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Tomas, Pastor einer kleinen Gemeinde, hadert aufgrund eines persönlichen Schicksalsschlags mit seinem Glauben. Als die Frau des Fischers Jonas ihn um geistigen Beistand bittet, fehlt ihm die nötige Kraft und Motivation. Mit fatalen Folgen, die Tomas endgültig zwingen, sich seinen Dämonen zu stellen.

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Kritik

„Wenn es wirklich so ist, dass Gott nicht existiert, was macht es schon aus?“

Nur eine Handvoll Menschen verirren sich zum Gottesdienst in eine verschneite Provinzkirche. Ob es schon immer so war oder Folge der Umstände, es bleibt spekulativ. Die wenigen (verbliebenen?) Schäfchen folgen anständig der formell korrekten, dennoch lethargischen Andacht ihres Pastors Tomas (Gunnar Björnstrand; Wie in einem Spiegel), der nicht mehr als seine Pflicht erfüllt. Der Tod seiner geliebten Ehefrau vor inzwischen vier Jahren hat ihn in eine schwere Glaubens- und Sinnkrise gestürzt. „Gott ist die Stille“, so meint er. Wie einst Jesus Christus am Kreuz hat er das Gefühl, dass sein Gott ihn in der schwärzesten Stunde verlassen hat, allein gelassen in seinem Leid. Wenn dieser Gott überhaupt je existiert hat. Keine idealen Voraussetzungen, um seiner Gemeinde mit Trost und seelischen Beistand unter die Arme zu greifen.

Unfreiwillig tut er es seinem angeblich abwesenden Gott gleich: Hört nur noch hin, aber nicht zu. So auch, als der depressive Fischer Jonas (Max von Sydow; Die Jungfrauenquelle) dringend nicht nur ein halboffenes Ohr benötigt, sondern eine helfende Hand. Tomas will sie ausstrecken, hat jedoch viel zu sehr mit sich selbst zu kämpfen. Er erkennt die drohende Gefahr, das Warten in der Kirche auf eine hoffentlich erhellende Aussprache kommt einer Zerreisprobe gleich, in erster Linie allerdings mit den eigenen Problemen und Dämonen. Im entscheidenden Moment kann er nicht richtig interagieren und stürzt dadurch nur noch tiefer in den mentalen Abgrund, was ihn paradoxerweise letztlich an den Punkt bringt, den er seit Jahren nicht erreichen konnte. Der endgültigen Konfrontation mit seinen Problemen und einer möglichen Lösung: Dem Glauben abschwören oder in der Krise neu zu entdecken?

Ein zunächst kammerspielartiges Szenario in einem nahezu verwaisten Gotteshauses wird bei Ingmar Bergman (Szenen einer Ehe) – wie gewohnt – zum Diskurs über den Zwiespalt von Menschen am seelischen Scheideweg. Zweifel, Depression, Kummer, Glaube, Liebe, Erkenntnis und Hoffnung liegen bei ihm oft eng beieinander, sind in ihrer augenscheinlichen Diskrepanz näher miteinander verwoben als das sie sich widersprechen. Genau wie das, was Religiosität ausmacht und welchen Sinn sie (eigentlich) verfolgt. Licht im Winter hinterfragt die Spiritualität und das blinde Vertrauen in eine höhere Macht auf sehr nachvollziehbare, intelligente und empathische Art und Weise, unterstreicht gleichzeitig die Notwendigkeit von Glauben oder zumindest der Institution der Kirche, selbst wenn man sie nur auf das Rationale reduziert. Um als Anlaufstelle und Ratgeber zu dienen, wenn das Schicksal einen beutelt. Durch das Bild eines Pastors, der nicht nur seine Passion verloren hat, sondern auf dem Gipfel noch mit fast grausam ehrlichen Wahrheiten um sich wirft und erst dadurch wieder einen Pfad aus dem Elend findet, vermenschlicht Bergman die Unantastbarkeit von Gott und Kirche, demontiert sie jedoch nicht. Im Gegenteil, er zeigt ihre Notwendigkeit auf.

Fast „versöhnlich“ erscheint in dem demaskierenden Umgang das Finale, in dem Ingmar Bergman seinem Psychodrama doch wieder ein Stück Spiritualität gönnt: Wenn Engelchen und Teufelchen auf (oder über) den Schultern der Hauptfiguren um deren Zugehörigkeit kämpfen, sie manipulieren bzw. ermutigen wollen, dann findet Licht im Winter wieder zurück zum Ursprung und hinterlässt mit dem überlegt-zweideutigen Eindruck, dass Gott und Teufel genauso real wie irreal sein können, aber wenigstens stehen sie für etwas, das immer allgegenwärtig und wichtig sein wird.

Fazit

Wie die stechenden Bilder von Sven Nykvist dringt auch Ingmar Bergmann wieder tief in die Poren seiner Figuren ein, die nicht nur miteinander, sondern direkt mit uns zu sprechen scheinen. Eine intensive und kluge Auseinandersetzung mit weltlichen und religiösen Problematiken, die nicht zwingend isoliert voneinander zu betrachten sind.

Autor: Jacko Kunze

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