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Inhalt

Lowell, Massachusetts Anfang der Neunzigerjahre: Der Lokalheld Dicky Eklund (Christian Bale) ist der absolute Stolz der Gemeinde. Als ehemaliger Profiboxer hatte Dicky 1978 seinen größten Auftritt, als er bei einem Kampf gegen Sugar Ray Leonard diesen für kurze Zeit auf die Bretter schickte. Doch diese Zeiten sind schon lange vorbei. Mittlerweile ist Dicky cracksüchtig, abgemagert und vollkommen verbraucht. Dennoch versucht er seinen jüngeren Halbbruder Mickey Ward (Mark Wahlberg) für seine Boxerkariere zu trainieren. Dieser hat jedoch unter der Unpünktlichkeit seines Bruders zu leiden, ebenfalls weiß seine Mutter Alice (Melissa Leo) stets alles besser und plant seine Kämpfe. Was folgt sind bittere Niederlagen sowie ein ständiges auf und ab in Mickeys Leben. Als dann Dicky auch noch in den Knast kommt, läuft das Fass für Mickey über. Er entscheidet sich für einen neuen Trainer (Mickey O’Keefe) sowie einen neuen Manager. Bei der Lossagung von seiner Familie unterstützt ihn seine neue Freundin Charlene (Amy Adams). Endlich geht seine Karriere wieder aufwärts, doch seine Familie sieht das ein wenig anders…

Kritik

Mark Wahlberg hat eine sehr steinige Laufbahn hinter sich. Früher Kleinkrimineller mit etlichen Gefängnisaufenthalten, Anfang der 90er Jahre eine Kurzkarriere als Rapper Marky Mark, dann Unterwäschemodel und schlussendlich Schauspieler. Ein harter Weg, den sich Wahlberg stets erkämpfen musste. Vielleicht ist dies ein Grund dafür, warum er sich seit Jahren für die Geschichte des Boxers Micky „Irish Ward interessiert, der ebenfalls für seine Träume hart kämpfen musste. Diese packende Story auf die Leinwand zu bringen, war ein langgehegter Wunsch von Wahlberg. Aufgrund fehlender Unterstützung, konnte dieser jedoch lange nicht realisiert werden. Erst durch Regisseur David O. Russell sowie die Hilfe von Schauspielkollege Christian Bale, gelang die Umsetzung in Form von The Fighter. Russell kreiert hierbei ein eindringliches Boxer-Drama, welches sich gegenüber den Klassikern wie John G. Avildsens Rocky oder Martin Scorseses Wie ein wilder Stier keineswegs verstecken muss. Im Gegenteil, dass Leben von Ward und seiner Familie wird so eindringlich präsentiert, sodass eine packende Charakterstudie entstanden ist, die durch die grandiose Schauspielerische Leistung seiner Darsteller noch verstärkt wurde.

