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In Fett brutzelnde Speckstreifen, eine junge Frau, die sich bei den Abonnenten ihres YouTube-Kanals bedankt, eine in schwarzen Mülltüten sauber verschnürte Leiche, die den Fluss hinuntertreibt – so klar die ersten Bilder in Travis Mathews’ Mystery-Thriller auch sein mögen, schälen sich die Zusammenhänge doch erst langsam und wie aus dem Unbewussten heraus. Die elliptisch montierte Geschichte, die um einen nicht mehr ganz jungen Mann kreist, ist mit einem unheimlichen Soundteppich unterlegt: Der Filmemacher Alex lebt in einem Van und stellt seine Kamera in ländlichen Regionen der USA im Niemandsland an den Highways auf. Als er seine ehemals alkoholabhängige Mutter besucht, erfährt er von ihr ein gut gehütetes Geheimnis. Und es gibt einen kleinen Jungen, zu dem Alex eine unerwartet intensive Beziehung aufbaut.

Kritik

Die Analyse und Interpretation von Travis Mathews opakem Spielfilmdebüt ist weit interessanter als das Anschauen der Reiseins Herzland des All American Nightmare. Es ist das tiefste ländliche Texas, wo ein klapprige Fertighäuser vermodern und rechte Fanatiker aus dem Autoradio keifen: „Das ist kein Albtraum-Szenario, das geschieht!“ Trotz der dichten Horrorfilmatmosphäre sind die Monster seiner Hinterwäldler-Hölle real.Jede verhängte Garage hat die bedrohliche Anrüchigkeit eines Schauplatzes unaussprechlicher Verbrechen, jeder Schuppen birgt ein Arsenal perverser Instrumente und ekliger Souvenirs. Das Sumpfland des Bible Belts könnte einen Roman von Stephen King oder einen Rob-Zombie-Song inspirieren. 

Alex (Jonny Mars) ist einem von ihnen begegnet, an dem Ort, an dem er zu Beginn und Ende der elliptischen Ereigniskette steht. Damals war er nicht allein. Ein Mann war bei ihm und ein kleinerer Junge. Was geschah, wird niemals deutlich, doch es ist nicht schwer zu raten. In Form bizarrer Requisiten und banaler Alltagsgegenstände streut Mathews abgründige Hinweise. Als direktes Resultat des nie verwundenen Traumas, dass ein verstörendes Geständnis seiner Mutter (Joy Cunningham) an die Oberfläche bringt, ist der schmierige Protagonist, wer er ist, und tut, was er tut. Absolute Determiniertheit bestimmt das desolate Szenario. Ein Entkommen aus dem ideologischen, lokalen und materiellen Orkus ist von vornherein unmöglich. 

Nach der perfiden Logik des pathologischen Kreislaufs nimmt Alex den Platz des Täters ein, den er nach Jahren des apathischen Driftens in dem halbseitig gelähmten Schlaganfallpatient John (Bob Swaffar) wiederzuerkennen glaubt. Der jugendliche Zach (Jordan Elsass) aus einem nahe gelegenen Diner wird Köder und ahnungsloser Komplizen eines sinnlosen Racheplots. Unterdessen gerät die psychologische Zuverlässigkeit des Hauptcharakters zunehmend in Zweifel. Seine Obsession mit der YouTuberin Mandy (Atsuko Okatsuko) ist eines von vielen Indizien des Realitätsverlusts nach einer letzten rationalen Erkenntnis. Überall hier „verdammte Monster“.

Fazit

Gespenstische Stilisierung und trister Dokumentarismus treffen in dem düsteren Stück Americana aufeinander. Triviale Symbole eines traditionellen Lifestyles verwandelt die beobachtende Kamera in Metaphern für pathologische Paradigmen und von Selbstablehnung genährter Aggression. Der labile Protagonist ist ein Kind dieser Welt und wird es bleiben, unfähig, dem mentalen Käfig zu entwachsen kann.

Autor: Lida Bach

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