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Schwedisches Drama aus dem Jahr 1960 von Ingmar Bergman. Schweden im 14. Jahrhundert: Die Bauerstochter Karin wird im Wald von drei Hirtenbrüdern vergewaltigt und ermordet. Unwissend finden die Täter bei der Familie des Mädchens Unterkunft. Als sie Karins Mutter Kleidungsstücke ihrer Tochter zum Verkauf anbieten, machen sie einen großen Fehler.
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Kritik

Der kürzlich verstorbene Wes Craven („Nightmare – Mörderische Träume“) bezeichnete diesen Film als Inspiration für seinen „Das letzte Haus links“, was er eigentlich nicht näher hätte erwähnen müssen und sogar stark untertrieben ist. Genau genommen handelt es sich bei seinem Debütfilm von 1972 um ein Remake von „Die Jungfrauenquelle“, der die Grundgeschichte in die (damalige) Jetztzeit verlegt und die gesellschaftlichen Strukturen anpasst. Das soll keinesfalls eine Kritik an Craven und seinem Werk darstellen, gerade dieser Transfer der ursprünglichen Geschichte auf die Befindlichkeiten, den Ist-Stand der frühen 70er und wie er als zeitgenössische Interpretation tadellos funktioniert ist mehr als beeindruckend. Nicht zuletzt deshalb muss der oft als Geburtsstunde des Rape & Revenge-Genre genannte Film zu seinen besten Arbeiten überhaupt gezählt werden (Top 3 unumgänglich). Dabei gebührt Ingmar Bergman („Wilde Erdbeeren“) eigentlich diese Ehre, obwohl sich „Die Jungfrauenquelle“ eher als inhaltlicher Grundstein denn als waschechter Beitrag des Subgenres kategorisieren lässt. Das würde seinem Regisseur auch nicht gerecht werden. Bergman liegt es nicht an der Befriedigung von Genregelüsten (wie auch Craven zumindest nicht ausschließlich). Wie in jedem seiner Filme behandelt er Konflikte und emotionale Grenzerfahrungen des Menschen, hier im starken Einklang mit seiner Religion, was besonders für die Bergman-Filme dieser Schaffensperiode typisch ist.

1972 erschütterte bei Craven die rohe, unbarmherzige Gewalt das aufgeschlossene Weltbild der Flower-Power-Generation (verkörpert durch das Opfer) wie das gutbürgerliche, kultivierte der gebildeten, pazifistischen Mittelschicht (in Form der späteren Rachengel) und verdrehte am Ende deren Wertvorstellungen in einen radikalen Strudel von Auge-um-Auge, dem Bruch mit allem, was bis dahin als selbstverständlich und anständig angesehen wurde. Bei Bergman wird dieses Sittengemälde durch tiefe, unerschütterliche Gottesfürchtigkeit in einer Zeit dargestellt, in der der Glauben einen noch viel höheren, existenzielleren Stellenwert hatte. Die Grundvoraussetzungen sind somit gleich und doch leicht anders. Was bei Craven einfach „nur“ eine Frage der Moral und Menschlichkeit war, ist bei Bergman ein Disput mit der gesamten Ausrichtung des Seins. Die behütete Erziehung des letzten verbliebenen, im Sinne christlicher Frömmigkeit, Reinheit und zum Sinnbild der Unschuld erhobenen Kindes führt letztlich zu ihrem Tod. Sie zieht den Neid der von allen geächteten, unkeuschen Magd auf sich, die auf ihrer Reise einen Pakt mit einem ausgestoßenen Hexer (oder dem Teufel?) schließt. In wie weit das ausschlaggebend für ihr Schicksal ist beantwortet der Film nicht, ist schlau genug, sich nicht zu sehr auf die spirituelle Schiene zu begeben, verwendet es nur als zusätzlichen Teilaspekt über menschliche Abgründe, Fehlerhaftigkeiten und seine missgünstige Natur.

Denn so oder so, durch ihre bald weltfremde Erziehung wird sie unvorbereitet auf das Elend der Realität losgelassen, das in den weniger gesitteten und  demütigen Wäldern lauert. Ein leichtes, naives Opfer, dazu noch aufreizend geschmückt von ihren Eltern, um ihren Gott gerecht zu werden. All das trägt zu den fatalen Ereignissen bei und am Ende wird dieser Kreislauf auf seine Spitze getrieben. Im Angesicht von Leid, Trauer, Schmerz und Wut, ganz tief verankerter menschlicher Emotionen, werden bis dahin unerschütterliche Dogmen zur idealistischen Theorie. Vergebung, die andere Wange hinhalten, das alles zählt nicht mehr für den Moment der Vergeltung. Sein ganzes Leben kann man nach Werten ausrichten, solange sie nicht auf die ultimative Probe gestellt werden. Das ist vielleicht nicht moralisch, ethisch und in diesem Fall sogar der konsequenten, unerschütterlichen Unterordnung religiöser Regeln korrekt und vertretbar, aber wen interessiert das, wenn der Mensch sein Gewissen besiegt? Davon handelt „Die Jungfrauenquelle“. Er will gar nicht ein gottesfürchtige Leben in Frage stellen, er zeigt nur auf, das ein Mensch trotz aller Bemühungen am Ende immer noch ein Mensch ist und nicht gegen grundliegende Emotionen ankämpfen kann, egal wie niederträchtig (und dennoch bzw. gerade deshalb verständlich) sie sein mögen. Alles untermauert durch die fantastische Arbeit von Bergman’s Kameraspezi Sven Nykvist („Chaplin“), der die Verdunkelung der Seele durch immer dichtere Schattenbilder visualisiert, bis nur noch das Wesentliche zu sehen ist.

Fazit

Ein wegweisendes Werk, bei dem Ingmar Bergman dem Genre näher als jemals in seiner Karriere ist und dennoch „nur“ der Wegbereiter für eines ist, das oft und (besonders in den letzten Jahren) nicht zu Unrecht als schlicht gewaltgeil verschrien ist. Wichtig ist der Blick auf die Ursachen und die Folgen, die Tragödien dahinter, ohne sie plakativ als Mittel zum Zweck zu benutzen. Ein grausamer, aber nicht ergötzender Film, der sich mit den Menschen und ihrem Leid hinter der Gewalt beschäftigt.

Autor: Jacko Kunze

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