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Paul hat keine Lust auf das Dinner mit seinem Bruder Stan, einem bekannten Politiker, und seiner Schwägerin Barbara. Doch seine Frau Claire besteht darauf, dass er sie begleitet. In dem angesagten Restaurant kommen zwischen den exquisiten Speisen dunkle Familiengeheimnisse auf den Tisch. Die Söhne der beiden Paare sind, bislang unentdeckt, für ein schreckliches Verbrechen verantwortlich. Ihre Eltern müssen nun entscheiden, wie sie mit der Situation umgehen. Es kommt zum Streit, denn eine öffentliche Enthüllung würde das Leben für jeden Einzelnen von ihnen für immer verändern.

Kritik

Das Setting in einem exklusiven High-End-Restaurant von der Sorte, die eine Reservierung Monate im Voraus erfordert, zeigt exemplarisch die Diskrepanz zwischen Yasmina Rezas bissigem „Gott des Gemetzels“ und Oren Movermans zahnloser Adaption von Herman Kochs gleichnamigem Roman. Die dritte Verfilmung der Vorlage ergeht sich in pseudocooler Monologisieren, die als einzige Ursache gesellschaftlichen Übels die mentalen Leiden psychisch kranker Menschen herauspickt. Während die Theaterautorin die blasierte Elite raffiniert demaskierte, bemäntelt der Drehbuchautor und Regisseur sie beflissen. Die theatralischen Krisen und kleinlichen Kriege muss die immerhin fähige Starbesetzung ins Überdimensionale aufblasen. 

Die Problematik moralischer Aufrichtigkeit, professioneller Transparenz und das wahre Gesicht jener Menschen, die am vertrautesten scheinen, werden sauber ausgebreitet. Niemand soll die teure Abendgarderobe als Kostümierung elitaristischer Arroganz sehen. Das unbarmherzig ausgepatschte Familiendramolette ist entpuppt sich auf der Berlinale-Agenda als ähnlich quälende Pflichtübung wie das Luxusmenü. Dessen erster und letzter Gang sind als Zwischentitel eingebettet – eine der stilistischen Spielereien, die der Regisseur wahllos aufgreift und wieder fallenlässt. So wie es zu jedem Gang den passenden Wein, kommt jede großtuerische Moralfrage mit einer bequemen Antwort. Keine Angst, keiner ist ein wirklich schlechter Mensch. 

Das garantiert der sorgenvolle Blick Richard Geres, dessen Stan Lohman händeringend, politische Integrität und Familie zusammenzuhalten versucht. Wie heuchlerisch ist demgegenüber Gattin Katelyn (Rebecca Hall), die das Verbrechen ihres Söhnchens und des Sohnes ihres selbstgerechten Schwagers Paul (Steve Coogan) und seiner Frau Claire (Laura Linney) lieber unter den Tisch fallen lassen würde. Doch selbst solche Skrupellosigkeit entspringt reiner Elternliebe, denn die Zweifel und Gewissensbisse der Hautevolee wiegen jede Qual der Unterschicht um ein Vielfaches auf. Hey, manchmal muss man Prioritäten setzen. Mit eisigem Egoismus erklärt die snobistische Mär das private und karrieristische Wohl der herrschenden Klasse zu einer solchen.

Fazit

Während bei Moverman getafelt wird, wurde bei Reza gekotzt. Genau danach ist einem nach dem prätentiösen Seelenschmeichler für die weiße Elite zumute. Welche Ironie – wenn auch nicht die des Regisseurs – dass sein salbungsvolles Drama tatsächlich Scheinheiligkeit enthüllt: nämlich die eigene.

Autor: Lida Bach

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