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Ein sonniger Nachmittag im Süden Italiens. Ein erster unschuldiger Kuss, der selbst die kühnsten Träume der 13-jährigen Luna tausendfach übertrifft. Aber dann ist ihr Klassenkamerad Giuseppe plötzlich verschwunden und statt eine großangelegte Suchaktion zu starten, herrscht in der ganzen Stadt betretenes Schweigen. In der Schule heißt es lediglich, Giuseppe sei eben etwas länger krank, aber Luna weiß es besser. Sie und Giuseppe verbindet nämlich ein unsichtbares Band, das Luna immer stärker zu ihrem Freund hinzieht.

Kritik

Sicilian Ghost Story mag den Zuschauer zunächst mit seinem Titel in die Irre führen. Hier geht es nämlich nicht um eine schauderhafte Geistergeschichte in den dunklen Wäldern Siziliens. Vielmehr handelt es sich bei diesem Film um eine eigenwillige Genre-Mixtur, ein romantisches Entführungsdrama mit Mafia- und Märchenelementen, das zudem noch auf wahren Ereignissen beruht. Denn im Jahr 1993 gab es tatsächlich den Fall eines Teenagers, der von der Mafia auf der Insel Sizilien entführt wurde. Sicilian Ghost Story dichtet nun die Hauptfigur der Luna hinzu, die aufgrund eines einzigartigen Seelenbandes zum entführten Guiseppe  als einzige die Suche nach ihm nicht aufgeben kann und dabei tiefer und tiefer in Depressionen verfällt.

Sicilian Ghost Story verlangt dem Zuschauer somit über seine 2 Stunden Laufzeit einiges ab, entschädigt ihn aber auch mit einer wundervollen Cinematographie, die gerade die Natur Siziliens einnehmend und beeindruckend einfängt. Das Verlangen der jungen Luna nach ihrem Geliebten wird visuell stets melancholisch wirksam übertragen, während die verträumte Musik dazu ihr Übriges tut und somit ein äußerst immersives Erlebnis  auf der Leinwand entfaltet.

Auch darstellerisch gibt es hier wenig zu meckern. Gerade die junge Hauptdarstellerin Julia Jedlikowska spielt hier mit einer robusten Hingabe, das man ihre Figur der Luna schon nach kurzer Zeit respektiert und schätzt. Die Szenen des Films, die sich um ihr schweres Familienleben, die Beziehung zu ihrer besten Freundin und ihre jugendliche Rebellion gegen die Oberschaft drehen, gehören auch aufgrund des Spiels der Schauspielerin zu den stärksten Momenten von Sicilian Ghost Story. Dies führt zu ein paar wunderschönen Augenblicken, in denen Sicilian Ghost Story starkes Schauspiel mit einnehmender Kamera und immersiver Musik erfolgreich verbindet.

Letztlich geht der Genremix in Sicilian Ghost Story aber nicht gänzlich auf. Gerade die brutalen Mafia- und Entführungsmomente verschieben den Fokus von Luna immer wieder auf Guiseppe, der in diesen Momenten allerdings kaum Charaktertiefe spendiert bekommt. Vielleicht hätte man sich im Narrativ komplett auf Luna konzentrieren sollen, bremsen die Perspektivwechel den Film leider immer wieder unangenehm aus. Auch vergreift sich der Film ab und zu in seinem Kitschfaktor. Hier sind vor allem ein paar ausschweifende Traumsequenzen gemeint, die zwar im Kontext der Filmstimmung auf dem Papier passend erscheinen, allerdings in ihrer leicht repetitiven und sehr kitschigen Natur die Länge des Films merklich ziehen.   

Fazit

"Sicilian Ghost Story" ist ein verträumtes, immersives Drama voller wunderschöner Kamerafahrten und einer dichten, melancholischen Atmosphäre. Ab und zu übernimmt der Film sich jedoch bei seinem eigenartigen Genre-Mix aus bitterem Entführungsdrama und romantischen Märchenfilm und verlangt dem Zuschauer durch multiple Perspektivwechsel und ein etwas zu lasches Erzähltempo einiges an Sitzfleisch ab.

Autor: Thomas Söcker

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