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In den frühen 70er Jahren, also zeitlich direkt vor Blutgericht in Texas, brechen drei Jugendliche aus einer Psychiatrie aus. Dabei nehmen sie eine Krankenschwester als Geisel und entführen sie auf einen gewalttätigen Roadtrip quer durchs Land. Doch den jungen Psychopathen, von denen einer später den Namen Leatherface tragen wird, ist bereits das Gesetz auf den Fersen. Ein nicht weniger gestörter Texas Ranger (Stephen Dorff) mit unkonventionell brutalen Methoden nimmt die Verfolgung auf.

Kritik

Der legendäre Nachlass von Tobe Hooper (Poltergeist) scheint nicht zur Ruhe kommen zu wollen. Mit The Texas Chain Saw Massacre, der in Deutschland unter dem Titel Blutgericht in Texas veröffentlicht wurde, schuf der Regisseur ein Manifest des puren Terrors, das seit seinem Erscheinen im Jahr 1974 nichts von seiner zeitlosen Intensität eingebüßt hat. Den grobkörnigen Low-Budget-Filmaufnahmen von Hoopers Horror-Meilenstein ist nicht nur eine minimalistische, rohe Kraft eingeschrieben, an die verschiedene Filmemacher in mehreren Nachfolgern, Prequels oder Remakes anknüpfen wollten und die sie lediglich mithilfe variierender Ansätze umkreisen konnten, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit der gespaltenen Seele eines Landes, das inmitten von zerrissenen Wertevorstellungen und radikal unterschiedlichen Weltansichten aufeinanderprallt. 

In Leatherface, dem nunmehr achten Eintrag ins sogenannte TCM-Franchise, wird Hoopers Vermächtnis von dem französischen Regie-Duo Alexandre Bustillo und Julien Maury (Inside) fortgeführt, das wiederum zu den Ursprüngen der Kettensägen-Saga zurückkehren will. Neben dem 2006 erschienenen Texas Chainsaw Massacre: The Beginning, der die Vorgeschichte zu Marcus Nispels Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre von 2003, ein Remake des 1974er-Originals, darstellen sollte, beruft sich Leatherface-Drehbuchautor Seth M. Sherwood für seine Prequel-Geschichte auf den von Hooper gelegten Grundstein. Letztlich ist es für die Sichtung dieses achten Franchise-Eintrags aber unerheblich, ob der Zuschauer zwischen all den bisherigen Filmen der TCM-Reihe noch den Überblick behalten kann. 

Das englischsprachige Debüt von Bustillo und Maury erweist sich trotz bemühter Bezüge zu Hoopers Vermächtnis als überwiegend miserabler Etikettenschwindel, der hauptsächlich an einem grauenhaft konstruierten Drehbuch scheitert. Leatherface beginnt in den 50ern mitten im engsten Kreis der Sawyers, wo Jedidiah, das jüngste Familienmitglied, seinen Geburtstag feiert. Auf die Spitze getrieben wird die ohnehin dezent psychotische Stimmung am Küchentisch durch die Anwesenheit eines gefesselten Mannes, der beschuldigt wird, Schweine vom Anwesen der Sawyers gestohlen zu haben. Mit einer Kettensäge als Geburtstagsgeschenk soll Jed dem Leben des Diebes ein Ende bereiten, was unmissverständlich darauf hindeutet, dass niemand Geringeres als der kleine Junge später einmal zu jener Horror-Ikone heranreifen wird, die dem Film seinen Titel beschert.

Bustillo und Maury verweilen aber keineswegs in der manisch übersteigerten Atmosphäre, die der Auftakt erzeugt, sondern setzen plötzlich auf ungelenke Zeitsprünge. Bei diesen führen sie einen rachsüchtigen Texas Ranger ein, der eine persönliche Rechnung mit den Sawyers begleichen will, nachdem die seine Tochter töten, und gelangen wieder einige Jahre später in den frühen 70ern zu einer psychiatrischen Klinik, die sich auf problembelastete Kinder und Jugendliche spezialisiert. In diese Klinik ist Jed vor einer Weile eingeliefert worden und seine Mutter Verna setzt nun alles daran, ihren Sohn in den Schoß der Familie zurückzuholen. 

Nach einem brutalen Aufstand, bei dem einer kleinen Gruppe von Patienten zusammen mit einer als Geisel genommenen Krankenschwester die Flucht gelingt, entwickelt sich Leatherface fortlaufend zu einem reißerischen Road-Movie, dem jeglicher Fokus auf Hoopers kraftvollen Mythos endgültig abhandenkommt. Dem Regie-Duo, das in der Vergangenheit in gemeinsamen Arbeiten vor allem durch bildstarke Horror-Impressionen auffiel, gelingt es nur in einigen wenigen Szenen, dem katastrophalen Drehbuch prägnante Einstellungen zu entlocken, die durch rücksichtslose Härte, handgemachte Gore-Effekte oder verspielte Bizarrheit bestechen. Ansonsten ist Leatherface kaum mehr als eine lieblos abgespulte Variante von Neo-Grindhouse-Trips wie beispielsweise Rob Zombies The Devil’s Rejects, den sich der Drehbuchautor offensichtlich zum Vorbild nahm. 

Nicht nur der von Stephen Dorff (Somewhere) mit sadistischer Hingabe verkörperte Texas Ranger erinnert an Zombies Werk, sondern auch die nihilistische Atmosphäre, bei der die Frage nach der Identität von Jed Sawyer, dem zukünftigen Leatherface, zwischen verkommenen, mordlüsternen oder unberechenbar psychopathischen Figuren zum uninspiriert in die Länge gezogenen Rätselraten verkommt, das schlussendlich von einem vorhersehbaren, müden Twist aufgelöst wird. Als unentschiedene, zerfahrene Origin-Story einer die Zeit überdauernden Horror-Ikone, die ihren Schrecken gerade dadurch entfaltet, dass sie sich nicht konkret psychologisieren lässt, erweist sich Bustillo und Maurys Film spätestens im hilflosen Finale, das verzweifelt Horror-Mechanismen des bisherigen Franchise kopiert, als ein auf ganzer Linie gescheitertes Machwerk, das seinen Titel nicht verdient hat. Höchste Zeit, das Franchise ebenso wie seinen in diesem Jahr verstorbenen Schöpfer zu Grabe zu tragen.

Fazit

In ihrem englischsprachigen Debüt „Leatherface“ erweitert das französische Regie-Duo Alexandre Bustillo und Julien Maury das Texas-Chainsaw-Massacre-Franchise um einen unnötigen, miserabel geschriebenen, über weite Strecken uninspiriert inszenierten Beitrag, der als Origin-Story einer legendären Horror-Ikone ebenso massiv scheitert wie als unterirdische Kopie der Werke von Filmemachern wie beispielsweise Rob Zombie. Dieser zerfahrene, unentschiedene Mix aus klischeehaftem Psychiatrie-Wahnsinn, psychotischem Road-Trip, gnadenlosem Rache-Inferno sowie bitterer Nihilismus-Parade ist eine der lausigsten Horror-Gurken des bisherigen Filmjahres.

Autor: Patrick Reinbott

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