Anders als es anmuten mag, liegt der Fokus bei The Fighter keineswegs auf den sportlichen Bereich. Denn in erster Linie ist das Boxer-Drama eine intensive Sozialstudie, die im Bereich des Arbeitermilieus von Lowells Außenseiterbezirken angesiedelt ist. So gibt es keinen Glamour beim Boxkampf, keine heile Welt, nur die intensive wie raue Wirklichkeit. Und wer kann wohl Geschichten besser erzählen als das Leben selbst. Deshalb ist die Handlung von Micky Ward und seinen Kämpfen so authentisch wie es nur sein kann. In fast dokumentarischer Art, erzählt Regisseur David O. Russell eine packende Story über Familie, Bruderliebe sowie den stetigen Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens. Zwar ist der WBU-Weltmeistertitel, den Ward am  11. März 2000 gegen Shea Neary gewann, der unwichtigste in der ganzen Boxwelt, doch was zählt ist der Kampf selber. Diesen gewann Ward durch einen unbeschreiblichen Fight, der den bisher recht unbekannten Boxer zum Weltstar machte. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Diesen begleitet der Film von seinen dunkelsten Stunden, bis hin zu seinen größten Momenten. Dreh- und Angelpunkt ist hierbei die Familie von Micky. Er hat ständig unter den Bevormundungen dieser zu leiden. Sein Bruder ist abgebrannt, aufgedreht und drogensüchtig, seine Mutter übt ihre Kontrollfantasien aus, ist egoistisch und plant schlechte Fights und seine sieben Schwestern sind ebenfalls keine große Hilfe. Erst durch seine neue Freundin Charlene, die abfällig als MTV-Girl bezeichnet wird da sie ein College-Abschluss hat, findet er auf den richtigen Weg. Die vielen kleinen Streitigkeiten innerhalb des Familientwist wirken dabei nie aufgesetzt oder klischeehaft. Im Gegenteil, durch die grandiose Kameraarbeit von Hoyte Van Hoytema, der immer dicht am Geschehen bleibt, wirkt die Szenerie immer zu Hundertprozent glaubwürdig. So bleibt das gezeigte auch unkommentiert. Bezüglich Dickys Drogensucht beispielsweise, wird keinesfalls der gehobene Zeigefinger angewendet. Der Zuschauer bekommt so einen realen Eindruck von dem, was tatsächlich Anfang der 90er in der Familie Ward geschehen ist. Dies ist ungeschönt, hart und zeigt perfekt das typische Leben in den heruntergekommenen Arbeitervierteln Amerikas. Ebenfalls schafft es Regisseur David O. Russell in der  Geschichte immer wieder durch den perfekten Einsatz von Musik, an vielen Stellen emotionale Höhepunkte zu setzen. So wird Dicky beispielsweise von einer HBO-Dokumentation begleitet (diese wurde unter dem Titel High On Crack Street: Lost Lives in Lowell tatsächlich veröffentlicht), die nach Meinung Dickys einen Film über sein geplantes Comeback dreht. Wird dann der wahre Inhalt präsentiert, so ist dies ein ergreifender Moment, indem selbst Dickey sein jahrelanges Handeln vor Augen geführt wird. Solche Tritte in die Magengrube gibt es viele, die auch emotional mitreisen.

Wenn es dann doch in die Boxkämpfe geht, so sind diese wie echte Fights aus den 90ern inszeniert. Die Kamera ist wackelig, das Bild vergilbt und die reißerischen Kommentatoren beschreiben das Geschehen. Die 1:1 Umsetzung der originalen Kämpfe, ist hierbei grandios gelungen. So sind die gezeigten Boxkämpfe zwar kurz, dafür aber intensiv. Die so aufgebaute Atmosphäre, verleiht dem ganzen eine eigene Stimmung, die nur schwer zu beschreiben ist.  Mark Wahlberg macht hier eine verdammt gute Figur und ist auch von der Statur her vollkommen glaubwürdig. Besonders der letzte Kampf gegen Alfonso Sanchez, in dem es um den Weltmeistertitel ging, ist durchzogen von Gänsehautmomenten, die zum mit fiebern anregen. Erst hier, fühlt sich dann The Fighter tatsächlich wie ein Boxfilm an. Denn die klassischen Konventionen des Genres, konnte Russell gekonnt Langezeit umgehen.

Während Rocky 1976 noch einen unbekannten Sylvester Stallone offenbarte, ist The Fighter schon mit namhaften Hollywoodstars besetzt, die alle durchweg eine exzellente Leistung abliefern. Allen voran Christian Bale, der für die Rolle des abgehalfterten Dicky wieder einiges auf sich nahm. So ist Bale wieder vollkommen abgemagert und erinnert an seine Rolle in Der Maschinist. Auch ließ er sich die Haare ausdünnen, umso dem echten Dicky noch ein Stückchen näher zu kommen. Und tatsächlich, die Umwandlung ist perfekt. So spielt Bale nicht einfach nur die Rolle des Dicky, sondern er ist es. Stets etwas nervös, aufgedreht, aber dennoch voller Energie und Leidenschaft. Verdient bekam Bale für seine Leistung den Oscar. Normalerweise würde Bale bei solch einer Leistung alle anderen Darsteller mit Leichtigkeit überstrahlen. Doch Regisseur David O. Russell schafft es gekonnt, jeden der Figuren seinen eigenen Freiraum zu lassen, so dass sich die vielen hervorragenden Leistungen zu einem brillanten Gesamtbild ergänzen. Mark Wahlberg spielt die Rolle des Mickey heroisch, energievoll und teils etwas unsicher. Eben genauso, wie man es für einen angehenden Boxchampion mit zweifeln gehört. Familie scheint ihm wichtiger als Karriere zu sein und so will er diese auch stets um sich haben, egal was passiert. Hinzukommt die physische Präsenz von Wahlberg. Schon seit Jahren trainierte er für die Rolle und dieses hat sich wahrlich gelohnt.

