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Bob (Bill Murray) reibt sich die Augen, so beeindruckt scheint er vom nächtlichen Tokio zu sein, das er durch die Scheiben seines Taxis erblickt. Er ist ein alternder Action-Filmstar, dessen Ruhm langsam zu verblassen droht. In Tokio soll er im Auftrag seines Managements einen Werbespot für eine japanische Whiskymarke drehen. Eine willkommende Abwechslung für ihn, ist er doch vom Alltag frustriert und von seiner Ehefrau, mit der er seit 25 Jahren verheiratet ist, genervt und gelangweilt.

Charlotte (Scarlett Johansson), eine 25-jährige Yale-Absolventin, ist ebenfalls in Tokio gelandet. Sie begleitet ihren Ehemann, einen gestressten Szene-Fotografen, der in Tokio ein Shooting mit einer Rockband absolvieren muss. Während ihr Mann von Termin zu Termin hetzt, verbringt Charlotte ihre Zeit allein im Hotel und gerät ins Grübeln über ihre derzeitige Situation, mit der sie alles andere als zufrieden ist. Im überfüllten Hotelaufzug  streifen sich erstmals Bobs und Charlottes Blicke. Er überragt alle sich um ihn drängelnden Japaner mit seiner Größe, sie fällt auf weil sie blond ist. Bald wird für beide vielleicht nichts mehr so sein wie zuvor.

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Kritik

"Während der prime time heißt es nur Santory time…"

Ein alternder Filmstar, eine junge Frau. Beide kennen sich nicht, haben aber gemeinsam, dass sie Fremde in einer Weltmetropole sind und im gleichen Hotel wohnen. Hier kreuzen sich unverhofft ihre Wege.

Die Geschichte von "Lost in Translation" klingt simpel und abgenutzt, doch Regisseurin Sofia Coppola zaubert daraus überaus schönes Gefühlskino. Die für Hollywood-Verhältnisse ungewöhnliche Geschichte hat zudem drei Zutaten, die den Film erst zu dem gemacht haben, was er heute ist: Bill Murray, Scarlett Johansson und das berühmte Park Hyatt Hotel in Tokio.

Für das Drehbuch griff Coppola auf eigene Erlebnisse zurück. Eine Geschichte, die sich hauptsächlich in einem Hotel abspielt, drängte sich ihr geradezu auf.  Schließlich verbrachte sie als prominentes Kind von Regisseur Francis Ford Coppola ("Der Pate") selbst oft Wochen in anonymen Hotelzimmern. Darüber hinaus lebte Coppola längere Zeit in Japan. Dies zusammen lieferte ihr genug Inspiration für das Drehbuch von „Lost in Translation“, welches gerade einmal 70 Seiten umfasste und mit einem Budget von lächerlichen 4 Mio. US-Dollar auf die Leinwand gebracht werden wurde. Bill Murray war von Anfang an Coppolas Muse und es dauerte fünf Monate ihn zu einer Mitarbeit zu bewegen und in die Rolle von Bob Harris schlüpfen zu lassen.

"Wer aus dem Westen kommt, erlebt Tokio oft als eine überaus verwirrende und fremdartige Stadt", kommentierte die Regisseurin Sofia Coppola ihren Film. "Man kann sich dort so verloren vorkommen, dass man sich zu allem, was einem auch nur entfernt vertraut ist, automatisch hingezogen fühlt."

Zudem betont Coppola immer wieder, dass sie bewusst nur Filme aus dem Leben und über das Leben drehen will und sich nie ins Fantastische flüchten möchte. "Lost in Translation" ist ein Film geworden, der tatsächlich aus dem Leben gegriffen scheint. Vielleicht kein Leben, mit dem wir uns selbst identifizieren können. Schließlich sind wohl die wenigsten von uns gefeierte Filmstars. Aber darum geht es auch gar nicht. Ebenso legte Coppola keinen Wert darauf eine besonders innovative Story zu entwickeln. Der Film beleuchtet ganz einfach einen winzigen Lebensabschnitt zweier unterschiedlicher Menschen, die sich zufällig in einer fremden Welt begegnen und für kurze Zeit dem Alltag entfliegen möchten. Es geht um Gefühle, komische Situationen, intime Augenblicke, Atmosphäre. Dafür nimmt sich Coppola viel Zeit und gibt dem Stoff genügend Raum sich zu entfalten. Die Kameraeinstellungen verharren teilweise so ruhig auf einer Stelle, dass die jeweilige Situation wie eine Fotografie wirkt, in die wir unsere eigenen Gedanken hineininterpretieren können. Dieser Mut zur Langsamkeit wird von der damals erst 32-jährigen Regisseurin souverän bewältigt und ist ein Gegenpol zum schnell geschnittenen und leicht verdaulichen Eventkino, wie es seit einem Jahrzehnt in den oberen Chartregionen zu finden ist. Wer sich die Geduld für "Lost in Translation" nimmt, bekommt jedoch einen sehr glaubwürdigen und vielschichtigen Film geboten.

