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Inhalt

Im Jahr 1955 ist der junge Fotograf Dennis Stock auf der Suche nach einem Thema für seine neue Fotostrecke. Er treibt sich auf Partys in Los Angeles herum und versucht, Zugang zur Gesellschaft der berühmten Hollywoodstars zu erhalten. Als er eines Abends den aufstrebenden Schauspieler James Dean trifft, ist Stock begeistert von seinem charismatischen Charakter und beschließt kurzerhand, einen Foto-Essay über ihn für das LIFE-Magazin zu entwerfen. Die beiden jungen Männer verbringen zusammen ein paar Tage in New York, bevor James Dean seinen neuen Freund auf eine Reise in seine Heimat nach Indiana einlädt. Während der Fotograf mit der Arbeit an der Fotostrecke zu kämpfen hat und sein Arbeitgeber auf den Abgabetermin pocht, quält den Schauspieler seine ungewisse Zukunft.

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Kritik

Das LIFE-Magazin und die Genialität im Hauch des Todes

Eine Begegnung mit James Dean, der tragischen Schauspielerikone schlechthin. Das Aufleben eines Stars, der für eine ganze Jugendbewegung seiner Zeit stand und nach dem Prinzip des Werther-Effekts mit seinem Tod bei einem Autounfall eine Welle von Selbstmorden junger Menschen auslöste. Wie stellt man sich so eine filmische Wiederbegegnung vor? Vor allem besteht die Hoffnung, dass sie authentisch, faszinierend und wahrheitsgemäß ist. Die erste Szene von Anton Corbijns Biografiedrama „Life“ lässt im Bezug auf diese Hoffnung das Herz höher schlagen: die Einleitung ist so realistisch, dass man sich fragt, ob der Film wirklich schon begonnen hat. Im aufflackernden Schein einer Glühlampe beginnt man die Konturen eines Fotografen bei der Arbeit in einer Dunkelkammer zu erahnen. Dabei ist die Geräuschkulisse, die durch das Knacken eines sich erwärmenden Drahtes und das Surren der Elektronik dominiert wird, so echt, dass leichte Zweifel an der Funktionsweise der Tonanlage aufkommen können. Mit dieser akustischen und im folgenden auch visuellen Realitätsbezogenheit schafft es Regisseur Anton Corbijn auf souveräne Weise, das Publikum aus dem Jahr 2015 abzuholen und ins Jahr 1955 zu katapultieren.

Der australische Drehbuchautor Luke Davies („Candy– Reise der Engel“, 2006) wollte sich ursprünglich ausschließlich mit dem Phänomen James Dean auseinandersetzen. Bei seinen Recherchen stieß er dann aber auf die Fotos des Fotografen Dennis Stock, die damals im LIFE-Magazin erschienen sind. Davies war so begeistert, vor allem von der Aufnahme, auf der James Dean im Regen mit einer Zigarette im Mund und geradezu mürrisch in die Taschen gedrückten Händen den Times Square entlangläuft, dass er beschloss, seine Ideen neu zu formieren. Er rückte die Beziehung zwischen dem aufstrebenden Schauspieler und dem Fotojournalisten in den Mittelpunkt seiner Drehbuchgeschichte. Ausgehend von den Fotos rekonstruierte Davies zwei Wochen aus dem Leben der beiden jungen Männer, die in ähnlicher Lebenslage waren, aber so grundverschieden damit umgingen, was vor allem ihren Charakterausprägungen zuzuschreiben ist.

Sozeigt „Life“ die Freundschaft zwischen Dennis Stock (Robert Pattinson) und James Dean (Dane DeHaan), die sich von der Veröffentlichung der Fotostrecke beide etwas erhoffen: Stock braucht Geld, um seinen Sohn zu ernähren, den er wegen der Arbeit nur selten zu Gesicht bekommt, und Dean spekuliert darauf, durch Medienpräsenz schneller berühmt zu werden. Der Fotograf ist bei seinem Brotverdienst abhängig von seinem Boss John Morris (Joel Edgerton) und auch der rebellische Schauspieler ist von Zeit zu Zeit besser damit beraten, auf seinen Mentor, den Produzenten Jack Warner (Ben Kingsley), zu hören. Die wichtigste Frau in James Deans Leben zu dieser Zeit ist die italienische Schauspielerin Pier Angeli (Alessandra Mastronardi), mit der er erst öffentlichkeitswirksam verkuppelt wird, später aber eine innige Beziehung führt bis zu dem Tag, an dem sie auf Druck ihrer Mutter hin einen anderen heiratet.

