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Der Teenager Mike lebt, nachdem seine Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen, bei seinem älteren Bruder. Mike beobachtet zufällig die seltsamen Aktivitäten des Tall Man auf dem Friedhof. Niemand glaubt ihm seine Beobachtungen, so dass er heimlich weiter nachforscht, und herausfindet, dass der Tall Man, bewacht von seinen fliegenden Kugeln, in der Leichenhalle menschliche Körper schrumpft und für den Transport in eine andere Dimension vorbereitet. Bevor er seinen Bruder informieren kann, wird Mike von dem Tall Man entdeckt und verfolgt.
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Kritik

Lange war es still um die Phantasm-Reihe. Der immer wieder verschobene Release-Termin für den seit Ewigkeiten angekündigten fünften Teil wirkte schon wie ein leeres Versprechen, Tall Man-Darsteller Angus Scrimm erlebte dessen Premiere gar nicht mehr. Er verstarb bereits im Januar 2016 mit (hoffentlich) erfüllten 89 Jahren, erst kürzlich wurde sein letztes Werk Phantasm: Ravager dann doch noch auf die Menschheit losgelassen. Mit – wie zu befürchten – extrem bescheidenen Feedback. Erstmals ohne den geistigen Vater des Ganzen Unheils auf dem Regiestuhl: Don Coscarelli (John Dies at the End) verfilmte sein Skript nicht selbst. Vielleicht war ihm jetzt endgültig klar, dass es nicht mehr bergauf gehen würde. Was nach dem bereits desaströsen Phantasm IV: Oblivion (1998) eigentlich unmöglich schien. Eine gute Nachricht erreicht uns dann aber doch noch kürzlich: Das Original von 1979 ist in Deutschland nicht mehr länger indiziert, darf nun wieder ungeschnitten frei vertrieben werden, was natürlich eine vernünftige Neuauflage und gesteigerte Publicity für einen Film mit sich bringt, der trotz eines 38jährigen Franchise-Daseins und seiner Popularität in Genre-Kreisen immer noch viel zu wenig gewürdigt wird. Wohlgemerkt, die Rede ist nur von diesem Auftakt. Phantasm oder wie er in Deutschland so unkreativ und dennoch nicht unpassend genannt wurde: Das Böse.

Selbst heute noch ist Phantasm ein ungewöhnlicher Sonderling, besonders in der Landschaft des US-Horrorfilms. Nachdem Großstudioproduktionen wie Der Exorzist, Der weiße Hai oder Das Omen das Genre auch abseits der B-Movie-Nische kommerziell rentabel gemacht hatten und von der Kritik allgemein lobend aufgenommen wurden, ging der Trend zwar wieder zurück zu den Low-Budget-Wurzeln, dennoch in eine publikumsorientierte Richtung. Die späten 70er und praktisch gesamten 80er riefen neben allerhand Endlosreihen wie Halloween, Freitag der 13. oder A Nightmare on Elm Street (um nur die wichtigsten zu nennen) unzählige Horrorstreifen ins Leben, die VHS sei Dank von Eintagsfliegen zu wahren Goldgruben werden konnten. In Details sicherlich voneinander hier und da abweichend, grundsätzlich aber in vielerlei Hinsicht ähnliche Serientäter, die erprobten Mustern folgten und von den Zuschauern wenig Anpassungsfähigkeit abverlangten. Phantasm war da damals schon anders. Vielleicht liegen auch deshalb zwischen den einzelnen Teilen so große Abstände, zwischen mindestens 4 Jahren (Teil 3 zu 4) von bis zu 16 (Teil 4 zu 5). Wirkten eventuell aus diesem Grund jedesmal wieder wie hart vom Munde abgesparte, mehr oder weniger komplett selbstrealisierte Hobby-Keller-Arbeiten, was nie ein Vorteil war…speziell hinten raus vorsichtig formuliert. Aber auch in dem Punkt ist dieser Phantasm (noch) ganz anders.

