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Der junge J. D. Salinger träumt von einem Leben als erfolgreicher Schriftsteller. An der Columbia University schafft er es in den Kurs von Whit Burnett, einem Professor, der mit "Story" ein eigenes Kurzgeschichten-Magazin publiziert. Nach etlichen Kurzgeschichten setzt sich Salinger an die Schreibmaschine und fängt unter dem Titel "Der Fänger im Roggen" die Arbeit an seinem ersten und einzigen Buch an. Dies ist die Entstehungsgeschichte hinter einem der bedeutsamsten Romane des 20. Jahrhunderts. 

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Kritik

Den Menschen dürstet es nach Geschichten. Egal ob in der Literatur, der Musik, einem Videospiel oder dem Medium Film. Das Erzählen einer Geschichte ist eine Kunst, bei der das notwendige Talent zur erfolgreichen Realisierung nur wenigen kreativen Köpfen vorbehalten ist. Eines dieser Ausnahmetalente ist der Schriftsteller Jerome David Salinger. Nach etlichen erfolgreichen Kurzgeschichten, brachte der US-Amerikaner eine Geschichte zu Papier, die bis heute weltweite Bekanntheit genießt und als einer der bedeutsamsten Romane des 20. Jahrhunderts gilt. Doch die Entstehung des Romans „Der Fänger im Roggen“ (Originaltitel: „The Catcher in the Rye“) bietet genügend spannende Fragmente, um daraus eine weitere Geschichte zu stricken. Dies dachte sich zumindest Schauspieler und Drehbuchautor Danny Strong (Der Butler), der im vergangenen Jahr mit dem Biopic Rebel in the Rye sein Regie-Debüt für die große Leinwand lieferte, für das er ebenfalls das Drehbuch geschrieben hat.

Rebel in the Rye setzt dabei in den frühen Jahren des J. D. Salinger ein, der aufgrund seiner vorlauten, frevelhaften Art von einer Hochschule nach der nächsten geschmissen wird. Doch besitzt der Knabe neben seiner Spitzzüngigkeit auch eine Wortgewandtheit, die er für seine große Leidenschaft nutzt: das Schreiben. Salinger fasst den Entschluss professioneller Schriftsteller zu werden und schafft es an der Columbia University in den Kurs von Whit Burnett aufgenommen zu werden. Mit diesem recht raschen Einstieg arbeitet Strong bereits in den ersten Minuten eine breite Palette an Facetten des jungen Autors und der damaligen Zeit inklusive der herrschenden Gesellschaftsordnungen ab und schafft es gerade noch so den gesetzten Fokus nicht zu verlieren. Besonders positiv in Erinnerung bleiben die Lehrstunden Burnetts, die die Faszination für das Schreiben und das Erzählen von Geschichten wecken und den erwartungsfrohen Zuschauer zum wissensdurstigen Schüler werden lassen. Auch wenn die Message des Films vom Glauben an den eigenen Traum, die fett auf der Stirn des Protagonisten steht, in anderen Werken bereits wesentlich subtiler und eleganter aufgegriffen wurde.

Doch leider entwickelt sich der Film nach diesem vielversprechenden Auftakt in eine ungünstige Richtung, wenn Strong versucht das ereignisreiche Leben des Schriftstellers in einem 106-minütigem Spielfilm abzuarbeiten. Die Probleme die an Salingers Psyche nagten, werden sehr plakativ dargestellt und die gesamte Handlung wirkt stark komprimiert. Viele Kapitel aus dem Leben Salingers werden entweder nur extrem oberflächlich angekratzt oder gar komplett übergangen. Und wenn dann mal ein dramaturgischer Höhepunkt auftaucht, so wird diesem die zustehende Bedeutung durch eine läppische Inszenierung untergraben. Oder auch die Tatsache, dass Nicolas Hoult (Collide) als Salinger im hohen Alter genauso aussieht, wie als Minderjähriger, reist das Publikum aus der Diegese des Films. 20 Jahre vergehen und bis auf eine weite Hose hat sich nichts verändert. Als wäre der Produktion plötzlich das Geld für die Kostüme ausgegangen. Eine bruchstückhafte Erzählung, der der nötige Feinschliff fehlt und bei der man sich etwas mehr Hingabe bei der Ausarbeitung gewünscht hätte.

Im Hinblick auf die Entstehungsgeschichte des Romans stehen dabei Hoult als Salinger und Kevin Spacey (Die üblichen Verdächtigen) als Burnett im Mittelpunkt und das ist auch gut so. Denn die Beziehung zwischen Salinger und seinem Mentor ist eine durchaus interessante, die genug Potential bietet, um zum eigentlichen Kern des Films hätte gemacht werden können. Und auch wenn Hoults schauspielerische Leistung nicht die oscarwürdigste ist, so kauft man ihm den verzweifelten Schriftsteller ab und kann die Probleme, die den jungen Mann plagen, zumindest in den meisten Fällen nachempfinden. Spacey hingegen läuft wie für ihn so oft üblich wieder auf Hochtouren. Zwar schimmert manchmal die etwas überzeichnete Körpersprache des Frank Underwood durch, doch liefert der von der Industrie verstoßene Darsteller nochmal eine seiner letzten sehenswerten Leistungen. Neben den beiden schafft es leider keine weitere Figur einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Einerseits, weil dafür in der vollgestopften Handlung kaum Platz bleibt und andererseits, weil jegliche anderen Akteure wie wandelnde Klischees wirken, die hier und da eine plumpe Bemerkung einwerfen, um dann als bloßer Stereotyp wieder aus dem Bild zu verschwinden. 

Fazit

Nach einem vielversprechenden Startschuss verliert sich  "Rebel in the Rye" leider in einer Themenvielfalt, die das 106-minütige Biopic zu einem grobschlächtigen Abriss des Lebens von J. D. Salinger werden lassen. Etliche nette Ansätze, die von einer zu schnellen Abarbeitung und eben jenem bereits erwähnten Überschuss an Themen dahingerafft werden. Danny Strong konzentriert sich auf viel zu viele Aspekte und verliert damit bedauernswerter Weise das Wesentliche aus dem Auge. "Rebel in the Rye" ist die Verfilmung der Entstehungsgeschichte eines literarischen Meisterwerkes, die sich in diesem Falle einfach als nicht gut erzählte Geschichte herausstellt. Da hat Herr Strong in dem Kurs Burnetts wohl die eine oder andere Lehrstunde verpasst. 

Autor: Oliver Koch

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