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Inhalt

Jacek liebt Heavy Metal und seinen Hund. Die Feldwege vor der Haustür funktioniert er zur Rennstrecke um, die er mit seinem kleinen Auto entlangbrettert. Er genießt das Dasein als Außenseiter in einem spießigen Umfeld. Die Muskeln trainiert er bei seiner Arbeit auf einer Großbaustelle nahe der polnisch-deutschen Grenze, wo die größte Jesusstatue der Welt entsteht. Doch ein schwerer Arbeitsunfall wirft sein Leben aus der Bahn. Vollkommen entstellt, wird an Jacek unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Als Märtyrer gefeiert, erkennt er sich nicht wieder.

Kritik

Distanzierung vom eigenen Körper und Adaptionsunfähigkeit sind Themenkomplexe, die sich zäh in Malgorzata Szumowskas Werken wiederholen. Womöglich will die polnische Filmemacherin damit auf existenzielle gesellschaftliche Konflikte hinweisen. Stattdessen erscheint der motivische Rekurs eine unbewusste Metapher für ihre eigenen artistischen Defizite. Wie in ihren letzten Berlinale Filmen Body und Im Namen des … formuliert die Prämisse ihres Projekts gewichtige Konflikte, die dann jedoch nur hilflos beiseitegeschoben werden, um ein paar verstaubten Witzchen Platz zu machen. Der Priester des trostlosen Bauerndorfs steckt die Hand erst in den Messbeutel und dann in die eigene Tasche, der Hund der Familie des Hauptcharakters heißt „Zigeuner“ und kein Unglück ist zu Schade zur medialen Vermarktung.

Zweites ist wohl ein entscheidender Faktor bei der Materialauswahl der Regisseurin. Die Synopsen zu ihren Storys klingen regelmäßig hochdramatisch. Prostitution unter Studentinnen, schwule Priester, Essgestörte mit Daddy Issues. Und jetzt grausiger Arbeitsunfall, Totalentstellung, Gesichtstransplantation, Stigmatisierung, Identitätskrise, alles beim Bau der weltgrößten Christus-Statue. Oha, steckt darin etwa eine Parabel? Was die überkonstruierte Konstellation aussagen soll, scheint von Anfang an überdeutlich. Nur gelingt es der Inszenierung nie, die berechtigten Kritikpunkte an der klerikalen Provinzgemeinde in eine griffige Filmsprache zu packen. Nicht nur treten visueller Stil und Handlung auf der Stelle, das zentrale Drama ist absurd in seiner Unglaubwürdigkeit. Der Unfall selbst ist ein grotesker Witz und das existenziaistische Trauma? Kommt nie.

Die Verwandlung des Provinzrockers Jacek (Mateusz Kościukiewicz, Baczynski)) geht dabei mit einem Haufen geradezu biblischer Wunder vonstatten. Er steuert seinen Sturz in ein Baustellenloch so, dass sein Körper kratzerfrei bleibt, aber das Gesicht total hinüber ist. Maskenbildnerisch austoben durfte sich niemand. Im Handumdrehen verlässt Jacek das Krankenhaus mit verheiltem Transplantat. Daran herrscht in polnischen Dörfchen kein Mangel. Vorherige Chirurgie? Nicht nötig. Batsch, neue Visage drauf und im Blitzlicht-Gewitter die Presse begrüßen. Hat gar nicht weh getan, höchstens im Geldbeutel. Die Immunsupressiva muss Jaceks Familie mitzahlen, denn so wichtig ist dem Hospital die bahnbrechende medizinische Arbeit dann doch nicht. Eine Gleichgültigkeit, die in unfreiwilliger Ironie die der Regisseurin an ihren Protagonisten spiegelt.

Fazit

Die sensationalistische Prämisse verkommt in der verfahrenen Inszenierung zum pathetischen Gimmick, genau wie die gezielt teilverzerrten Bilder. Das triste Dorfszenario, das Malgorzata Szumowska abbildet, ist der eintönige Blickpunkt einer statischen Parabel, der zur Satire der Biss, zur Persönlichkeitsstudie die Charakterentwicklungen und zum Drama die Spannung fehlt.

Autor: Lida Bach

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