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An einem Tag trifft die Waise Nina auf gleich zwei Frauen, die ihrem Leben mehrere Wendungen verpassen. Während Toni ihr theoretisch eine angenehme Zukunft verspricht, meint Francoise ihre Vergangenheit zu kennen.

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Kritik

Das Kino der „Berliner Schule“ ist eine sehr vage Strömung. Es gibt kein Manifest, keinen klaren Startpunkt, nur wenige wirkliche Richtlinien und Bestimmungen, die ein Film haben muss. Christian Petzold („Phoenix“) und Thomas Arslan („Im Schatten“) zählen zu den Vertretern der ersten Stunde der Bewegung, die mal gefeiert und mal mit spöttischen Wörtern bedacht wird. Oskar Roehler („Tod den Hippies! Es lebe der Punk!!“) bezeichnete die Filme als langsam, trist und bedeutungslos, die zwar positive Stimmen bei Kritikern bekommen, aber kein wirkliches Publikum. Da mag er teilweise Recht haben, aber eben nur teilweise. Denn auch wenn die Filme nur wenige Kinozuschauer bekommen und tatsächlich trist und eher langsam erzählt sind, leiden sie nicht an einer Bedeutungslosigkeit. Weit gefehlt.

Der Regisseur Christian Petzold wollte nach eigener Aussage mit „Gespenster“ eine Art „Schwebezustand“ erreichen. Losgelöst von Sinn und Erklärung, Antwort und Frage, losgelöst von der Erde. Seine Protagonistin Nina personifiziert diesen vagen Zustand gewissermaßen. Sie ist Waise und bekommt keine klare Vergangenheit, keine klare Zukunft und vor allem nie ein greifbares Jetzt an die Hand. Sie ist bloß da, schaut, bewegt sich, redet. Aber sie sagt nie etwas aus, sie hat keinen Einfluss auf ihr Umfeld, ihr Umfeld aber viel Einfluss auf sie. Nina, die herzerwärmend und -zerbrechend von Julia Hummer gespielt wird, spricht immer sehr leise. Es ist fast so, als sei das, was sie sagt nur ein Echo der Stille, die in ihrem Inneren herrscht.

Gleich in der ersten Einstellung macht Petzold bewusst, was ihm hier wichtig ist. Die Szene erinnert von ihrer Wirkung an die legendären Steady-Cam-Momente aus Kubricks „Shining“ und gibt der Situation, dem Ort und der Charakterisierung der Figuren wichtige Impulse. Es ist eine seltsame Energie, die „Gespenster“ umwabert; der Zuschauer gleitet durch die Zeit und den Raum, löst sich los von den unsichtbaren Kräften, die den Menschen in der Rationalität halten und nimmt eine neue Form der Existenz an. Die gleiche Form, in der Nina seit jeher(?) ist. Eine der passiv-bewussten Teilnahme. Dieser Traumzustand war Nina nie bewusst, wird es aber schließlich, wenn sie erst Toni (Sabine Timoteo, "Der freie Wille") und dann Francoise (Marianne Basler, "Midnight in Paris") trifft. Dann nämlich verändert sich ihr Bewusstseinszustand für sich selbst und die Welt um sie herum.

Der Traumzustand wird für Nina zum Kernstück ihrer Person und ihres Lebens. Sie träumt durch das Treffen mit ihrer neuen (ersten) Freundin von einer Befreiung von der Vergangenheit, ihrer Gegenwart und dem ungewissen Druck der Zukunft. Sie baut sich eine alternative Realität auf, in der sich Wahrheit und Wunsch vermischen. Eine Flucht aus der Realität in die Wünsche des Verstandes.

Fazit

Christian Petzold gelingt es, mittels Buch und Regie immer wieder Kleinigkeiten und kraftvolle Momente so zu vermischen, dass „Gespenster“ zu einer seltsamen Erfahrung wird. Taucht man erst einmal in die Welt der Charaktere ein, müsste man sich mehrmals kneifen, um sicherzugehen, dass man nicht träumt. Die Kraft der Ruhe wird hier vollends entfesselt - und das in einem Maße, das unwirklich erscheint. Aber vielleicht ist das die Intention von Petzolds Werk. Der schafft es übrigens immer wieder mit seiner tristen Kulisse, das Innenleben seiner Figuren deutlicher zu machen, als Beschreibungen es je könnten. In einer Szene unterhalten sich Nina und ihre neue Freundin Toni. Links und rechts von Toni sind Löcher in der Wand. Sie wurden halbgar, fast schon auf absurde Art und Weise mit einem Tesafilm überklebt. In der Hoffnung, dass das einzig vertraute Umfeld nicht auch noch nachgibt.

Autor: Levin Günther

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