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Ein Team aus französischen Regisseuren dreht ein dokumentarisches Manifest gegen den Vietnamkrieg. Mit Bildern aus dem Vietnam, Frankreich und Amerika entwerfen sie ein weitreichendes und schockierendes Bild einer Welt im Chaos.

Kritik

Manchmal ist Krieg nur für eine Partei Spektakel. Wurde gestern noch in Moviebreaks Themenmonat ein handfester Kriegsfilm besprochen, zurrt diese französische Dokumentation den Realismus um einige Stufen fester. Unter der Schirmherrschaft von Chris Marker (dessen Antikriegs-Surrealismus La Jetée - Am Rande des Rollfeldes Weltstatus hat) versammelten sich mehrere - vorwiegend französische - Künstler, um sich dem Krieg in Vietnam anzunehmen. Sie waren damit so ziemlich die ersten. Von so namhaften Filmemachern wie Agnès Varda (Cléo - Mittwoch zwischen fünf und sieben), Jean-Luc Godard (Die Chinesin), Alain Resnais (Letztes Jahr in Marienbad) oder Claude Lelouch (Ein Mann und eine Frau) entstanden zahlreiche Aufnahmen und Segmente, die den Vietnamesischen Krieg in all seinen Facetten abbildeten; von der abstrusen Übermacht der Vereinigten Staaten zu dem Kriegsprotest mitten in New York City. Ein lebhaftes und schockierendes Zeitdokument.

Die Filmemacher vertreten dabei eine klare anti-imperialistische Einstellung, die die Legitimität des Krieges in Frage stellt und einen fürs Kino ersten kritischen Ansatz liefert. Der wahnsinnige Krieg in Vietnam war ein Krieg der Gegensätze. Auf der einen Seite die reichen Amerikaner, die täglich tausende Bomben einschiffen, die täglich ein unsagbares Bohei veranstalten. Jets, die von den Flugzeugträgern mitten im Ozean starten, Raketengeschosse, die von drei Mann getragen werden müssen. Auf der anderen Seite die Vietnamesen, die in den Stellvertreterkrieg gezogen wurden und sich mit Laub zu tarnen versuchen und die Streubomben der Amerikaner sammeln und entschärfen. Die einen wollen ihre geballte militärische Macht demonstrieren. Die anderen wollen sich der Macht des Geldes nicht beugen und beweisen, dass ihr Leben nicht an mangelnden Möglichkeiten scheitert. Der perfekte endlose Teufelskreis. Je erbarmungsloser die Amerikaner ihre Waffen in vietnamesische Körper rammen, desto stärker ist deren Wille, nicht nachzugeben.

Die Dokumentation inszeniert die Kriegsmaschine teilweise als Horrorvision: Ein Flugzeugträger ist ein zischendes Monstrum, ein grotesk übertriebenes Gerät, das gegen Reisbauern und sandalentragende Soldaten im Wald kämpft. Es ist durchaus makaber, wie dieser Film inszeniert wird - natürlich Ausdruck eines makabren Krieges. Mitten im Fliegeralarm fährt ein Auto durch die Straßen eines Dorfes und filmt alle Leute, die lächelnd in ihre Schutzbunker klettern. Plötzlich bricht das Bild ab. Das Bombardement beginnt. Schwarzbild. Leichen von Kindern, Männern, Frauen werden weggetragen. Menschen weinen. Elend breitet sich aus. Schrifttitel: Eine Parade ist eine Parade. Makaber aber wirkungsvoll. Der Film schneidet nach Frankreich, wo gegen den Krieg protestiert wird. Wie im Vietnam sind auch hier die Menschen gespalten. Gleiches gilt für Amerika. Ein politisch völlig entzweites Land. Auf der einen Seite die „Lieber tot als rot“-Parolen, auf der anderen die Proteste gegen das kapitalistische und unmenschliche Kriegsgeschäft.

Es ist ein sehr bunter Mix aus Segmenten, die den Film vervollständigen. Von Mitschnitten vom Flugzeugträger, über Momente in vietnamesischen Dörfern, von französischen und amerikanischen Protestmärschen zu Einzelschicksalen von Soldaten und Freiheitskämpfern. Chris Marker-typisch kommt jeder Schlag von Mensch hier zu Wort, darf jeder seine Meinung vertreten und am Diskurs teilnehmen. Anders als noch in Der schöne Mai greifen die Dokumentarfilmer hier nie ein. Sie stellen keine Fragen, sie kommentieren bloß. Der erste Krieg, der in den Wohnzimmern der Bevölkerung stattfand und die Konsumenten schockierte - mit der Kamera als Schusswaffe. Godard inszeniert seine Kamera im eigenen Segment auch als solche. Er nutzt Schock-Cuts von sterbenden Menschen und entstellten Leichen. Er will den Aufschrei so oft wiederholen, bis er auch für die Menschen vor der Mattscheibe schmerzt. Er will den Vietnam nach Frankreich bringen - und nicht Frankreich nach Vietnam. Für ihn ist dieser Film der größte Dienst, den er dem Lande erweisen konnte. Und wenn man vor dem Bildschirm sitzt, die schockierenden Bilder sieht und die chaotische Verwirrung der Weltbevölkerung sieht, dann glaubt man ihm beinahe.

Fazit

Mit „Fern von Vietnam“ liefern viele namhafte Filmemacher eine gemeinsame Dokumentation über den Stellvertreterkrieg im Vietnam ab. Ein Plädoyer gegen Aggressionen und Angriffskriege mit anti-imperialistischer Einstellung zeigt der Film mit seinem Erzähler nicht nur Schicksale vieler Menschen. Viel mehr informiert das Werk, ordnet den Krieg politisch, menschlich und ideologisch ein. Es ist eine außergewöhnlich breit gefächerte und gut informierte Dokumentation, die ebenso stark an Einzelheiten wie am großen Ganzen interessiert ist. Die extrem schrecklichen, spektakulären und zutiefst ehrlichen Bilder führen zu einem starken Nachhall, den der Film wie eine feste Klaue um den Hals des Zuschauers schnürt. Die perfekte Mischung aus Geheimtipp und Must-See!

Autor: Levin Günther

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