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Der alte Western-Held Jack Beauregard (Henry Fonda) hat genug vom wilden Westen und möchte nur noch nach Europa. Doch er trifft auf einen jungen Kerl, der sich Nobody (Terence Hill) nennt und ihn verehrt. Nobody will ihn zur Legende machen und bereitet einen Showdown-Kampf mit Sulliven (Jean Martin) und seiner "wilden Horde" vor. Sergio Leones Film ist gespickt mit Zitaten und Anspielungen.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Siehst gut aus, heute schon gekotzt!? – Nobody zu einem seiner Widersacher

Mein Name ist Nobody aus dem Jahre 1973 von Regisseur Tonino Valerii (Der Tod ritt dienstags, Sahara Cross) wird zuweilen gerne als schräger wie oberflächlicher Klamauk-Western der 70er Jahre abgetan. Kein Wunder, ist es doch gerade der brachiale Humor gemischt mit der hervorragend improvisierten Synchronisierung, die vornehmlich im Gedächtnis bleibt. Der Film erscheint als ein Werk seiner Zeit, in der der Western sich durch hunderte Italienische Produktionen qualitativ im Abwärtsflug und am Ende befand. Genau zu der Zeit entstand dann auch der Wunsch, sich dem Genre noch einmal anders zu nähern. Noch bissiger, zynischer und vor allem humoristischer, sodass der Zuschauer – der mehr und mehr mit dem heimischen Fernseher zum Großkonsumenten wurde – locker abends die Füße hochlegen und Unterhaltung genießen konnte. Filme wie Il mercenario von Sergio Corbucci, Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe von Burt Kennedy, Ein Fressen für die Geier von Don Siegel oder eben Die rechte und die linke Hand des Teufels von Enzo Barboni waren hier Wegebereiter eines neuen Kinogefühls. Letzterer sorgte schließlich auch dafür, dass Terence Hill und Bud Spencer zu deutschen Kinostars wurden. In diesem Spannungsfeld befand sich auch Regisseur Sergio Leone, der mit Spiel mir das Lied vom Tod 1968 sein absolutes Meisterwerk ablieferte und zuletzt bei Todesmelodie dem Anarchismus und der Revolution frönte. Doch eine Frage blieb: Wie sollte es nun weitergehen?

Kurzerhand hatte Sergio Leone eine Idee: Eine Mischung aus neuen Ideen und Genre-Elementen, einer gar schon göttlichen Komödie sowie einer klaren Reminiszenz auf seine eigenen Filme und dem amerikanischen Western an sich. Was auf dem Papier wie ein Hohn klingt, funktioniert dank Tonino Valerii – der stark unter der Beobachtung von Leone stand – aber prächtig: Mein Name ist Nobody wirkt wie eine leichte Komödie für zwischendurch, entpuppt sich aber auf den zweiten Blick als philosophisches Meisterwerk mit vielen Rückblicken, wichtigen Botschaften und starken Charakteren. Dies zusammen mit der grandiosen Musik von Ennio Morricone – der sich ebenfalls wirksam selbst zitiert – ergibt einen zu Unrecht als zu leicht abgefertigten Western. Dies wird schon zu Beginn von Mein Name ist Nobody mehr als deutlich: So darf Henry Fonda (der hier seinen letzten Western drehte) in einem langsamen aufbauenden Spannungsbogen (ähnlich dem von Spiel mir das Lied vom Tod) seine Figur des Jack Beauregard präsentieren: Einem idealistischen wie alternden Westernhelden, der vor sich selbst auf der Flucht ist und feststellt, dass im Jahre 1899 der wilde Westen mit seinen riesigen Prärien zu einer Art Dorf geworden ist. Gerechtigkeit mit Waffengewalt wird seltener, das Verbrechen und die Kriminalität organisierter. Genau hier erscheint dann kurz darauf – wie ein Geist – der namenlose „Nobody“ (fantastisch besetzt mit einem energievollen und spielbereiten Terence Hill), der nicht nur den Zuschauer einen roten Faden durch die Geschichte bietet, sondern auch den sich sträubenden Jack Beauregard zum Sterben verhilft und zur Legende werden lässt.

