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Inhalt

In der mongolischen Steppe wird eine nackte Frau ermordet aufgefunden. Über Nacht soll ein junger und unerfahrener Polizist den Tatort sichern. Da er mit den Gefahren vor Ort nicht vertraut ist, wird eine einheimische Hirtin abgestellt, ihn und die Leiche zu bewachen. Die resolut auftretende Mittdreißigerin weiß mit dem Gewehr umzugehen und Wölfe zu verscheuchen. Gegen die Kälte zündet sie ein Feuer an. Auch der Alkohol wärmt, und auf ihre Initiative hin kommen die beiden einander näher. Am nächsten Morgen werden sich ihre Wege wieder trennen.

Kritik

Was tun mutterseelenallein im Nirgendwo? Die Antwort liegt auf der Hand: woanders hin gehen. Unseligerweise ist das keine Option für den jungen Polizisten (Norovsambuu Batmunkh), der unversehens einsam inmitten der mongolischen Steppe steht und am Anfang von Wang Quan’ans (White Deer Plain) kontemplativer Kinofabel. Sie ist überreich an mythischen Vorzeichen und eigenwilligen Gestalten, die aus archaischen Überlieferungen in die Gegenwart gewandert scheinen. Eine von ihnen ist die Hirtin (Dulamjav Enkhtaivan), deren autarkes Einzelgängertum sie vor dem unsichtbaren Hintergrund der patriarchalischen Gesellschaft zur Außenseiterin machen. Die einzige weitere Alternative zur Unterwerfung an die soziale Norm von früher Ehe und Kindern ist der Tod.

Ihn repräsentiert die Leiche einer von einem eifersüchtigen Anwärter ermordeten Frau, die namenlos bleibt, wie alle Figuren. Sie sind halb Archetypen, halb tragikomische Helden einer mystischen Commedia dell’Arte. Wie in unterbewusster Ahnung, dass sie ohnehin keinen Einfluss auf ihr Schicksal haben, erwarten sie es geduldig, bei einer blutigen Leiche oder auf einer in der endlosen Graswüste aufgestellten Parkbank. Dort sitzt die resolute Hirtin einmal unter Laternen und grübelt vermutlich ähnlich wie das Publikum darüber, wo eigentlich der Strom für das Licht herkommt, und ob die Sitzgruppe eine Bushaltestelle ist. Oder stehen die Bänke hier nur wegen der schönen Aussicht?

Die imposante Landschaft spielt eine eigene Rolle in jenem traumwandlerischen Epos, dessen menschlichen Figuren Wang Quan’an oft nur einen Platz am Bildrand zuweist. Der alte Polizeichef (Gangtemuer Arild) kurz vor der Pensionierung, die Hirtin und ihr einsamer Nachbar (Aorigeletu) erscheinen mit ihren Alltagsbelangen buchstäblich marginal vor den kosmischen Weiten des Firmaments. Darunter kauern sich die wortkargen Figuren ans Lagerfeuer, das in den grobkörnigen Nachtaufnahmen die einzige Lichtquelle bleibt. Mit einem Kamel als Rückenlehne lehren sie eine Flasche Schnaps und verlieren bisweilen einen Satz über Begehren, Einsamkeit oder Tod. Es macht nicht immer Sinn, aber es macht meistens Spaß.

Fazit

Die einsame Weite der mongolischen Steppe wird zur Bühne eines mit animistischen Untertönen angereicherten Schauspiel. Dessen Pantomime unterbrechen nur vereinzelt Dialoge, die weniger der Entwicklung einer Handlung dienen als der einer spezifischen Stimmung. Jenes vage melancholische Gefühl von Bedeutungslosigkeit verschlingt schließlich die in der malerischen Landschaft verstreuten Fragmente einer gleichnishaften Erzählung. Sie dient dem Regisseur als Vorwand für erhabene Leinwandpanoramen und ulkige Antworten auf die eingangs gestellte Frage nach dem Zeitvertreib im Nirgendwo.

Autor: Lida Bach

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