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Kiras Haut altert immer mehr, trocknet aus und bröckelt ab. Doch sie entdeckt eine Methode, wie sie ihre Haut ersetzen kann, mit der anderer Menschen...

Kritik

Nicolas Winding Refn inspiriert mit seinem neon-kühlen Stil und der poplastigen Audiovisualität seiner Filme mit Sicherheit eine Reihe von Regisseuren. So auch den Deutschen Kurzfilmregisseur Norbert Keil (Viergeteilt im Morgengrauen), der sich bei seinem Bodyhorror Replace offenkundig von Refns letztem Werk The Neon Demon inspirieren ließ und sich vor allem in puncto Cinematograhpie, Look und gar Atmosphäre beim Dänen bedient. Und zunächst mag das bei Replace sogar noch funktionieren: Keil fügt dem Stil sogar einen leicht eigenen Touch hinzu, indem er das Bild immer wieder per Schlieren in Unschärfe taucht und so die Verwirrung der Protagonistin verdeutlicht. Hinzu kommen teils überraschend abrupte Cuts, schiefe Kamerawinkel und unangenehme Close-Ups. Keil tobt sich in inszenatorischer Hinsicht also realtiv viel aus, was zwar nicht immer funktioniert, aber durchaus die Lust des Regisseurs beweist, mit dem Medium etwas Besonderes anuzufangen.

Doch Replace ist dennoch keinn guter oder gar mittelmäßiger Streifen. Und das liegt vor allem an dem unheimlich peinlichen Drehbuch und den miesen Darstellerleistungen. Spielt der Film in Hälfte Eins noch ganz nett mit seinen (zugegeben arg offensichtlichten) Mysterien und der nebelusösen Atmosphäre, kippt Replace spätestens in seiner zweiten Hälfte in puren Bodyhorror-Trash der Marke "schlecht, aber nicht spaßig schlecht." Die Dialoge sind ein Graus, die offenen Charakterkonfilkte- und Handlungen kaum nachvollziehbar, die Welt macht innerhalb ihres eigenen Kontextes plötzlich keinen Sinn mehr. Das Schlimmste daran ist aber, wie unheimlich ernst sich Replace auch in diesen Momenten noch nimmt. Prätentiös ist da gar kein Ausdruck mehr, gerade zum Ende hin wollen Regisseur Keil und seine Crew den Zuschauer ernsthaft emotional bewegen und scheinbar sogar schockieren. Vor dem Hintergrund der albernen Storyentwicklungen, den fadenscheinien, mies gespielten Figuren und den furchbaren Dialogen kann dies aber selbstverständlich nicht mehr funktionieren und kippt in den gegenteiligen Effekt.

Replace geht dem Zuschauer mit seiner unangebracht selbstverliebten Art nach einiger Zeit also gehörig auf die Nerven. Schlimm daran ist auch, dass sich der Film irgendwann tonal völlig verrennt und viel Set-Up aus der ersten Hälfte kompett links liegen lässt. Hier scheinen die vier Drehbuchautoren (kein Wunder, der Film wirkt aus mehreren Ideen schlecht zusammengestückelt) irgendwann keine Lust mehr gehabt zu haben, anders lässt sich die müde und tonal unentschiedene Stimmung des Films kaum erklären. Immerhin sind die Effekte des Films nicht schlecht, der Bodyhorror-Part, so nebensächlich er letztlich auch ist, macht optisch Einiges her und sorgt durchaus für ein paar gelungene Ekelmomente. Das reicht aber nicht, um diesen Film über seine 100  Minuten Laufzeit zu retten.

Fazit

Dass "Replace" in audiovisueller Hinsicht hochgradig von Nicolas Winding Refn's "The Neon Demon" inspiriert wurde, wird in jedem Moment des Films absolut offenbar. Das macht aber nichts, erreich Regisseur Norbert Keil zwar nie die Klasse eines Refn, liefert visuell in "Replace" aber dennoch einen sauberen Job ab. Leider sind gerade Drehbuch und Darsteller des Films aber so flach, überraschungsarm, inkonsequent, tonal unentschieden und letztlich einfach mies, dass die audiovisuellen Stärken des Films vor der Wand an cineastischem Blödsinn, der hier fabriziert wurde, einfach untergehen und "Replace", gerade im letzten Akt, zur nervigen, selbstverliebten Geduldsprobe degradieren.  

Autor: Thomas Söcker

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