Ein Friedhof als Zentrum, Protagonisten fast wie gefangen in dessen unsichtbarer Umlaufbahn. Kreisen und drehen sich um ihn herum, ohne ihm und dem Bösen was dort vor sich geht entkommen zu können. Coscarelli’s Film ist unübersehbar mit ganz bescheidenen Mitteln ausgestattet und er selbst sicher nicht der begnadetste Feinmotoriker vor dem Herrn, doch all das spielt schnell nur noch eine untergeordnete Rolle. Befreit von den Fesseln narrativer, empirischer und konservativer Kompromisse entsteht ein schräg ins Dunkel entrückter, immer weiter absackender und in (un)angenehm-unerklärliche Schieflage geratener Albtraum, wie man ihn dieser Tage hauptsächlich im europäischen (italienischen) Horrorfilm vorfand. Zwei Jahre zuvor bei Dario Argento’s Masterpiece Suspiria, noch viel deutlicher erinnert Phantasm jedoch an die Arbeiten von Lucio Fulci (Über dem Jenseits) zu diesem Zeitpunkt. Der Film folgt keinen Regeln, unterliegt keinen Zwängen. Wirkt fast anarchisch, manchmal improvisiert, dominant und bärenstark in seiner kompakten, lückenlosen Atmosphäre, die sich wie ein Schleier, ein Trauerflor über das Geschehen legt und keinen Ausweg duldet. Nebenfiguren- und Schauplätze existieren zwar rudimentär, werden aber nahezu verschluckt von der gierigen Finsternis, verschwinden wie ein verirrtes Echo, eine verblasste Erinnerung. Als wären der 13jährige Mike (A. Michael Baldwin), sein großer Bruder Jody (Bill Thornbury) und dessen Kumpel Reggie (Reggie Bannister) die einzigen Menschen auf diesem gottlosen, aus der realen Welt entrissenen Vorhof…ja, zu was eigentlich?

Genau dieser Punkt hebt Phantasm ganz deutlich von den späteren Sequels und grundsätzlich von vielen anderen Genrefilmen ab. Er kann als surrealer, oberflächlich auch strukturloser Low-Budget-Grusel-Film betrachtet werden, besitzt darüber hinaus allerdings eine hochinteressante und alles andere als dumme Meta-Ebene. Im Mittelpunkt steht nicht unbedingt Mr. Ultra-Creepy (!), der Leichen-versklavende Tall Man; seine Armee der untoten Gnome; fliegende, mit scharfen Klingen und Bohrern versehene Stahlkugeln (das sieht für dieses Budget übrigens unverschämt gut aus); nicht der Morningside-Friedhof als dunkle Sonne im Universum des Bösen: Es ist ein vom Tod der Eltern schwer traumatisierter, kleiner Junge, der sich jetzt an der Schwelle zu Adoleszenz erneut akuten, unkontrollierten Verlustängsten stellen muss. Den Kampf aufnimmt, um das letzte Bisschen Familie und Geborgenheit krampfhaft zu bewahren. Wenn man Phantasm so auslegen will (und nicht zufällig auch mühelos kann), dann gehen da noch ganz andere Pforten auf. Nicht nur in fremde Dimensionen im Hinterzimmer eines Krematoriums.

Fazit

Ein beängstigend guter Film, der seine handwerklichen Defizite (mal budgetbedingt, wie ein sehr lächerliches „Insekt“, mal rein vom Geschick nicht wirklich optimal umgesetzt) beachtlich zur Seite schiebt und seine Qualitäten mit breiter Brust präsentiert. Egal wie viel Angriffsfläche „Phantasm“ unter „normalen“ Umständen bieten mag, er kann jeden Vorstoß problemlos auskontern, wenn man sich auf sein Spiel einlassen möchte. Faszinierend, verstörend, trotz seines Kultstatus oftmals sehr unterschätzt. Und eines hat er auch noch: Das simple, immer wieder variierte Maintheme ist großartig, bald schon auf Carpenter-Niveau.

Autor: Jacko Kunze

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