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Inhalt

Herr Mayonnaise schildert die abenteuerliche Entdeckungsreise des Künstlers und Filmemachers Philippe Mora in die bislang verborgene Vergangenheit seiner Familie. Mit Farben und Staffelei ausgestattet, begibt sich Philippe auf die Reise, um die Geschichte der Eltern als Überlebende des Holocaust in einem frechen Comicbuch festzuhalten. Philippe wuchs in Australien auf und fand erst als Erwachsener heraus, dass sein Vater in Deutschland geboren wurde, heimlich für die Résistance arbeitete und den Codenamen „Monsieur Mayonnaise“ trug. Doch der Vater enthüllte nur einen Teil der Ereignisse, und bevor es zu spät sein würde, wollte Philippe alles über die Kriegseinsätze und den faszinierenden Decknamen seines Vaters herausfinden. So machte er sich vom heimatlichen West Hollywood auf den Weg, um Menschen aufzuspüren, die seinen Vater kannten. Die Reise führte ihn von Los Angeles nach Berlin, Paris und Melbourne, und schnell wurde klar, dass das Leben die besten Geschichten schreibt, als er die wahre Geschichte hinter dem mysteriösem Codenamen des Vaters aufdeckt, dessen Verbindung zu Nonnen, Nazi-Grenzschützern und Baguettes mit Unmengen leckerer französischer Mayonnaise!

Kritik

Mayonnaise kennt jeder, aber kaum einer die Geschichte ihrer Kreation. Ideale Voraussetzungen für eine Dokumentation über die verschwenderische Würzsoße. Philippe Mora kennt praktisch keiner, aber die Geschichte seiner Kreation ist jetzt in abendfüllender Länge anzusehen. Und die Mayonnaise? Kommt zumindest am Rande von Trevor Grahams dokumentarischer Collage und den darin eine überlebenswichtige Rolle spielenden Baguettes vor. Ist Mora also Monsieur Mayonnaise? Ja und Nein. Der Titelcharakter der egozentrischen Hommage ist Georges Mora, Kunsthändler, Mäzen, Restaurateur und Vater Philippes. Der nutzt die schillernde Lebensgeschichte seiner Eltern, um sich selbst ein großspuriges Künstlerdenkmal zu setzen. 

Bisher ist sonst niemand auf die Idee gekommen, obwohl der umtriebige Australier eine Reihe Werke als Autor, Schauspieler und Regisseur vorgelegt hat. Jetzt braucht sein selbstgemalter Comic braucht Reklame. Die künstlerischen Erfolge mit Skandalwerken wie Swastika und Schlock-Horror wie Howling II und Howling III hielten sich nämlich in Grenzen. Keiner hält ihn für einen Künstler, außer offenkundig er selbst und Graham. Der Regisseur von Make Hummus Not War inszeniert den narzisstischen Blick ins Familienalbum als sprühendes Potpourri historischer Schnappschüssen, Privatfotos, Originaldokumente und Acrylmalerei, letzte selbstredend von Philippe.

The Artist at Work“ hätte der Hauptcharakter die Produktion wohl getauft. Der finale Filmtitel hat den Vorteil, dass er auf die Résistance-Vergangenheit des Vaters anspielt. Die dramatischen Biografien der Australiens moderne Kunstszene prägenden Malerin, Bildhauerin und Mäzenin Mirka Mora, die mit Mutter und Schwestern von den Nazis abgeholt wurde, und der berühmten Personen, die sie und Georges Mora unterstützten, werden übertüncht. Aus dem Holocaust habe er gelernt, dass man die schönen Dinge im Leben zu genießen, meint Philippe abschließend. Wie Kunst und Mayonnaise. Einen Bei Mayonnaise. Da solle jeder immer schön dick auftragen. In der Küche vielleicht, im Kino gibt das einen üblen Nachgeschmack.

Fazit

Selbstverklärung ist ein integraler Teil der ambivalenten Rückschau, die mit Ernährungsgeschichte bestenfalls marginal zu tun. Die berührenden Erinnerungen von Wegbegleitern und Künstlern wie Mirka Mora und Grahams flotte Inszenierung schenken der allzu üppigen Selbstbespiegelung dennoch ein paar liebenswerte Momente.

Autor: Lida Bach

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