Um noch einmal auf die drei Erwartungskomponenten des Anfangs zurückzukommen, muss gesagt werden, dass der Film sich an einer von ihnen die Zähne ausbeißt. Was die Faszination des Charakters James Dean angeht, gelingt es Anton Corbijn nicht vollends zu überzeugen. Er hätte aus dem großartigen, so wahnsinnig talentierten Dane DeHaan noch etwas mehr Charisma herauskitzeln können. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass es einer Meisterleistung bedarf, um auch nur annähernd die Präsenz des großen Rote-Lederjacken-Stars nachzuahmen. Die ewige Zigarette im Mundwinkel wurde umgesetzt, der morbide Hauch desTodes ist in DeHaans Sätzen und Gesten spürbar, doch es mangelt an der allumfassenden melancholisch-destruktiven Stimmung, die so tief in diesem Menschen verankert war und sich mit eruptiver Gewalt den Weg in die zwischenmenschliche Atmosphäre gebahnt hat. Darüber hinaus wird der Tatsache weniger Beachtung geschenkt, dass er neben seiner unproduktiven Launenhaftigkeit auch abseits seiner Arbeit als Schauspieler hochkreative Phasen durchlebte, in denen er fotografierte oder schrieb. Lediglich seine Auftritte mit der Conga lassen erahnen, dass Dean in seiner Freizeit durchaus auch Durchhaltevermögen in sinnstiftenden Tätigkeiten bewies. Im Hinblick auf die Kürze des Ausschnitts aus dem Leben des Schauspielers (es sind ja wirklich nur zwei Wochen), ist diese undifferenzierte Darstellung in jedem Fall verzeihbar.

Wenn auch die Faszination des Charakters James Dean in „Life“ nicht ganz zufriedenstellend zum Ausdruck kommt, so kann er auf den Gebieten der Authentizität und Wahrheitsnähe wiederum auftrumpfen. Corbijn entwirft ein feines, makelloses Bild der Fünfzigerjahre und bleibt seiner inszenatorischen Linie aus „Control“ (2007), „The American“ (2010) und „A Most Wanted Man“ (2014) treu, indem er sich Zeit lässt, mit Bedacht eine eindringliche Geschichte zu erzählen. Auf diesen Stil lässt man sich ein und erlebt eine intensive, klug durchdachte Schilderung der Beziehung zwischen zwei jungen Männern oder man wehrt sich, aus welchen Gründen auch immer, und empfindet den Film an der ein oder anderen Stelle als zu lang. Die Begebenheiten wurden, wie es bei Spielfilmen üblich ist, aus dramaturgischen Gründen leicht angepasst, doch ist man in dieser Hinsicht behutsam vorgegangen.

Neben Dane DeHaan ist auch Robert Pattinson eine sehenswerte Besetzung, die darauf aufmerksam macht, dass er sich von der Rolle des Vampirs Edward mittlerweile emanzipiert hat. Interessant ist auch der Ansatz des Films, die Motivation der beiden jungen Männer in einen Vergleich zu setzen, um damit unvermeidlich den facettenreichen Charakter James Deans deutlicher hervorzukehren. Auf der einen Seite der Fotograf, der bereits Vater ist, eine Familie versorgen muss und relativ klar und zielorientiert handelt. Auf der anderen Seite James Dean, das aufflammende Licht am Sternenhimmel Hollywoods: unstetig, zwiegespalten und, nach dem Titel seines zweiten Kinofilms, ein Rebell ohne fassbaren Sinn und ohne ersichtliches Ziel.

Fazit

Life“ ist ein solides Biopic über den Schauspieler James Dean, das die Kunst des Films und die der Fotografie vereinigt. Corbijn hat sich an die schwierige Aufgabe gewagt, eine Persönlichkeit lebendig werden zu lassen, die psychologisch fast unbegreiflich ist. Er ist dabei zwar an seine Grenzen gestoßen, hat aber erneut sein Können als stilsicherer Regisseur unter Beweis gestellt. Wer ein wenig Konzentration und Interesse für das Thema aufbringen kann, sollte sich dieses Werk nicht entgehenlassen. James Dean-Fans werden um „Life“ ohnedies nicht herumkommen.

Autor: Jonas Göken

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