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Milchmann Kosta ist vom Glück gesegnet: Er passiert nicht nur Tag für Tag auf seinem Esel unversehrt die Frontlinie, sondern wird auch noch von der Dorfschönheit Milena als Bräutigam auserwählt. Doch dann verliebt sich Kosta Hals über Kopf in eine geheimnisvolle Italienerin, die allerdings schon dem Kriegshelden Žaga versprochen ist und zudem von ihrem rachsüchtigen Ex-Mann gejagt wird. Ohne nachzudenken brennen die beiden Liebenden durch und geraten in einen Strudel fantastischer Abenteuer.

Kritik

Mit On The Milky Road serviert uns der serbische Regisseur Emir Kusturica eine Kriegsromanze, die in ihrer Surrealität und Durchgeknalltheit dem einen oder anderen Zuschauer zu viel werden könnte. Den Vergleich zu Giorgos LanthimosThe Lobster kann man sich hier kaum vergleichen, wobei On The Milky Road—obwohl anfangs ähnlich kreativ und originell—keine Methode hinter seinem Wahnsinn zu haben scheint. The Lobster präsentierte uns eine Welt, die real genug war, dass die skurrile Idiotie richtig zur Geltung kam. Kusturica jedoch taucht seinen Film jedoch so stark in die Tiefen der Absurdität, dass sie wahllos und random wirkt, nachdem die anfängliche Faszination nach einem Drittel des Films nachließ. Wir werden geschmissen in die Mitte des Balkankriegs, an die bosnisch-serbische Front um genau zu sein und der Häuserkampf, die Bomben und das MG-Feuer mischen sich mit dem unschuldigen Bauernleben, frischer Milch und Gänsen, die sich ein Bad in frischem Schweineblut gönnen.

Kosta (Emir Kusturica), der Milchmann, versucht in all dem Chaos seiner Arbeit nachzukommen und schleicht sich auf dem Weg zur Farm durch die Front während heftig geschossen und gebombt wird, um seine Milch abzuholen. Kosta soll die nicht mehr ganz helle Turnerin Milena (Sloboda Mićalović) heiraten, am gleichen Tag, an dem ihr Bruder Zaga (Predrag Manojlović) in einer Doppelhochzeit eine italienische Flüchtige (Monica Bellucci) heiraten soll. Die Frage, warum ein Flüchtling in den vom Krieg zerfetzten Balkan fliehen würde, wird versucht von dem Film als nur eine weitere Groteske im Film zu etablieren, sodass es wirkt, als ob Kusturica die angestrebte Absurdität in seinem Film dazu missbraucht um diverse Unlogiken nicht erklären zu müssen und sich das Schreiben des Drehbuchs zu vereinfachen. Viele andere Fälle folgen, wo Kusturica seine Figuren erstaunliche Kraftakte vollbringen lässt, die sowohl ihre etablierten Fähigkeiten überschreitet, als auch ihrem Charakter widerspricht; alles scheint dem Autor und Regisseur recht zu sein, um seinen Plot voranzutreiben, solange es möglichst skurril und unwahrscheinlich ist. Durchaus wäre es möglich, dass Kusturica eine Botschaft hierdurch vermitteln möchte—nach der Premiere in Venedig letztes Jahr wurde ihm eine nationalistisch-angehauchte, großserbische Agenda unterstellt, die er mit On The Milky Road vertrete—doch stellten diese aus dem Hut gezauberten Wunderlösungen ein viel zu großes Hindernis dar, die nach einer Weile eine so störende Kraft entwickelten, dass das Konzentrieren sichtlich erschwert wurde.

Fazit

Abgesehen davon, wie kreativ und originell die Kameraarbeit und die Musik in “On the Milky Road” ausfällt, wirkt die Geschichte einfach zu weit hergeholt und der etablierte Kontext wird entweder gnadenlos ignoriert oder sklavisch befolgt, je nachdem wie es dem Regisseur passt. Ganz offensichtlich wird versucht den Film in grotesker Surrealität àla “The Lobster” zu tränken, doch lässt die anfängliche Faszination schon nach etwa 40 Minuten nach und jeder noch so clevere Einfall, entpuppt sich als doch nicht so clever, die man mit steigender Ernüchterung, dem gelegentlichen Augenrollen hinnimmt und spätestens nach 100 Minuten das Ende kaum erwarten kann.

Autor: Kadir Güngör

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