze es nicht versteht daraus ein packendes Stück Film zu kreieren. Dank des Hintergedankens, der fähigen Darsteller und einer nie wirklich langweiligen Geschichte schon okay, doch letztlich bleibt hier gewaltig viel auf der Strecke. Kein Glanzstück in den Karrieren der meisten Beteiligten, wenn auch kein kompletter Fehlschlag.

Autor: Jacko Kunze

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