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Komponist John zieht nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter in ein altes, abgelegenes Herrenhaus. Schnell wird ihm klar, dass hier etwas nicht stimmt. Merkwürdige Vorkommnisse und geisterhafte Erscheinungen lassen ihn nicht zu Ruhe kommen. Er beginnt damit sich mit der Vergangenheit des alten Gemäuers auseinanderzusetzen und findet Schreckliches heraus.

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Kritik

Der Moviebreak Horroctober: 12.10.2015 (Haunted House)

Das Spukhaus ist ein von elementarer Bedeutung geprägtes und ebenso oft behandeltes Motiv im Horrorfilm. Der paranormale Schrecken, der von diesen Gebäuden ausgeht, steigt aus einer emotionalen wie psychologischen Kontextualisierung empor und ist in seiner sukzessiven Entwicklung ganz der mentalen Verfassung des Hauptdarstellers zuzuweisen. Die Fragen, die sich in diesen Fällen auftun, betreffen sowohl die reelle Existenz dieser Phänomene, als auch die Motivationen und Ursachen ihrer Vorkommnisse. Die Speerspitzen des Haunted House-Kinos, wie zum Beispiel „Bis das Blut gefriert“, „Schloss des Schreckens“ und ganz besonders Stanley Kubricks „Shining“, ließen sich in ihrer inhaltlichen Ausrichtung nie auf einen einzigen Nenner reduzieren, sondern streuten ihre Denk- und Interpretationsansätze in mannigfache Richtungen: Von unterdrückter Sexualität, über die Kontraktion der Wahrnehmung, hin zur seelischen Konfrontation mit den Dämonen der Vergangenheit und dem ungeschönten Blick in das eigene Innenleben.

„Das Grauen“ von Peter Medak schlägt da in eine ähnlich tiefgehende Kerbe und möchte den Zuschauer nicht allein durch den Einsatz von aus den finsteren Winkeln des schaurigen Gebäude schnellenden Fratzen in den bequemen Fernsehsessel drücken; das Drehbuch hingegen setzt sich primär zum Ziel, seine Hauptfigur John Russell (George C. Scott,Dr. Seltsam, oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben) hinter die mysteriösen Zwischenfälle schauen zu lassen und die schrecklichen Geschehnisse in Form einer affektiven Selbsttherapie aufzuklären. Dieser John Russell nämlich ist gezeichnet von zwei schweren Schicksalsschlägen und hat sich daraufhin dazu entschieden, sein Leben in der Metropole aufzugeben und ein viktorianisches Herrenhaus in der Abgelegenheit zu beziehen. Danach spielt Medak regelrecht mit den liebgewonnen Gruselkomponenten des Genres und lässt des nachts beispielsweise ein merkwürdiges Hämmern rhythmisch durch die breiten Gänge des Anwesens hallen. John lässt sich nicht abschrecken, er möchte den Dingen durch Ermittlungen auf den Grund gehen und wird so regelrecht dazu gezwungen, seinen Schmerz des Verlusts zu behandeln.

Die Symbiose aus John Coquillons Einzelheiten zergliedernde Kameraführung und Medaks ungemeinem Gespür für Räumlichkeiten, sensibilisiert das Auge für jedes noch so kleine Detail und spricht diesen einen ganz eigenen Wert zu, wie bei der peniblen wie präzisen Zusammenfügung und Verflechtung verschiedenster Teilchen eines Mosaiks. „Das Grauen“ ist nicht nur subtiler Horror, belebt von jeder Menge inszenatorischer Finesse, er integriert in seine übersinnlichen Ereignisse auch ein politisches wie innerfamiliäres Plateau und rückt das Geschehen so immer wieder in den Bereich eines Thrillers, in dem verzweifelt nach Wahrheit gesucht wird und Lügen infiltriert werden müssen; in dem assoziiert und kombiniert werden muss, um an sein Ziel zu kommen. John wirkt in seinem Vorgehen und Handlungen oftmals etwas zu souverän und furchtlos, aber ist in seiner Charakterzeichnung niemals unmenschlich oder gar karikaturesk: Seine Trauer erscheint glaubwürdig und die Tränen, die ihm in der Nacht über die Wangen laufen, sind nie preziöse Opfer einer blassen Melodramatik.

Fazit

Peter Madek hat mit „Das Grauen“, ganz anders als sein plakativer Titel im Deutschen vermuten lässt, einen angenehm ruhigen, taktvollen, intelligent geschriebenen und somit substanzielles Haunted House-Konglomerat entworfen, wie es heute in dieser nuancierten Narration nur noch von Ti West und seinem Meisterstück „The Innkeepers“ überboten wird.

Autor: Pascal Reis

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