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Die Dokumentation des Schweizer Regisseurs Jean-Stéphane Bron taucht ein in das pulsierende Leben der Pariser Oper, einer der weltweit faszinierendsten Stätten der lyrischen Kreativität. Er zeigt auf Augenhöhe das Zusammenspiel der Akteure auf und hinter der Bühne und die Entstehung grandioser Inszenierungen an diesem weltweit renommierten Opernhaus. Ein subtiles und sehr humorvolles Portrait von diesem Schmelztiegel der Kreativität, in dem es nicht nur um künstlerische Aspekte, sondern auch um die gesellschaftspolitische Relevanz dieser jahrhundertealten Institution geht.
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Kritik

Die Pariser Oper gehört zu den bedeutsamsten Institutionen der Ausdruckskunst. Regelmäßige Ballet- und Opernaufführungen sorgen für ca. 70 Millionen verkaufte Tickets pro Jahr und ziehen nicht nur etliche Besucher an, sondern auch ehrgeizige Künstler aus aller Welt. Für den schweizer Regisseur Jean-Stéphane Bron Grund genug, um einen Dokumentarfilm zu drehen, der das Publikum nicht nur hinter die Kulisse der Bühne mitnimmt, sondern auch Einblicke in die organisatorischen Prozesse der Leitung gewährt.  Bron und seine Filmcrew begleiten dabei die Arbeiten der Herbstsaison 2015, bei der ganze neun neue Aufführungen angesetzt wurden. 

Vorweg: Einen klarer roter Faden existiert hier nicht. Stattdessen fühlt sich Oper. L'opéra de Paris wie ein dokumentarischer Zusammenschnitt von einzelnen Geschichten an, dessen Handlungsstränge sich teils kreuzen und teils unabhängig voneinander erzählt werden. Nur der Ort ist und bleibt der gemeinsame Nenner. Das Publikum folgt unter anderem der obersten Instanz des Theaters,  dem Direktor Stéphane Lissner, der sich mit Herausforderungen von Seiten der Regierung und den Gewerkschaften rumschlagen muss, andererseits bekommt es durch das Geleit des russischen Sängers Mischa eine Sichtweise präsentiert, die sich am anderen Ende der Hierarchie befindet. Im Laufe des Films treten immer wieder neue Personen mit neuen Handlungssträngen  auf und beleuchten die Arbeit im Theater von einer neuen Seite. Zwar ist diese facettenreiche Sammlung an Eindrücken interessant, doch manch ein Handlungsstrang hätte aufgrund von Wiederholungen gestrichen bzw. zumindest verkürzt werden können. Denn genau das ist auch das größte Problem von Oper. L'opéra de Paris. Der Film ist einfach zu lang. Vor allem gegen Ende, kurz vor dem großen Finale, werden die Szenen immer zäher und verlieren die Neugier der Zuschauer. 20 bis 30 Minuten weniger und man hätte eine durchweg unterhaltsame Doku, ohne repetitives Geplänkel dazwischen. 

Die Darstellung der aufreibenden Theaterarbeiten werden dabei sowohl heiter und mit ein wenig Witz von Bron dargestellt, aber auch Ernsthaftigkeit findet ihren Platz. Was geschieht zum Beispiel, wenn sich die Darsteller/Sänger  und die künstlerischen Leiter so gar nicht einer Meinung sind und die Premiere des Stücks quasi vor der Tür steht? Oder wie sieht es mit der Finanzierung solch gewaltiger Aufführungen aus? Wen Fragen dieser Art brennend interessieren, der wird hier die nötigen Antworten finden. Mittels durchdachten Montagen führt Oper. L'opéra de Paris den Zuschauer durch die Hallen und Flure des Theaters. Es fühlt sich an, als würde man an einer Führung durch das Ballett- und Operngebäude teilnehmen, bei der man die begnadeten Künstler und ihre Herangehensweise kennenlernen darf. Aber auch hier wäre weniger mehr gewesen, denn hätte man auf zwei oder drei Episoden verzichtet, so wäre mehr Platz für die Herkunft und Motivationen der jeweiligen Künstler oder Beschäftigten gewesen.  

Da es sich um eine Dokumentation über ein Theater handelt, in dem Ballet und Operngesang an der Tagesordnung steht, hat es sich Bron nicht nehmen lassen ausreichend von den Ausdruckskünsten zu filmen. Dass die Kunst manchmal Nerven aus Stahl und eine absolute Aufopferung fordert, wird hier sehr schön verdeutlicht. Und auch optisch bewegt sich die Fahrt durch das Tal der beherrschten Stimmen und grazilen Bewegungen auf einem soliden Niveau. Ein Leben für die Kunst: So sieht es aus! Das kann als allumfassende Message aus dem Film mitgenommen werden. Dabei muss man als Zuschauer nicht einmal zwingend ein großer Fan von Ballett oder Oper sein, um interessiert den Proben und Problemen folgen zu können. Ein  grundlegendes Interesse an darstellenden Künsten im Allgemeinen wäre jedoch nicht verkehrt.  

Fazit

"Oper. L'opéra de Paris" ist eine solide Dokumentation über den zermürbenden Alltag aller Beteiligten der Aufführungen der Pariser Oper.  Zwar werden hier keine Innovationen des Dokumentarfilms hervorgebracht und auch die Laufzeit übersteigt ein wenig den Horizont der Aufmerksamkeit, aber wenn man sich für kunstsinnige Ästhetik interessieren kann oder einfach das wirtschaftliche, politische und soziale Gefüge einer solchen Institution erfassen möchte, bringt Oper. "L'opéra de Paris" die entsprechende leichte Unterhaltung.  

Autor: Oliver Koch

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