Doch nicht nur die Hauptdarsteller machen eine gute Figur, sondern auch die vielen Nebendarsteller. Melissa Leo verwandelt sich mit Bravur in die Mutter der beiden Brüder und spielt ihren Part ebenfalls grandios. Auch hier ist der Oscar vollends verdient. Wenn auch Amy Adams als Mickeys Freundin Charlene noch ein wenig authentischer wirkt. Besonders die Chemie zwischen ihr und Wahlberg stimmt zu jeder Zeit. Mickey O’Keefe, der der echte Trainer von Micky Irish Ward war, spielt sich selber, was zusätzlich für eine passende Atmosphäre sorgt.

Fazit

90

"The Fighter" ist in erster Linie ein eindringliches wie vielschichtiges Drama geworden, welches sich als großes Schauspielerkino offenbart. Die vielen Leistungen sind grandios, fügen sich perfekt ein und ergeben so einen atmosphärisch stimmigen Film, der authentisch die Geschehnisse von Micky "Irish" Ward erzählt. Regisseur David O. Russell ist so eine packende Charakterstudie gelungen, welches durch intensive Boxkämpfe ergänzt wird und so dem Zuschauer die Welt von Micky und seiner Familie präsentiert. Bewegendes Kino, welches man nicht so schnell vergisst.

Autor: Thomas Repenning Userwertung: 7.9 von 10 basierend auf 202.750 Wertungen.

Kommentare

MBFreak

MBFreak am Montag, 03 Juni, 14:46 Uhr 6.0/10

Boa. Ich fühl mich immer voll mies, wenn ich so "abgefuckte" familien in einem Film sehe. Hier war es der Fall.

Generell ist der Film schon gut, aber iwie konnte er mich nicht besonders mitreißen. Da hatte ich viel mehr Zugang zu den Charakteren aus "Warrior", welcher sehr toll ist.

Respekt aber an dieser Stelle an Christian Bale. Wie mager der da wieder aussah. Das muss man erstmal hinkriegen, wenn man in drei Filmen Batman mit schön viel Muskeln war^^

MBFreak

MBFreak am Montag, 03 Juni, 14:49 Uhr 6.0/10

Bevor ihr jetzt denkt ich fühl mich mies, weil ich vllt selbst in so ner Familie wohn, dann kann ich Entwarnung geben^^ Ist nicht im Ansatz so^^

Generell mag ich es einfach iwie, wenn eine gewisse Ordnung vorhanden ist. Seien es die Verhältnisse zwischen den Familienmitgliedern oder dass es bspw. ein Happy End gibt. Offene Enden wurmen mich auch oft. Das aus Inception ist allerdings genial^^

Bei Warrior fand ich das Ende allerdings nicht besonders. Hätte sehr gerne noch gesehen was nach dem Kampf passiert und wie es den Charakteren danach ergeht bzw. wie ihre späteren Beziehungen nach dem Kampf sich entwickeln.

duffman

duffman am Sonntag, 21 Juli, 22:39 Uhr 8.0/10

Krasser Film!
Echt eine geniale Leistung von Mark Wahlberg und Christian Bale.
Auch Amy Adams hat mir ausserordentlich gut gefallen.

Muss man gesehen haben!

Mugiwara

Mugiwara am Sonntag, 21 Juli, 22:48 Uhr 6.0/10

Hat mich nicht umgehauen. Bale, Wahlberg und Adams waren wirklich gut, aber die Story ging echt sehr sehr schleppend vorran. Als sie mal in Fahrt kam wars für mich schon zu spät um noch wirklich als überdurchschnittlicher Film durchzugehen.