Letztendlich muss sich der einzelne Betrachter selbst ein Bild von der Geschichte rund um Bob und Charlotte machen, denn jeder findet sich wahrscheinlich in so mancher Szene wieder, wenn auch nur ein bisschen. Denn im Kern geht es um Gedanken, die bei uns alle einmal im Kopf umherschwirren. Zum einen das Gefühl der Verlorenheit und Einsamkeit in einer völlig fremden Stadt, in einer ganz anderen Welt. Zum anderen das Gefühl der Orientierungslosigkeit und damit verbundene Fragen, die man sich selbst hin und wieder stellt: Hat alles seinen Sinn, was ich gerade tue und bin ich glücklich und zufrieden damit? Kann ich mein Leben weiterhin so meistern oder möchte ich ausbrechen und einmal etwas völlig anderes tun? Gibt es die große ewige Liebe?

Das sind Fragen, die sich auch die beiden Hauptdarsteller ins Bewusstsein rufen. Bob Harris hat eigentlich alles um glücklich zu sein. Eine Familie, Geld und Rum als Schauspieler. Aber er ist nicht mehr glücklich damit. Seine Frau langweilt ihn. In einem Moment schickt sie ihm ein Fax, vollgeschrieben mit Vorwürfen, weil er den Geburtstag seines Sohnes vergessen hat. Im nächsten Moment kommt von ihr ein Schriftstück, in dem sie Ideen zu einer neuen Wohnungseinrichtung mit ihm teilen möchte. Die Telefongespräche zwischen Bob und dessen Frau zeugen nicht gerade von einer liebevollen Kommunikation . Seine Frau scheint nichts weiter als eine gesichtslose fremde Stimme zu sein. Bob ist genervt vom Alltag und dem Trubel um seine Person und befindet sich in einer Art Midlife-Crisis.

Charlotte ist erst 19, hat jedoch ihren Teenager-Traum wahr gemacht, nämlich einen berühmten Fotografen zu heiraten und mit ihm um die Welt zu reisen. Dieses Abenteuer sieht in der Realität jedoch weit trauriger aus, als sie sich dies ausgemalt hatte. Ihr Ehemann hat wenig Zeit für sie und flirtet mit seinen Assistentinnen. Die Beziehung wirkt distanziert und unterkühlt. Zudem hat Charlotte mehr und mehr das Gefühl, keine Chance auf Selbstverwirklichung zu haben, sondern nur ein Anhängsel ihres Mannes zu sein. Ihr Philosophie-Studium hat sie erfolgreich abgeschlossen hat, aber sie hat keine Idee, wie sie diesen Umstand für eine erfüllte Zukunft nutzen könnte. In Tokio bricht der ganze Weltschmerz über sie herein.

Beste Voraussetzungen für Sofia Coppola, diese beiden sich verloren fühlende Menschen Schritt für Schritt näher zu bringen. Die durch den Jetlag bedingte Schlaflosigkeit nutzen beide um aus der Isolation des Hotels auszubrechen und zusammen Spaß zu haben. Mehr Spaß, als jeder allein ohne den anderen gehabt hätte. Das wirkt schließlich befreiender als im Hotelbett zu liegen, die Decke anzustarren und dem Summen der Klimaanlage zu lauschen.

Die Annäherung beider Figuren verläuft langsam, fast schüchtern. Dies ist das größte Spannungspotential des Films, das Coppola bis zum Ende ausreizt. Die Kamera tanzt um die Protagonisten, fängt jede Gefühlsregung ein. Manche Gesichtsausdrücke und Gesten sagen mehr als tausend Worte. Jedoch fühlen wir uns als Zuschauer nie wie Voyeure. Der Zuschauer darf dem Spiel der Emotionen beiwohnen, ein Blick in die letzte Intimität bleibt jedoch verwehrt. Der Film ist ausdrücklich keine Romanze und verzichtet auf jeglichen Kitsch. Das macht ihn umso interessanter, intensiver und realer. Dafür kann man nur dankbar sein.

