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Frank Serpico (Al Pacino), ein junger Polizist, wird in den 70ern verstärkt als Undercovercop in der Drogenszene eingesetzt, wo er sich bewährt. Als ehrlicher Mann verweigert er sich jedoch jeglichen Bestechungsversuchen, denen die meisten seiner Kollegen jedoch nicht widerstehen können. Als er die Korruption meldet, versuchen seine Vorgesetzten, den Fall zu verschweigen. Doch Serpico arbeitet weiter und veranlaßt eine Untersuchungskommission, die Vorgänge bei der Polizei zu untersuchen. Jetzt schlägt ihm offene Feindschaft seiner ehemaligen Freunde entgegen...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Engagiert, mehrsprachig, renitent und ehrenhaft. Eigentlich sind das die besten Voraussetzungen, um bei der Polizei Karriere zu machen. Es gibt nur ein Problemfeld in dieser Auflistung von Adjektiven: Denn wer ehrbar ist; wer nach lauteren Prinzipien arbeitet, der wird im innerpolizeilichen Zirkel postwendend (und bestenfalls nur) zum Außenseiter erklärt. Basierend auf der von Peter Maas verfassten Biographie, die sich dem Leben des Frank Serpico, einem ehemaligen Beatmen des New York Police Department, angenommen hat, formt Sidney Lumet (Die zwölf Geschworenen) eine durch und durch bittere Abrechnung mit dem sich auf Abwegen befindenden Polizeiapparat. Bitter, weil der darin verwurzelte Realismus auch im tagesaktuellen Geschehen nicht von der Hand zu weisen ist. Bitter, weil Lösungsansätze kaum in den Bereich des Umsetzbaren vorzudringen scheinen. Und gerade deshalb scheint der Klassiker-Status von Serpico mehr als gerechtfertigt – weil seine inhaltliche Offenlegung von systematischer Korruption zeitlose Relevanz genießt.

Natürlich war Frank Serpico nicht einfach nur ein handelsüblicher Polizist. Frank Serpico hingegen war der erste Polizist, der den Mut aufgebracht hat, im Zuge der Ermittlungen eines Sonderausschusses gegen seine Kollegen auszusagen – um sich damit noch weitergehend in Lebensgefahr zu bringen. Frank, hier von Al Pacino (Der Duft der Frauen) verkörpert, erscheint vom ersten Tag an wie ein Fremdkörper im Revier. Sein Vorgesetzter macht ihm schnell klar, dass er fressen soll, was ihm gegeben wird, ansonsten suchen ihn Komplikationen heim, aus denen er sich nicht mehr herauswinden kann. Frank allerdings ist ein Idealist; einer, der Aufrichtigkeit und Lehrbuchtreue als Tugend versteht und den Groll seiner dadurch Kollegen zusehends auf sich zieht. Wieder und wieder wird er versetzt, bedroht und erpresst. Weil er kein Schmiergeld annimmt, wird er misstrauisch beäugt. Weil er unbestechlich ist, erscheint sein Verhalten – und da wird es absurd - gar systemwidrig. Und Lumet entlarvt sie, diese himmelschreiende Absurdität.

Selbstverständlich gilt Serpico heutzutage vollkommen zu Recht als Referenzwerk des Polizeifilms. Sidney Lumet hat sich in seiner Inszenierung zu keiner Zeit darauf eingelassen, die Person des Frank Serpico in irgendeiner Weise zu glorifizieren. Stattdessen bleibt sie zweifelhaft und hat mit Al Pacino einen Darsteller gefunden, der die Ambiguität dieses Charakters bestechend an die Oberfläche fördert. Es geht vielmehr um Serpicos Taten, seinen unbändigen Gerechtigkeitssinn, an dem er (und Lumet) festhält, selbst mit einer Kugel im Kopf – die Polizeibehörden müssen wieder „rein wie Quellwasser“ werden, so wie es sich Frank als Kind immer gewünscht hat, wenn er mit leuchtenden Augen den Herrschaften in gestriegelter Uniform hinterhergeschaut hat. Durch die enge Bildfolge, mit der Lumet seine Ägide akzentuiert, wird das berufliche wie private Martyrium deutlich, in dem Frank sich über eine Zeitspanne von Jahren hinweg wiederfindet: Mit Rauschebart, Zottelhaaren und auffälliger Garderobe, grenzt er sich äußerlich immer mehr von dem ab, was ihm eigentlich so am Herzen liegt.

Und da wird Serpico ein tieftrauriger Film, weil er einen (keinesfalls fehlerfreien) Menschen zeigt, der eigentlich die Chance hat, seinen Kindheitstraum verwirklichen zu dürfen, in Wahrheit aber tagtäglich die Ränke seiner Kollegen fürchten muss, verängstigt, frustriert und desillusioniert durch das Dezernat schlurft, um in den eigenen vier Wänden keinen Schlaf mehr zu finden – längst ist er zum beziehungsunfähigen, cholerischen Wrack geworden, welches permanent gegen Gummiwände boxen muss und die Theorie der Akademie im Angesicht der verzogenen Wirklichkeit als Utopie verdammt. Serpico schreit mehr, anstatt zu kommunizieren. Er präferiert die Gegenwart seiner Tiere, weil er hier genau weiß, woran er ist; weil es in ihrer Welt keine Verleugnung und Verlogenheit gibt. Kein Abkassieren, nur leben und leben lassen. Das in beeindruckenden urbanen Stimmungsbildern konservierte Lokalkolorit tut sein übriges, um das bedrängende Klima nachhaltig zu intensivieren: New York, genauer gesagt, Brooklyn und Manhattan, gleichen einem höllischen Schandfleck auf der Landkarte. So sieht New-Hollywood-Authentizität aus.

Fazit

Serpico gilt zu Recht als einer der großen Klassiker des Polizeifilms sowie Meilenstein des sich ohne verklärende Zugeständnisse artikulierenden New-Hollywood-Kinos. Während Sidney Lumet voller Inbrunst an die Zivilcourage appelliert und die vermoderten Eingeweide des Polizeiapparats an die Oberfläche trägt, liefert Al Pacino in der titelgebende Hauptrolle eine der prägnantesten Darstellungen seiner Karriere ab. Pflichtprogramm für jeden Cineasten.

Autor: Pascal Reis

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