Die Legende selbst wird hier zum Synonym dafür, wofür der Western einst stand: Für die Suche nach der Freiheit, nach Gerechtigkeit, nach Abenteuern und dem Wunsch sich ohne Regeln und Gesetze entfalten zu können. Als eine Art (brutaler) Schöpfungsgeschichte – gerne heroisierend und romantisch. Allerdings macht Sergio Leone nicht den Fehler seine Handlung in Melancholie untergehen zu lassen und sich so einfach nur selbst zu rezitieren. Leone ist sich bewusst, dass die idealistische Vorstellung nie einer Wahrheit entsprochen hat und kokettiert dies mit einem grandiosen aber eben auch sehr brachialen Humor. Nobody wird zum Kontrast der einst schillernden Vorstellung, dass der männliche Urtypus als Held in den Sonnenuntergang reiten muss. Viel mehr ist er hier eben ein sprücheklopfender, schlagender und tricksender Charakter, der wie eine kaum greifbare Entität von Kulisse zu Kulisse springt. Was folgt ist eine Geschichte (die im Kern gar nicht so viel Neues bietet, außer eine kleine Rachegeschichte rund um Gier und Gold) mit vielen tiefgründigen Botschaften, Dialogen und Anspielungen, die zum Rundumschlag auf das Genre werden. Als Zäsur an sich, als Wunsch ein Ende zu erschaffen, dass das Genre verdient hat (auch wenn Leone dies anders geplant hatte). Und so reist am Ende – unter den Klängen von Buona fortuna jack von Ennio Morricone - Jack Beauregard nach Europa um seinen Frieden zu finden. Wo einst die Reise begann, wird sie so nun enden. Meisterhaft.

Rache, die zum Finale hin versöhnlich wird, ein Kampf gegen einen scheinbar unbesiegbaren Feind sowie eine Odyssee durch den Westen, die immer wieder durch Nobody zum schießenden Gelage wird, all dies macht schließlich aus Mein Name ist Nobody aber auch einen Film, dessen Unterhaltungswert klar im Vordergrund steht. Und dies schafft Tonino Valerii mit Bravour: Nicht nur die Dialoge laden zum Schmunzeln und ausuferndem Lachen ein, sondern auch die vielen schlagenden Argumente von Nobody passen herrlich in eine Zeit, in der sich der westliche Zuschauer regelrecht nach Zerstreuung sehnte. Die Humoreinlagen sind aber auch – dank der routinierten Inszenierung von Leone und Valerii - grandios in Szene gesetzt, sodass sich der Eskapismus in regelrechte Höhen steigert. Natürlich ist mancher Humor auch gewagt – und fiel besonders damals deutlich aus dem Rahmen – sorgt aber gerade deswegen auch für einen zeitlosen Charakter, der Mein Name ist Nobody selbst heute noch stark und modern wirken lässt. Der Rest entfaltet sich dann schlussendlich über die Darsteller: Henry Fonda und Terence Hill ergeben ein fabelhaftes auf sich abgestimmtes Leinwand-Duo, wobei jeder wie eine Hälfte aus Licht und Schatten erscheint (und passend dazu seine eigene Musik bekommt). Jeder der beiden erfüllt seinen Part meisterhaft, sodass der Zuschauer selbst entscheiden kann, wo er sich sieht: Beim schillernden wie aufrechten Heros eines Jack Beauregard, oder eben beim nicht greifbaren neuartigen Revolverhelden wie Nobody, der einfach nichts und niemand mehr ernst nimmt.

Fazit

"Mein Name ist Nobody" ist ein humorvoller, ausufernder, brachialer und ebenso starker Western, der gerade von seiner Symbiose aus Sergio Leones zeitloser Interpretation des Genres sowie Tonino Valeriis gekonnter Erzählweise lebt. Henry Fonda und Terence Hill erleben eine beispiellose Odyssee, die zusammen mit der markanten wie träumerischen Musik von Ennio Morricone zum fantastischen Märchen wird. Doch der Film bietet noch mehr: Eine philosophische Oper mit ebenso brachialen Duellen wie einer schlagenden und entwaffnenden Slapstick, die zum Lachen einlädt. Traurig, hoffnungsvoll und überdreht zugleich. Ein Film, der eine Zäsur in der Filmwelt darstellte und wie kein anderer die Zukunft des Kinos vorhersagte. Zeitlos und zudem wunderschön.

Autor: Thomas Repenning

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