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Inhalt

Die junge Vittoria verlässt ihren Freund Riccardo nach einer langen Nacht im Streit. Vittoria sehnt sich nach wahrer Liebe. Als sie ihre Mutter an der römischen Börse besucht, begegnet Vittoria dem attraktiven Spekulanten Piero. Langsam kommen sie sich näher. Aber sind beide fähig, das Wagnis der Liebe einzugehen?

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Kritik

Liebe 1962 ist seinen beiden Vorgängern schon insofern voraus, als dass er bereits mit dem Ende einer Liebe beginnt. Schon in der ersten Szene ist Michelangelo Antonioni (Die mit der Liebe spielen) ganz bei sich, wenn die gesprochenen Dialogzeilen eigentlich keine Rollen spielen, sondern sich alles über Gesten, Blicke und die eingefangene Lokalität selbst erzählt. Was hat man sich schließlich auch noch großartig zu sagen, wenn die Leere spürbar im Raum steht und eine unerbittliche Kraft die beiden ehemals Liebenden auseinanderzieht. So dominiert abermals eine Ereignislosigkeit und Gleichgültigkeit die Szenerie, eine trostlose Ruhe, die von oberflächlich glänzenden Bildern der Römer Börse unterwandert wird. Dort herrscht Hektik, Gedränge, Chaos und Geschrei. Alles ist undurchsichtig, ein Gebilde aus unzähligen Teilen, in dem für den Einzelnen jedoch kein Platz mehr ist. Eine Welt, in der finanzieller Verlust schwerer als der menschliche wiegt.

Zeit ist Geld, heißt es dann, wenn die Börse doch für eine verkürzte Trauerminute schweigen muss. Geld wird gewonnen, Geld wird verloren…es herrscht Gleichgültigkeit, genau wie bei der Liebe. In dieser kruden Welt trifft wirtschaftliches Kalkül auf Aberglaube und Monica Vitti (Die rote Wüste) lernt Alain Delon (Der eiskalte Engel) kennen. Die zunächst oberflächliche Bekanntschaft wird innig, fortan Streifen sie gemeinsam ziellos durch die Nacht, bauen sich einen Sehnsuchtsort und finden – wenn auch nur kurz – zueinander. Es fließen Tränen, in ihrem Beisammensein liegt etwas Ehrliches, auch wenn der erste zärtliche Kuss nur auf einer Glasscheibe möglich ist. Dann werden die Telefone ausgehängt – als wäre es bei Antonioni nicht ohnehin immer still – und man scheint die Anziehung zwischen den beiden verlorenen Seelen beinahe zu hören. Bis die schweren Klaviertöne eintreffen, die das Unvermeidbare vorwegnehmen.

Einmal mehr verweigert Antonioni seiner Geschichte ein Ende – oder, wenn man denn so will, einen Anfang. Denn wenn Liebe 1962 in seinen letzten Einstellungen zum totalen (emotionalen) Stillstand kommt und die Kamera als stiller Beobachter die Szenerie seziert, dann wird klar, dass mit der untergehenden Sonne auch alle Gefühle ein zwischenzeitliches Ende finden. Was danach geschieht? Wir wissen es nicht, die Liebenden haben sich abermals entzweit, doch ihre Zukunft ist ungewiss. Als Produkt ihrer – und auch unserer – Zeit sind sie jeglicher Form von aufrichtiger, ehrlicher und aufopferungsvoller Liebe beraubt. Wir Zuschauer können nur hoffen, dass Antonioni damit nicht vollends richtigliegt.

Fazit

„Liebe 1962“ ist auf seine eigene Art und Weiße ein überaus runder Film, beginnt und endet er doch gleichermaßen mit dem Ende einer Liebe. Und doch fühlt sich jenes Ende kurz vor dem totalen Stillstand wie ein Anfang an, ein Sonnenuntergang, der etwas völlig Neues zutage fördert. In einem Film, in dem der finanzieller Verlust stärker als der menschliche wiegt, ist das nur konsequent. Und mittendrin Antonioni, der dieser Sehnsucht immer wieder eine unglaubliche Poesie abringt.

Autor: Dominic Hochholzer

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