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Das Schicksal schlägt mit unerbittlicher Härte zu, als die Mutter des erst neunjährigen Zucchini (Stimme im Original: Gaspard Schlatter) plötzlich ums Leben kommt. Zum Glück gibt es den fürsorglichen Polizisten Raymond (Michel Vuillermoz), der den kleinen Jungen ins Heim von Madam Papineau (Monica Budde) bringt, wo er in Zukunft mit anderen Kindern aufwachsen und seinen Platz in der Gesellschaft suchen kann. Doch der Anfang in seinem neuen Zuhause fällt Zucchini nicht leicht...

Kritik

„Manchmal weint man, weil man froh ist.“

Der 9-jährige Icare besteht darauf, bei dem Spitznamen genannt zu werden, dem ihm seine Mutter einst gegeben hat: Zucchini. Natürlich beschwört das immer wieder einiges an Gespött herauf, wenn der Junge mit den blaugeränderten Kulleraugen auf Kinder seines Alters trifft. Icare aber ist Zucchini, felsenfest und aufrecht, und das Andenken an seine kürzlich verstorbene Mutter, eine leicht zerbeulte Bierdose, hält er genauso in Ehren wie den Drachen, auf den Zucchini das Abbild seines Vaters gezeichnet hat. Ein traurige Leben muss das sein, welches das Schicksal Zucchini überstülpt hat, gänzlich ohne elterlichen Rückhalt, einquartiert in einem Heim, in dem sich die Traumata im Beisammensein der heranwachsenden Bewohner geradewegs potenzieren. Die Vergangenheit spricht hier die Sprache des Alkoholismus, der Misshandlung, der Vernachlässigung.

Ganz schön schwerer Stoff, den Claude Barras (Sainte Barbe) dem Zuschauer hier in Form eines putzigen Stop-Motion-Films kredenzt, möchte man meinen. Und das stimmt auch, denn die Adaption des Roman von Gilles Paris, Autobiografie einer Pflaume, versteht sich keinesfalls als unbeschwerter Reigen, in dem die oberflächliche Abstraktion unserer Wirklichkeit auf ein durch die Tricktechnik imaginiertes Märchenland schließen lässt. Mein Leben als Zucchini nimmt sich Zeit für seine kindlichen Protagonisten, schenkt ihren Empfindungen den nötigen Raum, thematisiert den Kummer wie auch den Zusammenhalt, und lässt sich auf ihre emotionalen Krisen ein, ohne diese bis ins Detail ausbuchstabieren zu müssen. Claude Barras' Meisterschaft besteht vielmehr im Evozieren sensibler Stimmungsbilder. Allein die Exposition, in der man Zucchini in seinem Dachbodenzimmer beobachtet, während dumpfes Gepolter aus dem Wohnzimmer emporschwingt, ist ein Musterbeispiel dahingehend.

Besonders beeindruckend gestaltet sich in Mein Leben als Zucchini der Umstand, mit welchem Feingefühl Claude Barras auf das Seelenleben seiner Hauptfiguren eingeht und dabei sowohl mit der abfälligen Wahrnehmung betreuter Erziehungseinrichtung aufräumt, wie auch das genreinhärente Stigma zerschlägt, welches in überheblicher Selbstgerechtigkeit verlauten lässt, dass Zeichentrick- und Animationsfilme ausschließlich für Kinder bestimmt seien. Mein Leben als Zucchini ist dafür das beste Beispiel, überzeugt dieser doch durch seine Lebensklugheit im Umgang mit Charakteren, die ihren Platz in der Gesellschaft noch finden müssen, findet aber simultan dazu auch als Initationsgeschichte Anklang bei einem jüngeren Publikum, in dem er Bedürfnisse und Sehnsüchte behandelt, die genau in dieser Lebensphase von Belang sind. Tatsächlich ist Mein Leben als Zucchini weitaus einfühlsamer und aufgeklärter, als es so manch selbsternannter Menschenkenner von Arthaus-Regisseur von sich behaupten darf.

Fazit

Ob es für einen Oscar reichen wird, bleibt abzuwarten, einen besonderen Platz im Herzen seiner Zuschauer wird "Mein Leben als Zucchini" über seine 66-minütige Laufzeit mit Sicherheit einnehmen. Aufgeklärt, feingeistig und einfühlsam nimmt sich Claude Barras den Seelenleben seiner heranwachsenden Protagonisten an und formuliert eine Geschichte , die sich nicht vor den inneren Krisen seiner Figuren scheut und gleichwohl die Schönheit des Zusammenhalts aufzeigt. Ein toller Film!

Autor: Pascal Reis

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