Alles fängt mit einem spendierten Drink an, man zieht zusammen die bunte Welt Tokios. Man singt zusammen Karaoke. Ein Kopf landet auf der Schulter des anderen, man liegt sich in den Armen, lacht zusammen. Später nach langem Schweigen eine Hand, die einen nackten Fuß streichelt. Erst spät wird beiden die Zuneigung zueinander bewusst, nämlich dann, wenn es schon zu spät ist. Die Liebe bleibt unausgesprochen, es bleibt beim Kopfkino, denn beide sehen sich nach dem einen Moment, den Zwängen und Verpflichtungen Lebewohl zu sagen und durchzubrennen.  Der einzige innige Kuss ist schließlich ein Abschiedskuss. Und dieser  Abschied ist sehr bewegend, denn beide wissen, dass sie sich vielleicht nie wieder sehen.

Bill Murray liefert hier wohl die Performance seines Lebens ab. Bis zu "Lost in Translation" hatte er eigentlich keine Lust mehr auf das Filmbusiness, aber vielleicht gerade aus diesem Grund spielt er seinen Bob Harris absolut überwältigend und glaubhaft. Oft sind es nur Blicke, ein Lächeln oder Gesten, mit denen er viele Emotionen transportiert. Nebst vielen melancholischen und nachdenklichen Momenten ist der Film natürlich wieder mit seinem unnachahmlichen sarkastischer Humor, der gleichzeitig auch etwas Vertrautes in den Film mit einbringt, durchzogen. Eigentlich hätte er den Oscar für diese Leistung verdient gehabt. Den gab es dann aber nur für das Drehbuch.

Aber auch Scarlett Johansson ist ein Glücksgriff für den Film. Damals noch unbekannt, liefert sie ebenfalls eine tolle Darbietung ab. Ihre natürliche Schönheit und eine lolitahafte unbefangene Art sind perfekt für ihre Rolle. Sie ist zwar kein Kind mehr, aber auch noch nicht wirklich erwachsen. Die Chemie zwischen ihr und Murray funktioniert ausgesprochen gut, obwohl sich beide erst am Set kennenlernten.

Viele Dialoge und Szenen wurden laut Copolla improvisiert. Mancher emotionale Moment im fertigen Film ist eine Szene, die schon beim ersten Take im Kasten war, weil sie eben spontan entstanden ist. Gerade am Ende des Films sieht man eine Szene, in der Coppola ihren Figuren einen Moment der völligen Privatheit gönnt. Die beiden flüstern sich etwas zu, was uns allen verborgen bleibt. Dieser Moment war so nicht im Drehbuch vorgesehen, weder der Kuss, noch der letzte Dialog. Nur Bill Murray und Scarlett Johannsen kennen den Inhalt der Nachricht und jedem ist selbst überlassen, was hier ausgetauscht wurde.  Und das macht den Film durchweg so toll, nämlich dass viel Raum für eigene Phantasie bleibt.

Loben muss man noch den unaufdringlichen Soundtrack, der teilweise viel Melancholie verbreitet. Doch bietet die Geschichte viel zu viel Situationskomik und dank dem herausragenden Bill Murray kommt selten wirkliche Traurigkeit auf. Dies wird vor allem in der Karaoke-Szene deutlich, wenn Murray schnell noch einen Schnaps zischt und danach "more than this" intoniert. Toll auch die Kameraarbeit, die die Charaktere immer ins rechte Licht rückt und nebenbei verträumte Panorama-Aufnahmen von Tokio bietet. Da die Luxuszimmer des Hotels, sowie Bar und Fitnessraum im 52. Stock liegen, bot das visuell natürlich viele Möglichkeiten.

Fazit

Sofia Coppolas "Lost in Translation" wurde zu recht von Kritikern und Publikum gefeiert. Nicht jeder wird sich in dem Film wiederfinden, wer sich jedoch auf die ruhige Erzählweise einlässt, wird mit einem kleinen Meisterwerk belohnt. Ein Film, in dem sich Melancholie und Humor perfekt die Waage halten und der dank einem Bill Murray, der über sich selbst hinauswächst, herzergreifender als so mancher Liebesfilm ist. Großes Gefühlskino in kleinen Gesten, das fasst Coppolas Zweitwerk wohl am besten zusammen.

Autor: André Schiemer

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