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"Ich bin 34 Jahre alt. Ich habe nichts." Das ist die Selbsteinschätzung von Anders (Anders Danielsen Lie), der in zwei Wochen eine Entziehungskur in einer Drogenklinik abschließen wird. Er gilt als clean und darf für einen Tag die Klinik auf dem Land verlassen, um für ein Vorstellungsgespräch in die Stadt zu fahren. Kurz zuvor hat er versucht, sich mit Steinen in der Tasche in einem See zu ertränken. Dieses Mal ist er wieder aufgetaucht. Aber alles deutet darauf hin, dass der Tag in Oslo für ihn zu einem Abschied wird.

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Kritik

Man möchte es zwar niemandem wünschen, aber vielleicht gibt es ja doch noch die ein oder andere Person, die sich an Pascal Chaumeils Romanverfilmung A Long Way Down erinnert. Eine, in der Theorie, gruppentherapeutische Versuchsanordnung, die eine Handvoll Suizidgefährdete (u.a. gespielt von Pierce Brosnan und Aaron Paul) miteinander interagieren und durch die gemeinsamen Stunden einen neuen Lebenssinn erkennen lässt. Prinzipiell ein netter Gedanke, denn geteiltes Leid ist, vielleicht auch in diesem Fall, halbes Leid. Die Umsetzung der Nick-Hornby-Vorlage allerdings ist eine untragbare, weltfremde Katastrophe, definiert sie Suizidgedanken doch als temporäre Verstimmung und nähert sich dem diffizilen Komplex grundsätzlich harmonisierend und damit eben auch bagatellisierend – Niemand soll das Kino nachdenklich verlassen müssen. Oslo, 31. August von Joachim Trier (Louder Than Bombs) steht dem wie eine Antithese gegenüber.

Basierend auf Pierre Drieu la Rochelles Jahrhundertwerk Das Irrlicht, dem sich in den 1960er Jahren bereits Louis Malle (Auf Wiedersehen, Kinder), eine viel zu oft übergangene Koryphäe des französischen Kinos, angenommen hat, verfolgt Joachim Trier die letzten 24 Stunden im Leben des Mittdreißigers Anders (Anders Danielsen Lie, Auf Anfang), der kurz davor ist, nach langjährigem Aufenthalt in einer Erziehungskur, wieder in die Freiheit entlassen zu werden – nur gibt es diese Freiheit für Anders nicht mehr. Auch wenn man sich im Vorfeld nicht darüber erkundigt hat, welche Inspirationsquelle Oslo, 31. August zugrunde liegt, steht es dem Film von Beginn an ins Gesicht geschrieben: Wir begleiten Anders in den Tod. Sein Lebenswille ist verblichen und erschöpft, stattdessen wird seine Realität von einer Todessehnsucht angetrieben, die seinem Blick auf die Wirklichkeit jedwede Bedeutung entzogen hat.

Was sich als imponierend gestaltet, ist der Umstand, mit welcher Sensibilität Joachim Trier in Oslo, 31. August mit dem Freitod des Protagonisten umgeht: Er schildert nicht nur die innere Leere Anders' als lethargischen Marsch durch ein Treibsandgebiet, bei dem ihm letztlich die Kraft verlassen hat, sondern auch die Überforderung der außenstehenden Personen. Relativ zu Beginn des Films gibt es einen brillanten Dialog zwischen Anders und einem beständigen Gefährten seinerseits. Anders setzt ihn in Kenntnis von seinem Vorhaben und alles, was ihm entgegengebracht wird, sind mit gebrochener Stimme aus der Kehle heraufgewürgte Worthülsen, die eine bittere Mischung aus Phrasendrescherei und emotionaler Überlastung ergeben: Was soll man in einer solchen Situation schon sagen? Was ist angebracht? Was ist hilfreich? In Wahrheit aber bleibt nur die erdrückende Akzeptanz: Man kann nichts tun.

Oslo, 31. August veranschaulicht sehr adäquat, dass Anders Dasein von Leblosigkeit bestimmt scheint. Egal, wer den Kontakt zu ihm sucht, überall scheinen Verständigungsprobleme vorzuherrschen, nicht zuletzt, weil sein Wunsch zu sterben keine letzte Konsequenz, sondern ein frühzeitig abgesteckte Willenserklärung ist. Joachim Trier verweigert beim Abklopfen der Lebensmüdigkeit des ehemaligen Junkies jeden Anflug von Sentiment, vielmehr macht sich der Film zuvorderst als intime, introversive Charakter-Studie verdient, um darüber hinaus auch als gesellschaftlicher Querschnitt zu fungieren, der durch eine Generation fährt, die sich in universellen Existenzängsten windet: Was erwartet mich in der Zukunft? Was, wenn ich Vorsätze forciere und genau an diesen offenkundig scheitere, weil sie mich letzten Endes doch nicht überzeugen? Was, wenn ich mich dadurch noch mehr entfremde, als ohnehin schon?

Fazit

Auch wenn man sich im Vorfeld nicht erkundigt hat, worauf "Oslo, 31. August" eigentlich basiert, ist von Beginn an klar: Wir werden Hauptdarsteller Anders in den Tod begleiten. Joachim Trier beweist über die gut 90-minütige Laufzeit eindrucksvoll, warum er zu den eindrucksvollsten Künstler des skandinavischen (und inzwischen auch darüber hinaus) Kinos zählt. Seine Sensibilität im Umgang mit diffizilen Stoffen, in diesem Fall Suizid, ist imponieren. Ein intensiver, kluger Film.

Autor: Pascal Reis

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