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Inhalt

Die sadistischen Serienkiller Evelyn und John White suchen nach einem neuen Opfer. In einer warmen Sommernacht entdecken sie die intelligente, aber fragile Vicki, die sich schon kurze Zeit später gefesselt in einer finsteren Welt aus Gewalt wiederfindet. Ihr Überlebensinstinkt regt ihre Gedanken an und sie erkennt ihre einzige Möglichkeit, diesem Wahnsinn zu entkommen: Sie muss einen Keil zwischen das Paar treiben.

Kritik

In einer frühen Szene von Ben Youngs Regiedebüt Hounds of Love fährt die Kamera an einer Gruppe junger Frauen entlang, die auf einem Sportplatz Volleyball spielen. Für diese Momentaufnahme kommt das Bild in extremer Zeitlupe fast komplett zum Stillstand und wird mit elegischer Langsamkeit schier endlos ausgedehnt. Obwohl der Regisseur dieses ästhetische Stilmittel nur noch einmal wenig später derart radikal verwendet, vermittelt der dadurch eingefangene Zustand einer Zeitspanne, die wie eingefroren zu sein scheint, bereits einen Vorgeschmack auf die Art des Horrors, den Young in seinem Film verfolgt.

Angelehnt an ein reales Vorbild aus den 80er Jahren erzählt der Regisseur die Geschichte des Serienkiller-Ehepaares John und Evelyn White. Anhand des Auftakts, in dem die beiden eine der jungen Frauen entführen, die sich vom Sportplatz aus auf den Nachhauseweg begibt, wird das psychopathische Verhalten der Whites exemplarisch offengelegt. Nachdem sie ihren Opfern eine Mitfahrgelegenheit anbieten, enden diese gefesselt auf einem Bett, wo sie John wiederholt vergewaltigt, bis sie schließlich tot in einem Loch in der Erde vergraben werden. Vicki Maloney, eine intelligente Schülerin, wird von dem Pärchen als nächstes Opfer für ihr brutales, perverses Ritual auserkoren und geht den Whites ebenfalls in die Falle. Nachdem sie sich für eine Party nachts aus dem Haus ihrer Mutter schleicht, die sie und ihren Vater verlassen hat, um ein unabhängiges Leben zu führen, steigt sie auf dem nächtlichen Fußweg zu John und Evelyn ins Auto, die sie ködern, indem sie ihr Alkohol und Gras versprechen. 

Mit dem nun folgenden Martyrium der Teenagerin, das sich in langsam komponierten Einstellungen sowie mit bedächtig gesetzten Schnitten entfaltet, kehrt Young zu jenem Gefühlszustand der qualvollen Endlosigkeit zurück, den die elegische Zeitlupe am Anfang des Films zuvor vorwegnahm. Den körperlichen Missbrauch, den Vicki durchleiden muss, inszeniert der Regisseur dabei weniger mit expliziter Brutalität, wobei er die unangenehmsten Szenen ins Off verlagert oder hinter verschlossenen Türen stattfinden lässt, sondern als psychologische Komponente für ein wesentlich weitreichenderes Spannungsgeflecht. Neben dem eigentlichen Szenario der Gefangenschaft, des körperlichen sowie psychischen Missbrauchs und dem wahrscheinlich bevorstehenden Ableben des 17-jährigen Opfers ist Young zusätzlich vor allem an der Beziehung zwischen John und Evelyn interessiert. 

Die Ehe des Paares entpuppt sich vor Vickis Augen und somit auch für den Zuschauer nach und nach als instabiles, schwer geschädigtes Konstrukt, das nur noch mühsam aufrechterhalten werden kann, indem sich John an den jungen Opfern sexuell vergeht und ein Ventil für seinen ansonsten unsicheren Charakter findet. Gerade in Bezug auf Evelyn gelingt dem Regisseur zudem eine mehrdimensionale, geradezu komplexe Persönlichkeit, die sich auffällig vom üblichen Standard des Psychokiller-Klischees abhebt. Dass sie selbst Kinder aus einer vorherigen Beziehung hat, von denen sie zwangsweise getrennt wurde, und von John in gewisser Weiße ebenfalls manipuliert wird und in eine Art Opferrolle fällt, ist ein entscheidender Faktor, den Vicki nutzen will, um die Whites möglichst gegeneinander aufzubringen und ihr eigenes Leben zu retten.

Hounds of Love hebt sich hierdurch zunehmend von der schlichten Täter-Opfer-Kategorisierung gängiger Genre-Vertreter ab und entwickelt eine mitreißende, intensive Eigendynamik zwischen häußlicher Gewalt, psychischer Unterdrückung, drastischem Missbrauch und einer Form von beklemmendem Horror, der sich jederzeit völlig unscheinbar hinter verschlossenen Türen inmitten idyllisch wirkender Nachbarschaften ereignen könnte. Auch wenn im Finale vielleicht ein paar Zufälle zu viel ineinandergreifen, kommen die letzten knapp 15 Minuten des Films schlussendlich einem Klammergriff gleich, der dem Betrachter erbarmungslos die Luft abschnürt. Durch die beeindruckend verdichtete Spannung, in der jede Sekunde bedrohlich über Leben und Tod entscheidet und bei der man als Zuschauer förmlich darum bettelt, irgendeine Form von Erlösung zu erhalten, empfiehlt sich Young endgültig als aufregendes neues Regie-Talent, das die Klaviatur des vielschichtigen Horrors, aber auch des fesselnden Thrillers virtuos beherrscht.

Fazit

Mit „Hounds of Love“ hat Regisseur Ben Young ein überaus gelungenes Debüt geschaffen, das gekonnt zwischen Horror und Thriller pendelt und die auf realen Tatsachen beruhende Geschichte eines psychopathischen Serienkiller-Pärchens sowie eines ihrer Opfer in einen fiktionalisierten Rahmen packt, der vielschichtige Themen wie häußliche Gewalt, psychische Manipulation und abgründigen Missbrauch in sich vereint. Dank der überzeugenden Schauspielleistungen, einer stilvollen Inszenierung und einem Gespür für beklemmende Spannung macht dieses Debüt sofort neugierig auf kommende Projekte dieses sichtbar talentierten Newcomers.

Autor: Patrick Reinbott

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