Kann man ansehen, muss man aber nicht.

duffman

duffman am Sonntag, 21 Juli, 23:07 Uhr 8.0/10

Nun ja... man sollte wohl Fan des Boxsports sein, ansonsten zieht der Film vermutlich wirklich nicht...

Aber gerade gegen Ende wurde der Film nochmal richtig spannend (wenn man die Geschichte nicht vorher schon kennt).

Mugiwara

Mugiwara am Sonntag, 21 Juli, 23:09 Uhr 6.0/10

@duffman ich muss sagen selbst wenn man die Geschichte nicht kennt (ich kannte sie nicht) ist gegen Ende klar wo der Film hin will. Für mich war da jetzt keine große Überraschung, halt n nettes durchschnittliches Drama. Mehr leider nicht.

duffman

duffman am Sonntag, 21 Juli, 23:13 Uhr 8.0/10

Naja, war halt auch eine Biographie.
Schaust du sonst Boxen, bzw. hast ein Interesse dafür?

(Soll nicht heissen, dass du den darum schlecht findest, weil du ggf. kein Interesse am Boxsport hat, interessiert mich nur mal)

Mugiwara

Mugiwara am Sonntag, 21 Juli, 23:16 Uhr 6.0/10

Ja aber ich denke dass da schon so viel verändert wurde, dass man ein interessantes Drama hat (wie in fast jeder Filmbiographie). Ich muss dem Film allerdings zu gute halten, dass er die Kämpfe interessant gestaltet hat. Durch diesen TV-Charakter wurden die Kämpfe nicht wirklich dramatisch dargestellt (wie in anderen Boxfilmen), sondern lebten von der dramatik die einem vorher zugetragen wurde. Das war wirklich interessant und das hab ich so noch nicht gesehen.

Ich bin kein wirklicher Boxfan, schaue aber große Kämpfe schon mal im Fernsehen. Andere Boxfilme gefallen mir aber auch oft, z.B. Rocky oder Million Dollar Baby.

Mugiwara

Mugiwara am Sonntag, 21 Juli, 23:17 Uhr 6.0/10

Ich habs btw. auch nicht so verstanden als wäre das ein Grund dafür, dass ich den Film nicht mögen könnte. Der Film ist ja nicht für Boxfans ausgelegt, dafür liegt ein zu großer Fokus auf dem Drama.

duffman

duffman am Sonntag, 21 Juli, 23:17 Uhr 8.0/10

Wollte nur auf Nummer sicher gehen, dass du das nicht falsch verstehst. ;)

Mugiwara

Mugiwara am Sonntag, 21 Juli, 23:18 Uhr 6.0/10

Keine Sorge. Wie stehts mit dir? Interesse an Boxen? Und wenn ja, hat das deine Meinung zum Film beeinflusst?

duffman

duffman am Sonntag, 21 Juli, 23:20 Uhr 8.0/10

Ja, ich finde Boxen sehr interessant.
Und glaube, wenn es nicht so wäre hätte ich den Film auch nicht geschaut, bzw. nicht so interessant gefunden.

Andererseits hast du auch recht, das Drama steht ja doch im Vordergrund.
Na ja, keine Ahnung. Geschmäcker sind verschieden, mir hat der Film sehr gut gefallen ;)

Mugiwara

Mugiwara am Sonntag, 21 Juli, 23:23 Uhr 6.0/10

Du sagst es! Freut mich für dich. Ich bereue es auch nicht ihn geguckt zu haben, aber er hat mich nicht so umgehauen wie ich es nach all den Oscar Nominierungen und dem gehype erwartet hätte.

duffman

duffman am Sonntag, 21 Juli, 23:24 Uhr 8.0/10

Ja ok, da sind wir uns einig: SO krass fand ich ihn dann auch nicht...

Berti

Berti am Montag, 22 Juli, 08:57 Uhr 6.0/10

Warrior ist der eindeutig bessere Film, der bei den Oscars eigentlich die Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte. The Fighter kann lediglich mit einem grandiosen Christian Bale punkten (in der OV einfach der Hammer!). Aber in Sachen Dramatik, Emotionen, Musik usw. ist Warrior um einiges besser.

Thumb_guy
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