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Inhalt

Der US-amerikanische Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten nähert sich im Jahr 1865 zwar seinem unausweichlichen Ende. Doch auch in den letzten Tagen des blutigen Konflikts regieren Gewalt und Tod: Für die willensstarke Augusta, die zusammen mit ihrer Schwester Louise und Sklavin Mad auf einem abgelegenen Anwesen auf das Kriegsende wartet, werden die letzten Tage des Kriegs zum Überlebenskampf: Zwei Deserteure der herannahenden Unions-Armee haben es auf die wehrlosen Frauen abgesehen...

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Kritik

Der Himmel hängt voller Geigen. Sie krächzen, klagen und weinen. Der beinahe delirierende Klangteppich, den Martin Phipps„The Keeping Room – Bis zur letzten Kugel“ maßgewebt hat, konserviert vortrefflich die Stimmung, mit der der Oscar-nominierte Daniel Barber („Harry Brown“) in seinem zweiten Spielfilm auf den Zuschauer einwirkt. Es ist ein schwerer Film, ein bleierner Film, in den man sich hinein- und nicht selten zurückkämpfen muss. Allerdings, und daran besteht auch während der Seherfahrung kein Zweifel, muss ein Film wie „The Keeping Room – Bis zur letzten Kugel“ zwangsläufig auch so aussehen. Er muss den Zuschauer bis zu einem gewissen Punkt zermürben, ihn in seiner allgemeinen Entschleunigung belästigen und gleichermaßen anreizen. Daniel Barber datiert seine Geschichte zur Zeit des Sezessionskrieges, legt jedoch großen Wert darauf, dieses Ereignis nicht auf seiner historischen Faktizität beruhen zu lassen. „The Keeping Room – Bis zur letzten Kugel“ ist ein Kriegsfilm.

Die letzten Worte in Sam Mendes' großartigem, mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle besetzten „Jarhead – Willkommen in Dreck“ bieten sich hier noch einmal als Zitat an: „Jeder Krieg ist anders. Jeder Krieg ist gleich.“ Diesem Gedanken dürfte auch Daniel Barber und seine Drehbuchautor Julia Hart erlegen sein. Tatsächlich unterliegt ein Krieg grundsätzlich verschiedenen, inneren Gesetzmäßigkeit, doch letzten Endes obsiegt die Grausamkeit. Immer. „The Keeping Room – Bis zur letzten Kugel“ geht den (Bürger-)Kriegskomplex allerdings nicht auf geradem Wege an der Front an; da, wo sich Yankees und Konföderierte im Namen der Nord- und Südstaaten blutige Schlammschlachten geliefert haben, sondern perspektiviert das Geschehen aus der Sicht der daheimgebliebenen Frauen. Die beiden Schwestern Augusta (Brit Marlin, „Another Earth“) und Louise (Hailee Stenfeld, „True Grit“) versorgen zusammen mit der Sklavin Mad (Muna Otaru) das Anwesen. Die ehemaligen Hausfrauen müssen von nun an in jedem Bereich tätig werden und Arbeit verrichten, die nicht der Geschlechteridentität ihrer Zeit entspricht.

„The Keeping Room – Bis zur letzten Kugel“ ist ein Film über die Zeit des Krieges. Und damit hat Daniel Barber auch ein Film über die Zeit der unabwendbaren Veränderungen gedreht. Die drei Frauen im Zentrum bilden den Gefühlsknoten, der sich durch die anhaltende Traurigkeit, die Verbitterung und die Existenzängste merklich strammer und strammer zieht. Wenn sich später die beiden desertierten, vom Kriegsschrecken vollkommen verrohten Unions-Soldaten (gespielt von Sam Worthington und Kyle Soller) Zugang in das Haus der Damen verschaffen, wird das Stillleben der beinahe apokalyptischen Inszenierung jäh aufgebrochen und der rückwärtsgewandte Westen-Gestus in ein bedrückendes Home-Invasion-Szenario umgewandelt. Es folgt auch im archaischen Gewaltakt der Ausbruch aus Gender-Klischees, von der romantischen Verklärung des Pioniergeistes des 19. Jahrhundert hält sich „The Keeping Room – Bis zur letzten Kugel“ ebenso entschieden fern. Festzuhalten bleibt nur, dass, wenn die Moral stirbt, auch die Zukunftsperspektive versiegt. Krieg ist die Hölle.

Fazit

Zuweilen beschleicht einen schon das Gefühl, dass „The Keeping Room – Bis zur letzten Kugel“ etwas über das Ziel hinausschießt und in seiner rückwärtsgewandten Art prätentiöse Ausmaße annimmt. Allerdings ist Daniel Berbers erst zweiter Spielfilm eine stimmungsvolle Herangehensweise an den Bürgerkrieg und zeigt die Konsequenzen des Krieges anhand von drei Frauen, die sich zuhause gegen genau diese Konsequenzen zur Wehr setzen. Es ist ein Film, der für Gleichberechtigung steht und Gender-Klischees torpediert. Ein bleierner Film, zweifelsohne sehenswert.

Autor: Pascal Reis

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